Der US-Angriff auf Syrien und was Trump davon hat

Erst gestern schrieb ich darüber, für wie schwierig ich es halte, bei all den News-Meldungen den Überblick zu behalten und zwischen Fakt und Quatsch zu unterscheiden. Als Beispiel zog ich dafür den Giftgas-Angriff auf syrische Zivilisten am letztem Dienstag heran, von dem ein dramatisches Video den Weg ins Netz fand.

Nun, drei Tage nach dem Angriff, haben die Vereinigten Staaten tatsächlich einen Luftwaffenstützpunkt in Syrien bombardiert.


Der Us-Präsident sagte dazu, es liege im „vitalen nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten“, die Verbreitung von chemischen Waffen zu verhindern. Alle „zivilisierten Nationen“ müssten das Blutvergießen und „Schlachten“ in Syrien stoppen, forderte er. (Quelle: Spiegel Online)
Grundsätzlich stimme ich ihm da ausnahmsweise mal zu. Das Leid der Bevölkerung in Syrien muss ein Ende haben. Ich bezweifle allerdings, dass das Wohlergehen der Syrer irgendetwas mit diesem Angriff zu tun hatte.

Assad hat bereits zuvor bestätigterweise in zwei Fällen Giftgas eingesetzt (am 21. April 2014 und am 16. März 2015) und sechs andere untersuchte Fälle von mutmaßlichen Giftgaseinsätzen in den Jahren 2014 und 2015 können nicht mit Sicherheit der Assad-Regierung zugeordnet werden. Und auch in den Jahren zuvor machte man vor dem Einsatz chemischer Waffen nicht halt. Als der damalige Präsident Obama den Ton verschärfte, reagierte Trump im übrigen so:

trump-syria-tweets

Ein verblüffender Schwenk in seinen Ansichten. Auch interessant, dass Trump selbst bei einer Pressekonferenz am Mittwoch von diversen roten Linien sprach, die man überschritten habe.

So richtig passt das alles nicht zusammen.

Oder vielleicht ja doch?

Donald Trump und seine Regierung sind bekanntermaßen zur Zeit in allerlei Skandale verwickelt, von denen der vermutlich gravierendste die Vermutung ist, dass die russische Regierung beim Wahlkampf nachgeholfen haben könnte, um den jetzigen Präsidenten ins Amt zu befördern. Diverse amerikanische Behörden ermitteln deswegen und die Luft wird langsam dünn.
Darüberhinaus sind Trumps Umfragewerte im Sinkflug (44,5 % der US-Bürger unterstützten ihn zur Amtseinführung. Mittlerweile sind das nur noch 34 %).
Und was man in so einer Situation tun könnte, verriet er selbst in einem Tweet:

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Na klar, ein Krieg ist immer gut für die Umfragewerte.
Und für die Wirtschaft.
Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen?
Meiner Meinung nach – und das klingt vielleicht nach Verschwörungstheorie, denn ich kann meine Vermutungen nur bedingt belegen – war der Angriff auf Syrien schon länger geplant, man hatte nur eben noch keinen richtigen Grund, den man der Öffentlichkeit gut verkaufen konnte.

Senator Chris Murphy berichtet zum Beispiel bereits 10 Tage vor dem Giftgasangriff in der Huffington Post, dass Trump die Präsenz amerikanischer Truppen in Syrien massiv verstärken würde, was in Washington komischerweise kaum jemand mitbekommen habe. Warum ist das so? Und warum sind die Truppen dort, wenn man doch mit Assad eigentlich noch ganz gut klar kommt? Offiziell heisst es, diese Truppen sollen den Angriff auf die vom IS besetzte Festung Raqqa unterstützen. Doch wenn das so ist, warum macht man dann so ein Geheimnis daraus?

Aber natürlich kann man nicht einfach so irgendein Land angreifen, ohne die internationalen Folgen fürchten zu müssen. Wie praktisch, dass derjenige den man potenziell bekämpfen könnte, eine Marionette des Mannes ist, der einen selbst zum Präsidenten gemacht hat. Ist es total abwägig, dass Putin möglicherweise Assad angewiesen hat, den Giftgasangriff durchzuführen, um Amerika einen Grund zu geben selbst anzugreifen? Und wenn man dann noch ein paar Leute hinschickt, die dramatische Bilder mit toten Kindern filmen und diese veröffentlichen, ist der Grund für einen Krieg doch perfekt.

