Filmkritik: Valerian

Mit Luc Besson ist das so eine Sache… Der gute Mann hat ein paar wirklich großartige Filme gemacht, die wirklich gezeigt haben, dass er was von seinem Handwerk versteht. Im Rausch der Tiefe war toll. Nikita und Léon – Der Profi sind echte Genre-Klassiker und auch „Das fünfte Element“, so überdreht es auch sein mag, war ein toller, witziger Sci-Fi-Film, der heute sowas wie Kultstatus genießt.

Doch alles was danach kam war irgendwie nicht mehr so das Wahre. Doch nun kommt Besson mit einem Film heraus, der sowas wie ein Kindheitstraum von ihm war. Die Verflimung des französischen Comics „Valérian & Laureline“, welcher Gerüchten zufolge auch einen gewissen Herrn Lucas zu vielen Motiven seiner Star Wars Reihe inspiriert hat.

Sci-Fi plus Besson plus Comicvorlage plus entsprechender Leidenschaft für das Projekt klingen auf jeden Fall gut. Schauen wir mal rein.

Die Handlung:
Auf einem Planeten, der aussieht wie die Drogenfantasie eines Reisebüromitarbeiters leben ein paar androgyne, dezent primitive Eingeborene, die sowas wie das perfekt kitschige Leben führen, immer mit einem Grinsen durch die Gegend laufen und alles so toll finden, dass man als Zuschauer fast an Überzuckerung leidet.
Als wäre das noch nicht genug, halten sich die kosmischen Glückskinder auch noch ein paar knuddelige, kleine Haustiere, die Transmutatoren, die aussehen, als hätte jemand eine Gummiente mit einem Gürteltier gekreuzt. Diese Kerlchen können alles ruckzuck reproduzieren, was sie so gefressen haben. Gibt man ihnen einen Stein zu fressen, ploppen Sekunden später etliche weitere Steinchen aus dem Racker. Wo genau die raus kommen, hat man glücklicherweise nicht so genau gesehen.
Die Eingeborenen nutzen jede Menge Perlen, die aus welchem Grund auch immer irrsinnig viel Energie gespeichert haben, vervielfachen diese durch die Transmutatoren und speisen die Energie dann wieder in den Planeten ein. Ökobotschaft… Naturvolk.. bla…

Freundliche Naturvölker leben aber bekanntlich nur so lange, bis irgendein weniger freundliches Volk vorbei kommt. Und in diesem Fall stürzt direkt ein dickes Raumschiff auf den Planeten und macht diesen gleich mal lebensfeindlich. Nur ein paar wenige Leute vom Naturvolk konnten sich zufällig retten.

Schnitt zu Valerian ein paar Jahre später. Der titelgebende Held ist so eine Art Weltraum-James Bond, ein Agent im Auftrag der Regierung mit übergroßem Selbstvertrauen und ebenso enormer Libido. Ihm zur Seite steht seine Partnerin Laureline, die sich unnahbar gibt, aber dem aufmerksamen Zuschauer ist nach 5 Sekunden klar, das hier noch was geht.

Ihre Mission führt die beiden auf einen Wüstenplaneten, auf dem man scheinbar mit so einer Art Augmented Reality Brille in einer anderen Dimension shoppen gehen kann, denn in besagter Dimension befindet sich ein großer Markt exakt dort, wo in dieser Dimension die Wüste ist. Hier sollen die Helden den letzten lebenden Transmutator stehlen und der Regierung übergeben. Was folgt ist eine Sequenz, die von der Idee her irre cool ist, an der Umsetzung aber letztlich scheitert, da man sie an vielen Ecken irgendwie nicht so ganz zuende gedacht hat. Seis drum.. cool isses alle mal.

Hinter dem Transmutator sind jedenfalls noch allerlei andere Leute her und Valerian und seine Assistentin werden in ein Abenteuer verwickelt, in deren Verlauf sie es mit etlichen Aliens, Robotern, Rettungsaktionen und Intrigen zu tun bekommen.

Im Großen und Ganzen war ich von der Handlung ein wenig enttäuscht.

Stellenweise hatte man das Gefühl, man schaut keinen Film, sondern die ersten drei Folgen einer Serie, deren Episoden nur so ganz am Rande etwas miteinander zu tun haben.

