Kritik: Rogue One

Mensch, was wurde im Vorfeld spekuliert über Rogue One… Ein Film ohne Skywalker-Sprösslinge? Ohne den gelben Text am Anfang? Ohne die bekannte Titelmelodie? Dafür aber mit einem Haufen später nachgedrehter Szenen? Kann das was werden?

Die Trailer versprachen einen guten, von der Gangart etwas härteren Film, als das was man bislang aus dem Star Wars Universum gewohnt war, was durchaus wohlwollend aufgenommen wurde.

Meine Erwartungen waren vorsichtig optimistisch, aber konnten sie auch erfüllt werden?

Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte hier aufhören zu lesen, denn ja, hier gibt’s Spoiler.

Die Handlung:
Rogue One spielt kurz vor Episode IV, also dem allerersten Star Wars Film von 1977 und erzählt die Geschichte der tapferen Rebellen, die dem Imperium die Pläne des ersten Todessterns gemopst haben, damit Luke am Ende das Ding in die Luft sprengen konnte.

Heldin des Films ist Jyn Erso, die Tochter eines der Konstrukteure des Todessterns. Papa Erso hat aber offenbar kurz vor Vollendung des Projektes festgestellt, dass man mit dem Todesstern nicht nur ganz prima auf den Punkt frittierte Pommes machen, sondern auch noch Planeten zerlasern kann und packte, geplagt von Gewissensbissen, lieber mal schnell seine Sachen, um mit der Familie ein zurückgezogenes Leben als Farmer auf einem der grausten Planeten der Galaxis zu führen.

Der imperiale Übelwicht Orson Krennic, der mit der Konstruktion der Superwaffe beauftragt ist, fand das aber nicht so lustig, da der Rest seines Wissenschaftler-Teams sich offenbar aus diesen kiechernden Äffchen zusammensetzt, die Jabba sich gern als Haustier hält. Ohne Papa Erso also kein Todesstern. Also wird der Kerl gesucht und auch gefunden und Krennic entledigt sich demonstrativ erstmal von dessen Frau, entführt den Papa und lässt sich aber Töchter Jyn durch die Lappen gehen, die sich sprichwörtlich unter einem Stein versteckt hat, bis der alte Familienfreund und Revoluzzer Saw Gerrera sie findet.

Dieser wiederrum hat nicht nur das eine oder andere Körperteil eingebüßt, sondern leidet offenbar unter demselben Atemwegsdefekt wie Darth Vader, trägt aber keine schicke Maske, sondern hat stattdessen einfach eine alberne Stimme.

Kein Wunder also, dass Jyn sich über kurz oder lange alleine durchgeschlagen hat und dabei deutlich auf die schiefe Bahn geriet.

Als eine Truppe von Rebellen sie irgendwann aus einem imperialen Gefängnis befreit, wird sie direkt zwangsrekrutiert, weil man sie für eine Mission einsetzen will, die komplizierter ist, als sie sein müsste, aber da man ja zwei Stunden Film füllen muss, wird da nicht groß nachgefragt.

Jyn soll nämlich ihren alten Kumpel Saw Gerrera finden, der mittlerweile wohl völlig durchgeknallt ist und sich radikalisiert hat. Der hat nämlich eine Nachricht von Papa Erso erhalten und Jyn soll nun nicht nur die Nachricht checken, sondern auch versuchen über Saw an ihren Papa heran zu kommen.

Als Aufpasser bekommt sie den galaktischen Latino Cassian Andor zur Seite gestellt, der nicht nur seinen Kumpel, den umprogrammierten imperialen Droiden K-2SO im Gepäck hat, sondern obendrein den geheimen Auftrag hat, Papa Erso umzupusten, sobald der seine kollaborierende Nase in den Wind hält. Ich wittere einen schönen Konflikt.

Man fliegt also zum besetzten Planet Jedha, auf dem verblüffend viele Jedi-Statuen kaputt herumliegen und auf dem man offenbar die seltenen Kyber-Kristalle finden kann, die nicht nur die Lichtschwerter betreiben, sondern auch den Laser vom Todesstern.

Hmmm… Der Planet war wichtig für die Jedi und heisst Jedha? Man darf gespannt sein, ob da der Hintergrund der säbelschwingenden Machtnutzer in Zukunft weiter ausgeleuchtet wird.

