G20 – Oder: Mit Vollgas ins Chaos

Protest muss sein. Wenn ich mit etwas nicht einverstanden bin, dann habe ich das Recht auf die Straße zu gehen, und meinen Unmut zu äußern.

Leider ist es aber so, dass es die Politik vermutlich einen feuchten Furz interessiert, wenn 10.000 Menschen eine Lichterkette um die Alster bilden und Kumbaya singen. Von daher finde ich es schon okay, wenn man seinen Protest auch mal etwas vehementer vorträgt und zum Beispiel versucht, den G20 Gipfel in seinem Ablauf zu stören. Durch Sitzblockaden und meintwegen, oder auch mit Straßenbarrikaden (brennen müssen die nun aber nicht unbedingt). Das wichtige Stichwort dabei ist allerdings „maßvoll.“
Wenn ich mich auf eine Straße hocke, um die Politikerkolonnen zu behindern, kann es durchaus sein, dass es zu einer Rangelei mit der Polizei kommt. Und selbst das finde ich bis zu einem gewissen Punkt okay.

Aber das, was da in der Schanze abging hat genausowenig etwas mit Protest zu tun, wie mit links oder rechts oder irgendeiner anderen Art von politischem Denken und Handeln. Auch wenn die AfD und diverse andere Populisten gerade kräftig trommeln und Stimmung machen gegen die „bösen Linken“.
Das war schlicht stumpfsinnige Gewalt und Lust an Chaos und Zerstörung.

Molotows oder Steinplatten auf Polizisten zu werfen oder diese mit Stahlkugeln zu beschiessen ist kein Protest, sondern versuchter Mord. Und auch wenn die Leute von der Staatsgewalt mit ihren schwarzen Uniformen und gruseligen Helmen gemein aussehen, sinds am Ende des Tages doch nur Jungs und Mädels, die sich in so einer Situation vermutlich fürchterlich in die Hose kacken und hoffen, dass der Scheiss bald vorbei ist.

Ich bin wirklich kein Fan davon, alles staatlich zu regulieren, aber am letzten Wochenende gab es einen kurzen Ausblick darauf, was passieren würde, wenn der Staat als kontrollierende Instanz mal weg fallen sollte. Ruckzuck schnappen sich ein paar selbernannte Alphamännchen eine Keule und spielen Steinzeit. Und dabei dachte man fast, wir als menschliche Rasse hätten das Ding mit der Zivilisation schon einigermaßen raus.

Im Nachgang bleiben bei mir jede Menge Fragezeichen übrig.
Warum macht man sowas? Sitzt man tatsächlich zuhause (möglicherweise sogar im Ausland), hört vom G20-Gipfel und denkt sich: „Geil… da fahr ich hin und mach ein paar Polizisten platt!“? Die Motivation ist mir schlicht nicht klar.
Und warum plündere ich eine Budnikowski-Filiale? Weil mein Shampoo gerade mal wieder aus ist?

Warum hielt man es überhaupt für eine gute Idee, eine Veranstaltung wie den G20-Gipfel in einer Großstadt stattfinden zu lassen? Und warum sucht man sich nicht nur Hamburg aus, sondern packt den Tagungsort auch noch in unmittelbare Nähe der Schanze, einer Hochburg der linken Protestkultur? Gibt es nicht genug große Gebäude, die sich für eine Tagung super eignen würden und die vielleicht aufgrund ihrer täglichen Funktion schon direkt besser zu sichern sind? Den Bundestag zum Beispiel? Oder das Gebäude der vereinten Nationen?
Ist es okay, nicht nur ganze Stadtteile für ein Wochenende lahm zu legen, sondern obendrein Menschen von Ihrer Arbeit abzuhalten und in Kauf zu nehmen, dass deren Eigentum und teilweise sogar ihre ganze Existenz zerstört werden, nur damit eine Truppe von rund 50 Leuten mal lecker essen gehen und sich ein Konzert angucken kann? Und hätte man die enormen Kosten dieser ganzen Veranstaltung nicht auch sinnvoller nutzen können, wenn sich die politischen Flitzpiepen einfach zu einer Konferenz auf Skype verabredet hätten?
War Olaf Scholz wirklich so naiv zu glauben, dass das alles vollkommen reibungslos ablaufen wird und niemand, der in Hamburg wohnt ernsthaft vom Gipfel beeinträchtigt wird?
Bin ich der Einzige, der es irgendwie bedenklich fand, dass sich sämtliche Medien wie blöd auf die Krawalle gestürzt („Was sind das eigentlich für Menschen in diesem schwarzen Block?“ oder „Wie aufgeheizt ist die Stimmung gerade bei Ihnen vor Ort?“) und dabei aber irgendwie vergessen haben über den eigentlichen Gipfel zu berichten?

Ich hoffe einerseits, dass die bei Privatpersonen entstandenen Schäden entsprechend von Versicherungen oder dem Staat bezahlt werden. Andererseits hiesse letzteres aber wieder, dass letztlich der Steuerzahler für den ganzen Mumpitz aufkommen muss. Recht herzlichen Dank auch.

Und die Moral von der Geschicht? Eine echte Einigung und richtige Ergebnisse des Gipfels gibt es nicht.

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