Ständig muss irgendeiner der beiden Hauptcharaktere irgendwoher gerettet werden und man verliert den Hauptstrang der Handlung zeitweise komplett aus den Augen. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so, denn der ist relativ dünn.
Ich hatte mir, nachdem ich den Trailer gesehen hatte, doch etwas mehr Exotik gewünscht. Ein wenig wie bei der Computerspielreihe „Mass Effect“, bei der man auf etliche Alienrassen trifft und deren Kulturen und Sichtweisen kennenlernt. Doch bei Valerian waren die Menschen mal wieder die Leute, die die Entscheidungen treffen und alles was man an Aliens gesehen hat, war entweder ein Beispiel für die „Bekloppten Wilden“, die „lustigen Komiker“, die „knuddeligen Süßen“, oder schlicht Dekoration für ein paar Szenenbilder.

Die Charaktere:
Hier findet sich mein größter Kritikpunkt am Film. Valerian und seine Partnerin Laureline sind so blass und leblos wie sie nur sein können. Wir erfahren im Grunde so gut wie nichts über die beiden und ihre Hintergründe oder warum sie zusammen arbeiten oder wie lange.

Ja, ich fands relativ erstaunlich, dass in den ersten fünf Minuten des Films direkt von einer Hochzeit der beiden Helden die Rede war, man aber auch am Ende des Films keine Ahnung hatte, ob sie sich nun seit 2 Wochen oder 10 Jahren kennen. Seltsam.
Dazu kommt, dass die Chemie zwischen ihnen quasi nicht vorhanden war, was die Romanze unheimlich aufgesetzt wirken liess.

Wie bereits gesagt war Valerian so eine Art Space-James Bond und in der Tat wird sein Charakter ähnlich ausführlich beschrieben wie der von 007 zu Roger Moores besten Zeiten. Nämlich so gut wie gar nicht. Beim englischen Geheimagenten hats mich aber irgendwie weniger gestört.

Das Casting war in meinen Augen ziemlich suboptimal. Ich mag Dane DeHaan als Schauspieler, aber hier war er irgendwie ziemlich unterfordert und wirkte wie seine Partnerin Cara Delevingne irgendwie ein gutes Stück zu jung für die Rolle (wobei ich nicht weiss, ob die Comics eine Erklärung dafür geben, dass beide so jung und schon Superagenten sind). Letztere macht ihre Sache ganz gut, man hat aber schon ein wenig das Gefühl, dass sie hier durchaus schon am oberen Ende ihrer Schauspielfähigkeit angekommen ist.

Rihanna hat einen Gastauftritt der mich unglaublich genervt hat, weil er mich einfach mal komplett aus dem Film raus gerissen hat und Clive Owen sowie Ethan Hawke sind auch mit dabei und sind erschreckend alt geworden.
Ich beschwere mich ja selten über das Casting eines Films, aber hier hatte man irgendwie so durch die Bank das Gefühl, dass die Schauspieler zwar tendenziell gut sind, aber keiner so recht auf die Rolle passt.

Der Look:
Ja, es gibt irre viel CGI, aber ich muss trotzdem sagen, dass Valerian einer der schicksten, visuell spannendsten Filme der letzten Jahre ist. Die Aliens und Umgebungen sehen toll aus, das Design passt (auch wenn es Besson-typisch teilweise etwas drüber ist) und Augen und Ohren wird jede Menge geboten. Schade nur, dass diese tolle Welt so wenig genutzt wurde und Handlung nicht mit der Optik mithalten konnte.

Fazit:
Valerian hat einen gewissen Charme und er unterhält durchaus ganz gut und langweilt nicht. Trotzdem reicht mir einmal anschauen erstmal aus und vielleicht riskiere ich in ein paar Jahren nochmal einen Blick. Der YouTube-Kritiker Chris Stuckmann sagte, dass er sich gut vorstellen könne, dass der Film in ein paar Jahren ähnlichen Kultstatus genießt, wie „Das fünfte Element“.
Das wage ich zu bezweifeln, denn was dem Film in meinen Augen dazu fehlt, sind die liebenswürdigen Charaktere. Die Effekte allein werden in eine paar Jahren vermutlich nicht mehr beeindrucken. Und so bleibt Valerian ein Film, der von aussen toll aussieht, aber innen drin ziemlich hohl ist.
Also: Kann man gucken, muss man aber nicht.

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3 responses to “Filmkritik: Valerian”

  1. franziska-t says :

    Ich kenne keinen, der die Charakterzeichnung in den letzten Jahren so derart verhauen hat, wie Luc Besson mit VALERIAN. Die Darsteller von Laureline und Valerian haben so gar keine Chemie. Davon abgesehen erinnern die Dialoge mehr an eine 80er-Jahre-Schmonzette als an modernes Kino. Visuell punktet der Film aber, und macht einiges wieder wett.

    Gefällt 1 Person

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