Egal… Jedha ist offenbar der Aufenthaltsort von Saw Gerrera, den man – nachdem in der Stadt der offene Widerstand ausgebrochen ist – mithilfe von zwei Weltraum-Asiaten findet.

Der Revoluzzer spielt der verlorenen Tochter flott das Video von Papa vor, der nicht nur mal eben enthüllt, dass er als geheime Schwachstelle im Todesstern keine Gitter vor die Lüftungsschächte gebaut hat, sondern in einem Nebensatz auch noch erwähnt, dass er eigentlich gar nicht so gern für das Imperium arbeitet, seine Tochter liebt und sowieso und überhaupt ein ganz lieber Kerl ist.

Jyn, die bisher irgendwie dachte, Papa wäre ein Arsch, ist für drei Sekunden einigermaßen gerührt, doch dann kommt Großmoff Tarkin um die Ecke, der mittlerweile auf dem Todesstern das Ruder an sich gerissen hat und will sein neues Spielzeug mal an Jedha ausprobieren.

Man dreht also mal ganz kurz am Regler, zerlasert die Stadt mit Saw Gerrera drin und der Rest der Rebellenbande kann mit knapper Not einem dieser „Alles-geht-kaputt“-Spezialeffekte entkommen, die in Blockbustern gerade schwer in Mode sind.

Blöd: Jyn hat Papas Handyvideo nicht kopiert und Saw ist tot, so dass sie jetzt die Einzige ist, die von der Schwachstelle im Todesstern weiss und Schwierigkeiten hat, das Ganze zu beweisen. Immerhin hat Papa ihr aber gesagt, dass er in einer Forschungseinrichtung auf einem Planeten namens Eadu vor sich hin werkelt, also düsen die Rebellen mal schnell dort hin, um Papa wahlweise zu befreien oder abzuknallen.

Kaum dort angekommen, trifft sich Papa Erso direkt mit dem fiesen Herrn Krennic auf einer Plattform im strömenden Regen, weil es auf dem Planeten vermutlich sonst keine Duschen gibt oder so. Krennic ist jedenfalls ein wenig böse darüber, dass es offenbar einen Maulwurf im Forschungsteam gibt und lässt, weil er ein gemeiner Kerl ist, die ganzen Wissenschaftler, außer Papa Erso, erschiessen. Die Rebellen, beobachten das Ganze und schlagen zu. Eine Actionsequenz später ist Krennic geflohen und Papa Erso tot. Aber nicht etwa, weil Cassian ihn erschossen hat, sondern weil er zu dicht an einer Explosion stand. So viel zum Konflikt…

Der Todesstern ist jedenfalls einsatzbereit, aber außer Jyn ist niemand mehr am Leben, der von der Schwachstelle im Todesstern weiß und daher sind auch die Anführer der Rebellion jetzt nicht gleich Feuer und Flamme, als Jyn vorschlägt, man solle doch die Pläne mal klauen.

Genervt von den Miesepetern, klauen die Rebellenhelden kurzerhand eine Fähre und machen sich auf eigene Faust auf den Weg, um die Pläne vom tropischen Planeten Scarif zu klauen. Ein Himmelfahrstkommando…

Die Handlung des Films geht größtenteils in Ordnung und sie tut was sie soll. Große Überraschungen oder Wendungen bleiben aus und viele Chancen und potenziell interessante Erzählstränge ungenutzt oder sie versanden irgendwo in der Belanglosigkeit.

Wäre es nicht zum Beispiel viel spannender gewesen, wenn Cassian doch abgedrückt und Papa Erso getötet hätte? Und was ist mit Bodhi Rook? Der sollte nach der Behandlung mit dem Weltraumoktopus vermeintlich verrückt sein, hatte aber nur für eine halbe Szene lang dezente Sprachstörungen und war dann wieder topfit. Wärs nicht spannend gewesen, wenn man ihn als imperialen Piloten dringend gebraucht hätte, er aber absolut unzurechnungsfähig gewesen wäre?

In der Tat fühlt sich Rogue One etwas härter und düsterer an, als der Rest der Saga, was mal eine willkommene Abwechslung ist.

