Filmkritik: Ghost in the Shell (2017)

Wie vieles was aus Japan kommt, sind die meisten Mangas für mich eher sowas wie ein Buch mit sieben Siegeln. Klar, es gibt die Studio Ghibli Filme, die ich tatsächlich fast alle toll finde, aber  ansonsten verschliesst sich mir die japanische Pop-Kultur mit all ihren seltsamen Tentakeln, kurzberockten Schulmädchen und komischen Katzen mit Riesenaugen fast komplett. Ob nun Naruto, Dragonball und selbst Akira… ich raff das einfach nicht, denn der Kram ist mir schlicht zu… japanisch. Fast so als sprächen diese Filme – auch abseits des kommunizierten Wortes – eine andere Sprache, die mein Hirn irgendwie nicht zu übersetzen in der Lage ist.

Und dann gab es da in den 90ern Ghost in the Shell. Wie viele bin ich vermutlich durch das Musikvideo von Wamdue Projekt auf den Film aufmerksam geworden, hab ihn mir damals mit 15 oder so mit ein paar Freunden reingezogen und fand ihn toll. Nicht nur, weil der optische Stil großartig war, sondern weil die Geschichte cool und vielschichtig war und einige wirklich spannende Fragen nach der Natur des Menschseins ansich aufwarf.

Als angekündigt wurde, dass man aus dem Anime-Film eine Adaption mit echten Schauspielern machen wolle und dass man Scarlett Johansson für die Hauptrolle gecasted habe, war ich erstmal skeptisch. Und das blieb ich bis zu dem Moment, als ich im Kino saß.

Die Handlung:
Tokio in der Zukunft. Die Welt ist immernoch genauso bekloppt wie sie´s jetzt auch schon ist. Vielleicht sogar ein wenig bekloppter. Städte werden größer, Werbung ist überall, alles ist vernetzt und vermutlich können sich Mikrowellen mittlerweile sogar in Kameras verwandeln. Wir Menschen haben´s hingekriegt, uns künstliche Körperteile zu bauen und irgendwie ist der Austausch der Originalteile gegen ein künstliches Produkt keine große Sache. Wenn man also mal richtig einen saufen gehen will, baut man sich kurzerhand eine künstliche Hochleistungsleber aus dem Hause Jack Daniels ein.
Das wirft natürlich über kurz oder lang die Frage auf, wieviel von dem alten organischen Krempel man überhaupt noch braucht und ob es nicht viel toller ist, wenn man sich quasi rundum erneuern lässt.
Gut, das klingt jetzt erstmal ein bissl so, wie das was die Herrschaften Glööckler und Loth schon seit Jahren machen, aber in der Zukunft wird’s noch etwas extremer, denn die Firma Hanka (nein, nicht die Gestörte aus dem Dschungel) bastelt an einem Prototypen für eine Art Ganzkörperprothese. Das Gehirn einer jungen Frau, die bei einem Anschlag ums Leben kam, wird zum ersten Mal in einen vollständig synthetischen Roboterkörper (die so genannte Shell) verpflanzt. Hier ist das vermutlich eine gute Idee, bei Frau Loth und Herrn Glööckler würde ich jetzt das Gehirn jeweils nicht unbedingt für das definierendste und rettenswerteste Körpermerkmal halten.

Wie dem auch sei… Der CEO von Hanka reibt sich jedenfalls fleissig die Hände, weil er mit Prothesen und militärischen Anwendungen gleich zwei überaus lukrative Einsatzmöglichkeiten für ein menschliches Gehirn in einem Roboterkörper sieht. Vermutlich um das Ganze mal ausführlich zu testen, wird die junge Roboterdame, die fortan Major genannt wird, in eine Spezialeinheit der Polizei versetzt, die sich um… äh… Cyberkriminalität oder sowas kümmert.

Zusammen mit ihrem Partner Batou verfolgt der Major einen Hacker namens Kuze, der für allerlei Wirbel in Tokio sorgt und nur den Auftakt für eine Geschichte voller Verstrickungen, Verschwörungen und Geheimnissen ist.

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich die Anime-Vorlage gesehen habe, daher kann ich jetzt nicht mehr so wirklich fundiert die beiden Handlungen miteinander vergleichen, aber ich krame mal in meinem Hirn und versuche es trotzdem.
Für sich genommen funktioniert dieser neue Film ganz gut, wirkt auf mich aber wie eine dezent heruntergefahrene Variante des Originals. Grundsätzlich stellen sich auch hier viele existenzielle Fragen darüber, was Menschsein ausmacht und was Identität wirklich bedeutet, aber in Masamune Shirows Original hatte ich das Gefühl, dass diese Themen mehr in die Tiefe gingen. Im aktuellen Beispiel wird alles eher nur kurz angeschnitten.
Insgesamt ist der Film, trotz aller Actionsequenzen, eher eine Art Scifi-Thriller und es geht tatsächlich in erster Linie darum, den Charakteren beim Lösen des Geheimnisses zuzusehen.

Das macht durchaus Spaß ist hier und da aber auch ein wenig behäbig.
Mir ist nicht ganz klar, warum man den Puppetmaster-Plot des Originals komplett ignoriert hat, aber auch Kuze funktioniert als Antagonist relativ gut.

Auch hier kommt aber wieder das Gefühl auf, eine Art Light-Version des Originals zu sehen.

Die Charaktere:
Whitewashing hin, Whitewashing her… Scarlett Johansson als Major ist super. Mit vielen kleinen Details wie z.B. ihren unfemininen, fast schon etwas behäbigen Bewegungen beim Gehen, oder dem seltsamen Blick der irgendwo zwischen neugierig und emotionslos schwankt.
Auch der Rest der Besetzung ist größtenteils super. Ihr Partner Batou erdet das Ganze ordentlich und sorgt an einigen Stellen für einen Hauch angenehmen Humor und Juliette Binoche als Majors quasi mütterliche Figur war ebenfalls ein interessanter Charakter, der zwischen Rationalität und Emotionalität schwankte.
Lediglich der Chef von Hanka wirkte dank seines stets übertrieben grimmigen Gesichtsausdruckes so, als wäre er als einzige Comicfigur aus der Vorlage übrig geblieben.

Der Look:
Der Film sieht fantastisch aus. Das Produktionsdesign ist makellos und die Vision des futuristischen Tokio ist wunderhübsch und beängstigend zugleich. Die Technik sieht hervorragend aus und auch der Soundtrack trägt angenehm subtil zum audiovisuellen Erlebnis bei. Hier und da gibt es einige Sequenzen bei denen man die Computereffekte dann doch ziemlich deutlich sieht, aber im Großen und Ganzen kann sich toll in dieser Zukunftsvision verlieren.

Fazit:
Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, ob ich Ghost in the Shell so richtig gut fand. Schlecht ist er definitiv nicht. Ganz und gar nicht. Aber – um es ausnahmsweise mal in Schulnoten auszudrücken – ist er eher so eine 2- oder doch eine 1- ?

Ein perfektes Meisterwerk ist der Film beileibe nicht, aber dennoch zeigt er eine eindrucksvolle Zukunft, unterhält dabei sehr gut und regt auch noch den einen oder anderen Gedanken an.
Ich denke, wenn ich den Film nochmal schaue, werde ich ein klareres Bild haben. Aber allein die Tatsache, dass ich Lust hätte den Film nochmal zu schauen sagt ja auch schon einiges aus.

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