Kritik: The Walk

Ich bin ein Fan von 3D. Von gut gemachtem 3D.

In den allermeisten Fällen ist 3D aber leider nur eine ziemlich müde Ausrede, um die Leute ins Kino zu locken und sie dazu zu bewegen, noch mehr Geld zu bezahlen als ein Kinoticket heutzutage sowieso schon kostet. Ist es schlecht gemacht, dann verleiht es dem Film keine zusätzliche Tiefe sondern lenkt, im Gegenteil, nur vom Geschehen ab.

Aber meine Fresse… Wenn es einen Film gibt, bei dem ich darauf bestehen würde, dass ihr ihn in 3D seht, dann ist das „The Walk“.

Die Handlung:
Bei „The Walk“ handelt es sich um die reale Geschichte von Philippe Petit, einem Hochseilartisten. Schon als Kind entdeckte er seine Leidenschaft für das Drahtseil-Laufen und kommt damit in so manche Schwierigkeit – nicht nur bei seinen Eltern, wo er rausfliegt und schließlich in den 70ern nach Paris geht.

Petit hat dieses unbändige Verlangen danach, auf dem Seil zu laufen und sieht es als eine Art Kunstform. Ständig ist er auf der Suche nach dem nächsten spektakulären Ort, um dort sein Seil aufzuhängen. Das macht er aber nicht in erster Linie um damit reich und berühmt zu werden, sondern für diesen einen besonderen Moment.

Als er durch Zufall ein Foto vom im Bau befindlichen World Trade Center in New York sieht, ist ihm klar, dass er sein Seil zwischen die beiden Türme spannen muss. Und so rekrutiert er nach und nach eine Gruppe von Freunden, die er „Komplizen“ nennt, um den spektakulären Drahtseilakt zu planen, der – Petit läuft ausschließlich ohne Sicherung – so natürlich nie von den Behörden freigegeben werden würde.

Also planen sie quasi den „Einbruch“ in die Baustelle der Hochhäuser und schaffen das Seil und all ihr Zubehör auf deren Dächer, damit Petit den Lauf seines Lebens absolvieren kann.

Der Film teilt sich mehr oder weniger in 2 Hälften und in der ersten lernen wir Philippe kennen und bekommen einen kleinen Einblick in seine Leidenschaft und es wird versucht zu erklären, warum er unbedingt diesen Lauf machen muss. Für mich war es nicht ganz leicht, diese Passion und damit auch Petits Charakter nachzuvollziehen, auch wenn der Film sich redlich Mühe gibt, dem Publikum die Charaktere nah zu bringen, aber das klappt nur bedingt.

Petit ist ein ausgemachter Workoholic und man akzeptiert seine Besessenheit halt irgendwann und versteht seine Beweggründe, aber wirklich nachvollziehen konnte ich das nicht.

Es gibt eine kleine Romanze und die Komplizen werden rekrutiert. In der ersten Hälfte zieht sich der Film hier und da ein wenig, aber sobald die Crew in New York ankommt, wird der Film beinahe zu einer Art Heist-Movie wie „Oceans Eleven“ und gewinnt deutlich an Fahrt und Spannung.

Insgesamt ist die Handlung von „The Walk“ ziemlich gradlinig und es gibt nur wenige Überraschungen, aber man bleibt am Ball und auch wenn einige Passagen etwas zäh sind, wurde mir nie wirklich langweilig.

Etwas seltsam fand ich jedoch, dass die Geschichte in kleinen Einspielern quasi von Petit selbst erzählt wird, der auf der Freiheitsstatue steht und direkt mit dem Publikum spricht. Diese kurzen Szenen haben auf mich eher störend gewirkt und ein einfaches Voice-Over hätte da vielleicht auch gereicht, um Petits Gedankengänge zu erklären.

Die Charaktere:
Joseph Gordon-Levitt spielt Philippe Petit und hat dabei einen etwas befremdlich wirkenden französischen Akzent, an den man sich aber flott gewöhnt. Er spielt den Hochseilartisten als einen sehr extrovertierten, teils ziemlich launischen, fast schon überzogenen Charakter und macht einen tollen Job dabei. Um sich vorzubereiten, hat er wohl sogar mit dem originalen Philippe Petit gearbeitet, der ihm die Grundlagen des Hochseillaufens beibrachte und von dem er sich den Akzent abguckte.

Auch der Rest der Darsteller macht gute Arbeit, aber es ist schon recht deutlich, dass sich der Film in erster Linie um Petit dreht und der Rest neben ihm bestenfalls Nebencharaktere sind.

Der Look:
Robert Zemeckis saß im Regiestuhl und hat einen Film geschaffen der sprichwörtlich atemberaubend gut aussieht. Der Eine oder Andere wird vielleicht mitbekommen haben, dass das World Trade Center in Form der zwei Türme leider nicht mehr steht, also mussten die CGI-Trickser ran, um das New York der 70er wieder aufzubauen.
Und das sieht absolut überzeugend aus. Zu keiner Sekunden wirken die Bilder künstlich und wenn Petit schließlich das Seil zwischen den Türmen betritt und man in die Tiefe schaut, dann machte sich bei mir in 3D sogar ein Anflug von Höhenangst breit. Generell fängt der Film das Gefühl der Höhe wunderbar ein und man ist mit Petit da oben auf dem Seil und kann verstehen, wieso diese Leidenschaft ihn so sehr gepackt hat.

Fazit:
„The Walk“ ist ein schöner Film. Kein Meisterwerk wie z.B. Zemeckis´ Forrest Gump, aber dennoch ein Film, der dicht bei seinen Charakteren bleibt und einem einen magischen Einblick in etwas gewährt, was man sonst nie erlebt hätte. Und dafür geht man ja schließlich ins Kino.

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  1. Kritik: The Walk – filmexe - 7. September 2016

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