Die Charaktere:
Definitiv der größte Schwachpunkt des Films. Bei den meisten Protagonisten will der Funke bei mir irgendwie nicht so recht überspringen. Jyn bleibt, genau wie Cassian, relativ blass und Orson Krennic war zwar als Bösewicht okay, kam mir aber ein wenig vor wie eine schlechte Kopie von Hans Landa. Der Rest der Rebellen-Truppe besteht in meinen Augen nicht aus Charakteren, sondern aus Leuten mit einer Eigenheit. Da ist der Asiate mit der dicken Kanone, der Asiate, der immer was von der Macht faselt, Kung-Fu kann und nie von Blastern getroffen wird usw… viel mehr lässt sich zu den Charakteren leider nicht sagen. Da hatte z.B. Guardians oft he Galaxy deutlich mehr auf dem Kasten wenn es darum geht, einen Haufen Charaktere vorzustellen, mit denen man mitfiebert.

Ja, Darth Vader war auch dabei. War das cool? Ja. War es nötig? Nein. Fanservice nennt man sowas.

Wichtiger war da schon eher der per CGI wiederbelebte Peter Cushing, als Tarkin. Der war gut und cool gemacht und stahl mit seiner Boshaftigkeit dem armen Krennic leider nicht nur den Todesstern sondern auch die Show.

Die junge Leia hatte auch einen ca. 2-Sekündigen Gastauftritt, aber ihr CG-restauriertes Gesicht sah irgendwie ganz seltsam und künstlich aus.

Der Look:
Richtig gut. Alles in diesem Film sieht super aus und man ist direkt wieder drin im Star Wars Universum (zumindest in dem aus der alten Trilogie). Alles sieht etwas dreckig und benutzt aus und die meisten Locations fühlen sich tatsächlich wie Orte an, an denen Leuten leben.

Die Actionsequenzen sind toll gemacht und wunderhübsch anzuschauen, die Kostüme stimmen, die CG-Charaktere sehen größtenteils spitze aus und der Sound ist ebenfalls hervorragend. Audiovisuell wird einem hier viel geboten.

Der Soundtrack von Michael Giacchino tut seine Arbeit und hat ein-zwei nette Themes, bleibt aber insgesamt weit hinter dem Werk von John Williams zurück. In Anbetracht dessen, dass er aber für  Alexandre Desplat einsprang und nur wenige Wochen zum komponieren hatte, ist die Filmmusik aber beachtlich und ich ziehe meinen Hut.

Fazit:
Rogue One hat mich gut unterhalten. Mehr aber auch nicht. Als Star Wars Fan wird der Film auf jeden Fall in meiner Sammlung landen und ich werde ihn mir sicherlich noch ein paar Mal ansehen. Audiovisuell ist der Film top, konnte mich aber auf emotionaler Ebene nicht überzeugen. Besser als die Prequels hat er mir auf jeden Fall gefallen, aber die Original Trilogie und auch Episode VII waren für mich eine Spur besser.

Bezüglich der Handlung habe ich doch noch ein paar Dinge, die mir beim Gucken komisch vorkamen. Vielleicht wars nicht so gut gemacht, vielleicht hab ich irgendwas nicht richtig verstanden… vielleicht habt ihr ja Antworten darauf.

  • Wenn Papa Erso doch eine Videonachricht darüber rausschmuggeln kann, dass er eine Schwachstelle in den Todesstern eingebaut hat, warum zur Hölle schickt er denn die Pläne nicht gleich mit?
  • Die Tantive IV entkommt der Schlacht mit Mühe und Not und hat sowohl Leia als auch die Todessternpläne an Bord. Vader sieht das Schiff entkommen.
    Zu Beginn von Episode IV bringt er das Schiff schließlich auf und stellt Leia, die aber irgendwas von diplomatischer Mission faselt und ihm vorwirft, er wäre wegen des Kapermanövers irre dreist. Hallo? Du warst gerade mit deinem Schiff für alle sichtbar an einer Offensive gegen das Imperium beteiligt. Ist es da nicht seltsam dann noch auf unschuldig zu tun?
  • Die Szene mit R2D2 und C3PO war nicht nur überflüssig, sondern auch komisch gedreht, denn ich hatte irgendwie den Eindruck, dass die beiden auf der Basis herumstanden, während die Schiffe zu Offensive gestartet sind. Wie man ja aber weiß sind die beiden später an Bord der Tantive IV.
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  1. Kritik: Rogue One – filmexe - 2. Februar 2017

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