Man könnte jetzt denken, dass das ja Selbstmord für Assad wäre. Doch Trump wird nicht den Fehler machen, es sich mit Putin zu verscherzen. Ich glaube nicht, dass auf diesen Angriff viele weitere militärische Aktionen in Syrien folgen werden und dass Amerika daran arbeiten wird, Assad als Anführer Syriens zu entfernen. So wird dieser Angriff vermutlich nicht viel mehr bleiben als eine sehr teure Feuerwerks-Show.
Die russische Regierung wurde über den Angriff im Vorfeld informiert, um Verluste auf russischer Seite zu vermeiden und  wie ABC News berichten, schienen auch die syrischen Truppen informiert zu sein, denn die zogen im Vorfeld des Angriffes bereits Truppen und Ausrüstung von der Luftwaffenbasis ab.
Man vernichtete also eine mehr oder weniger verlassene Basis.
Ich bezweifle, dass Assads Fähigkeiten derartige Angriffe erneut durchzuführen dadurch in irgendeiner Art und Weise eingeschränkt wurde.

Russland äußert sich natürlich öffentlich wenig begeistert über den Angriff und sieht die Beziehungen zu den USA „signifikant beschädigt“. Fraglich ist aber, ob sie nicht mit den in Syrien stationierten S-400 Luftabwehrsystemen den Angriff hätten verhindern oder abschwächen können, wenn man denn gewollt hätte.

Die Washington Post schreibt dazu:

Chris Harmer, a defense analyst and former naval officer now with the Institute for the Study of War, said that the U.S. military can jam some of the Russian radar through the use of the EA-18G Growler jet and other means. But the Russians likely can withstand some of that jamming, especially the most advanced S-400 systems.

“We have the advantage, but it doesn’t mean it renders the Russian air defense irrelevant,” Harmer said.

Wollte man aber scheinbar nicht.

Alles an allem würden sich aus dieser Situation für Trump und Putin diverse Vorteile ergeben:

  • Trump steht als starker Führer da
  • Trump kann den erhöhten Rüstungsetat rechtfertigen
  • Trump kurbelt die Wirtschaft an
  • Trump bringt das Volk hinter sich
  • Trump kann beweisen, dass man auch gegen russische Interessen handelt und keine Marionette Putins ist
  • Man lenkt von den innerpolitischen Problemen ab, die sowohl Trump als auch Putin belasten könnten
  • Putin behält Trump langfristig als Marionette

Ich hoffe sehr, dass ich mit meinen Vermutungen falsch liege und dass die beiden vermeintlich mächtigsten Männer der Welt nicht derartig kaltblütig sind und mehr als 70 Menschen mir Giftgas töten, nur um der Welt ein Kriegstheater vorspielen zu können, mit dem Ziel die Machtposition Trumps zu festigen.

Vielleicht ist alles so wie es scheint, Assad ist ein fieser Diktator und Amerika tritt auf den Plan, um endgültig zu sagen dass es nun mal reicht.
Aber ich fürchte so einfach ist es nicht und die Vergangenheit zeigte ja oft genug, dass kaum ein Krieg aus dem selbstlosen Grund begonnen wurde, einem unterdrückten Volk zu helfen. Und selbst wenn es so wäre, dann wäre da immernoch der drohende, beängstigende Konflikt zwischen Russland und den USA, der noch im Raum steht.

Keine Ahnung, welches Szenario ich mir da mehr mehr wünschen soll…

10.04.2017:
Kleiner Nachtrag: Spiegel Online berichtete gestern darüber, was der Angriff auf den syrischen Stützpunkt eigentlich zerstört habe. Nämlich nix. Hangars wurden getroffen, sind aber weitgehend intakt, da man offenbar selbst in Syrien verstanden hat, dass es Sinn macht, seine Flugzeuge unter eine Decke aus dickem Beton zu stellen.
Die Zu- und Abfahrten zwischen den Gebäuden sind zerstört, die Landebahnen aber völlig heil. So heil, dass bereits zwei Tage später schon wieder Flugzeuge starten konnten.
War da nicht was von „Man wolle die Fähigkeiten des syrischen Militärs zu weiteren Chemiewaffenangriffen verringern“? Hat ja super geklappt.
Wie kann man sich denn wohl das Gespräch zwischen Putin und Trump vorstellen?
Spricht Putin mit dem Donald, wie die Mama, die mit ihrem kleinen Sohn im Restaurant ist und auf die Frage, ober denn ein bissl rumtoben darf nur sagt: „Gut Schatz, aber pass auf dass nichts kaputt geht, ja?“

Was ich auch nicht ganz verstehe…. Auf syrischer Seite spricht man von 6 Toten. Wer war das denn bitte? Hat der Hausmeister nicht mitbekommen, dass der Stützpunkt evakuiert wurde? Hat man vergessen der Putzfrau abzusagen? Oder war das am Ende eine prima Gelegenheit, um sich mal ein paar politischer Gegner zu entledigen?

Was auch immer der Sinn hinter dem Angriff gewesen sein mag. Damit, Assad zu schwächen, hatte das auf jeden Fall nichts zu tun.

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