Kritik: Logan

Alte Säcke, die ordentlich draufhauen sind schwer in Mode. Ich habe mich ja schonmal damit beschäftigt, dass die richtig ikonischen Actionhelden irgendwie überaltern und der Nachwuchs nicht so recht in die Puschen kommt.

Also muss halt wieder einer aus der älteren Garde ran. Diesmal der Herr Jackman in seiner Paraderolle als Wolverine (der übersetzt im Übrigen nichts mit Wölfen zu tun hat, sondern ein „Vielfraß“ ist) bzw. James Howlett bzw. Logan.

Nach zwei Spinoff-Auftritten, die gelinde gesagt nur mittelmäßig bis richtig schlecht waren, hat man sich – begründet auf den Erfolg von Deadpool – mal daran gewagt und einen erwachsenen, härteren, brutaleren Film gedreht. Bei einem Charakter wie Wolverine ansich keine schlechte Idee, aber geht der Plan wirklich auf? Verabschiedet sich Hugh Jackman als Wolverine mit einem großen Knall oder ists eher eine stille Verpuffung?

Die Handlung:
Logan spielt in der nahen Zukunft (ich glaube 2029 oder so), die im Grunde fast so aussieht, wie unsere jetzige Gegenwart nach 8 Jahren Trump-Regierung. Alles ist ein bissl schroffer, hoffnungsloser und kaputter, aber man hat jetzt keine fliegenden Autos oder sowas.
Aus irgendeinem Grund (vielleicht das „Heilmittel“ aus X-Men 3?) gibt es kaum noch Mutanten und die wenigen, die es noch gibt, werden häufig von der Regierung oder Forschungsunternehmen verfolgt, um sie für ihre Zwecke zu misbrauchen.

Logan ist deutlich gealtert, hat keinen Bock mehr auf diesen ganzen Superheldenscheiss und schlägt sich so als Limousinenfahrer durch. Er trinkt und das Adamantium in seinem Körper hat letztlich dazu geführt, dass er krank wurde und seine Selbstheilungskräfte nur noch bedingt funktionieren.

Zusammen mit einem Albino-Kumpel und dem mittlerweile doch recht tüdeligen Professer Xavier, lebt er am Arsch der Heide irgendwo in der Wüste von New Mexico. Professor X ist ebenfalls erkrankt und hat immer mal wieder überaus gefährliche Schlaganfälle, bei denen er sich heftig verkrampft und alle anderen Leute in seiner Umgebung dabei in Mitleidenschaft zieht.
Es sieht also alles andere als rosig aus und es wird alles noch schlimmer und komplizierter, als das kleine Mädchen Laura auf den Plan tritt, die eine der wenigen Mutanten ist, die noch geboren wurden. Dementsprechend sind allerlei Leute hinter ihr her und Logan bleibt letztlich keine andere Wahl, als sich widerwillig den tattrigen Professor und das gestörte Kind unter den Arm zu klemmen und sich mit ihr auf die Reise nach Norden zu machen, wo man so eine Art sicheren Ort für Mutanten vermutet.

Was folgt ist eine Art Roadtrip, bei dem es ordentlich zur Sache geht. Verfolgungsjagden, wilde Action-Schnetzeleien aber dankenswerterweise auch reichlich ruhigere Momente.

„Logan“ fühlt sich definitiv nicht an wie der typische Superheldenfilm.

Alles ist irgendwie entsättigter, härter und eine Spur realistischer als man das so erwarten würde und auch wenn es reichlich Action gibt, findet der Film die perfekte Balance zwischen diesen Szenen und ruhigeren, charaktergetriebenen Momenten, deren Zusammenspiel den Film emotional deutlich mehr Tiefe verleihen als beispielsweise den letzten Vertretern der X-Men Reihe.

Bei der Kombination „Alter, verwirrter Mann“, „Kleines Mädchen“ und „Roadtrip“ hab ich im ersten Moment gedacht, dass ich blitzartig das Kino verlassen werde, wenn gleich Till Schweiger auftaucht, aber glücklicherweise blieb mir das erspart.

Wenn man der Handlung irgendetwas vorwerfen kann, dann höchstens, dass sie hier und da ein wenig vorhersehbar daher kommt. Natürlich gibt es viele Elemente, die überraschend sind, aber jeder der schon mehr als 5 Filme gesehen hat, kann einfach gewisse Handlungselemente vorhersehen, weil sie so oder ähnlich schon tausendmal gemacht wurden.

Die Charaktere:
Hugh Jackman IST Logan. Er hat den Charakter in den letzten Jahrzehnten definiert und liefert hier sein deutlich stärksten Auftritt als Wolverine ab. Der Mann ist müde und fertig mit der Welt und das sieht man deutlich in seinem Gesicht und in jeder Bewegung. Er ist innerlich und äußerlich übersät von Narben und will eigentlich nur in Ruhe gelassen werden.

Professer X, gespielt von Patrick Stewart ist ebenfalls großartig und so emotional wie in keinem anderen X-Men Film zuvor. Und es ist wirklich seltsam, ihn heftig fluchen zu hören. Die beiden haben eine prima Chemie und es entstehen dadurch einige schöne, emotionale und witzige Momente.

Auch Dafne Keen, die das Mädel Laura spielt, fand ich großartig. Sie sagt zwar nicht viel, aber in ihrem Gesicht passiert so viel, dass das zumeist gar nicht nötig ist. Sehr gut.

Als Bösewicht muss ein Kerl mit Robo-Armprothese herhalten, der im Vergleich zu den Hauptdarstellern etwas verblasst, seine Sache aber dennoch sehr gut macht.

Der Look:
Wo die X-Men Filme mit ihrem bunten Kostümen und flashy Effekten daherkommen, setzt „Logan“ auf einen dreckigen, realisitschen, entsättigten Look, der dem Film sehr gut steht. Braun- und Gelbtöne sind hier vorherrschend. Regisseur James Mangold bliebt oft sehr dicht an den Charakteren und inszeniert auch seine Actionszenen mit schonungsloser Brutalität.Sehr gut gemacht.

Fazit:
Logan hat mich wirklich überrascht. Der Trailer sah schon gut aus, aber der Film hat meine Erwartungen noch übertroffen und dass schaffen heutzutage wirklich nicht viele. Sehr gut gespielt, perfekt besetzt und mit einem guten Timing hervorragend inszeniert, ist Logan ein ungewöhnlicher, mutiger Superhelden-Film, der sicherlich mal dringend nötig war, um die Superhelden-Maschinerie bei DC und Marvel mal ordentlich durchzuwirbeln und frischen Wind mitzubringen. Und allein deswegen ist Logan auf jeden Fall übelst geil.

siegel_gut

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  1. Kritik: Logan – filmexe - 6. März 2017

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