Zwischen Paranoia und Postfaktum

Ich gebe zu, dass ich Verschwörungstheorien mag. Allerdings eher so, wie ich über die alternativen Realitäten von Filmen diskutieren kann. Reine Unterhaltung und Gedankenspielereien. Wirklich ernst nehme ich davon nur das allerwenigste.

Die Welt verwandelt sich momentan scheinbar immer mehr in ein seltsam absurdes Zerrbild ihrer selbst und ich muss gestehen, dass ich – auch wenn ich mich für durchaus kritisch und medienaffin halte – zunehmend Schwierigkeiten habe, bei der Flut an Informationen, die so auf einen einprasselt zwischen Fake News und der Wahrheit zu unterscheiden.


Klar, wenn jemand berichtet, dass Donald Trump in seiner Freizeit gern Hundebabies tritt, weil dann ihre Pelze weicher werden, dann überlese ich das direkt, aber vieles von dem was man so liest ist eben nicht direkt als Quatsch zu erkennen. Und so stelle ich bei mir selbst fest, dass ich selbst schlimmste Meldungen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfe und mich frage, warum diese Meldungen gerade jetzt publik werden.

So zum Beispiel bei diesem grauenhaften Video aus Syrien, welches die Opfer einer Giftgas-Attacke durch Assad zeigen soll. Ja, das Video ist absolut furchtbar, zeigt schonungslos tote Kinder und sterbende Menschen und lässt vermutlich niemanden kalt, der auch nur einen minimalen Rest Mitgefühl hat. Möglicherweise ist das Video echt und wurde tatsächlich nach einem kürzlichen Angriff aufgenommen, aber für mich stellen sich gerade mehrere Fragen…

In Syrien sterben seit Jahren unschuldige Frauen, Männer und Kinder und die internationale Gemeinschaft steht daneben und schaut zu. Ist es da nicht irgendwie ziemlich scheinheilig, dass man sich jetzt plötzlich darüber empört, weil Assad scheinbar statt Bomben diesmal Giftgas eingesetzt hat? Wegsprengen ist halb so wild, aber vergiften ist unmenschlich?

Zeitgleich wird es für Donald Trump im weißen Haus gerade ziemlich eng. Die Ermittlungen wegen seiner Russland-Connections laufen auf Hochtouren, seine geplanten Projekte wie die Abschaffung von Obamacare oder der Einreisestopp für Menschen aus bestimmten Ländern sind gescheitert. Die Umfragewerte fallen konstant und Ende nächsten Jahres stehen in Amerika die midterm-elections an, die für ihn auch nicht unbedingt positiv ausfallen könnten.

Noam Chomsky schloß die Möglichkeit nicht aus, dass es eventuell einen inszenierten Anschlag in den USA geben könnte, um von den innerpolitischen Problemen abzulenken und das Volk hinter dem Präsidenten zu versammeln.

Jetzt frage ich mich, ob es zu diesem Zwecke unbedingt ein Terroranschlag sein muss, oder ob es da nicht auch ein Krieg tut. Wer „Wag the Dog“ gesehen hat, weiss was ich meine.
Und kommt einem da so ein Video, welches sich flott auf allen Sendern und in den sozialen Netzwerken verbreitet nicht gerade recht? Ein Video, bei dem jeder sagt: „Oh Gott wie schlimm… Da muss man was machen.“? Ein Video mit dem man das Volk schonmal dezent auf einen kommenden Krieg einstimmen kann?

Auf einer Pressekonferenz am letzten Mittwoch sagte Trump dass sich seine Ansichten zu Putin-Buddy Assad, mit dem er bislang einen eher sanften Kurs fuhr, geändert hätten und dass mit diesem Angriff auf Unschludige nun viele, viele rote Linien überschritten wären. Was genau das nun bedeutet sagte er nicht, aber es klang schon nach deutlich mehr als dem üblichen Säbelrasseln.

Grundsätzlich sollte in jedem Falle etwas in Syrien getan werden und das Abschlachten des Volkes muss enden. Aber das ist schon seit Jahren so.

Für Trump wäre ein Krieg in Syrien überaus praktisch. Er würde die Berichte über seinen eventuellen Wahlbetrug und all seine anderen Skandale und Skandälchen, die momentan die Nachrichten beherrschen in den Hintergrund drängen, obendrein die amerikanische Wirtschaft ankurbeln und vermutlich seine Umfragewerte verbessern. Und da es selten so ist, dass en Volk in Kriegszeiten gegen den eigenen Präsidenten stimmt, würde ihm das auch bei den midterm elections helfen.

Ob ein Angriff allerdings auch dem syrischen Volk helfen würde, das wage ich einfach mal zu bezweifeln. Zumal Trumps Optionen durchaus begrenzt sind, denn Assad hat nachwievor Putin hinter sich, mit dem sich der US-Präsident höchstens darauf verständigen könnte, bestimmte Ziele anzugreifen, das Assad-Regime aber intakt zu lassen. So wäre ein Angriff nicht viel mehr ein symbolischer Akt, eine Art Schauspiel mit dem Trump sich als toller starker Mann präsentieren kann.
Und sollte das nicht klappen, hat Trump in besagter Prssekonferenz sicherheitshlaber schonmal Nordkorea mit in den Raum geworfen.

Das Syrien-Video ist zweifellos schlimm, keine Frage. Aber ist es ein Zufall, dass ein Video, welches durch die vielen leidenden Kinder nochmal emotional aufgeladener ist, gerade zu diesem Zeitpunkt an die Öffentlichkeit kommt? Und ist es nicht ein wenig seltsam, dass nun plötzlich so viele, viele rote Linien überschritten sind, obwohl Assad bereits zuvor mehrfach Giftgas eingesetzt hat und die Regierungen der Welt nichts getan haben außer Ihre Bestürzung darüber kund zu tun?

Ich will nicht sagen, dass das Video gefälscht ist, oder das Assad die Kriegsverbrechen nicht begangen hat, derer er beschuldigt wird.
Was ich sagen will ist, dass Bilder eine enorme Macht haben und dass man in Zeiten wie diesen eben nicht sicher sein kann, ob derartige Videos nicht gezielt eingesetzt werden, um in der breiten Masse eine gewisse Grundstimmung zu erzeugen.
Propaganda nennt sich sowas. Und ich finde es momentan schwer, auch wenn man sich noch so kritisch mit den Medien auseinandersetzt, sich durch derartige Meldungen nicht beeinflussen zu lassen.

Vielleicht ist alles was ich hier gerade geschrieben habe Quatsch. Vielleicht sieht der Herr Trump es tatsächlich als seine Pflicht, sich vollkommen selbstlos für die Menschenrechte in Syrien einzusetzen. Das wäre das erste Mal, aber schön wärs trotzdem. Denn die Alternative finde ich ehrlich gesagt sehr, sehr gruselig.

Wie geht euch das? Fällt euch die Unterscheidung zwischen den vielzitierten „Fake News“ und den tatsächlichen Fakten auch gerade so schwer wie mir?

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