Kritik: Independence Day 2

Die Jüngeren unter euch kennen das vielleicht gar nicht mehr, aber es gab tatsächlich mal eine Zeit, in der Amerika nicht als ein krisengebeutelter Haufen seltsamer Leute dastand, die den vermutlich coolsten Präsidenten der letzten 30 Jahr von einer schlecht frisierten Cartoon-Figur ablösen lassen wollen. Nein, Kinder, es gab mal eine Zeit, in der Amerika cool war. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wo man tolle Filme macht und jeder Traum Realität werden kann.

Ich selbst wollte eine ganze Weile lang unbedingt in den USA leben, doch dann flogen ein paar Typen zwei Flugzeuge gegen genauso viele Hochhäuser und Amerika wandelte sich – zumindest in meiner Wahrnehmung. Eben noch der freundliche Riese (wobei „freundlich“ durchaus Ansichtssache ist), war es nun von einer Wespe gestochen und fing an in blinder Wut auf alles und jeden zu hauen, der irgendwie im Weg stand.

Man schürte die Angst der Bürger, beschnitt ihre Rechte und Freiheiten. Homeland Security, NSA, Überwachungsstaat. Alles ziemlich gruselig.

Und so fühlt sich der Patriotismus in heutigen Filmen oft etwas seltsam an, aber anno 1996 sah das noch anders aus und man rief begeistert „Hell yeah!“, als Bill Pullman als amerikanischer Präsident auf der Ladefläche eines kleinen Lasters stand und sagte, man werde den Aliens in den Arsch treten und den Independence Day feiern.

Verblüffenderweise kamen die patriotischsten Filme Amerikas meist von deutschen Regisseuren. Roland Emmerich drehte nämlich den ersten Teil der Alien-Invasions-Action-Knallerei und hob damit nicht nur die Karriere von Will Smith auf ein neues Level, sondern definierte die Messlatte was Blockbuster anging mal eben neu. Hier wurde vom weißen Haus bis zur Air Force One (die ihrerseits übrigens ein Jahr später im Wolfgang Petersen´schen Film gleichen Namens von Präsident Harrioson Ford in bester Stirb-Langsam-Manier vor Terroristen gerettet wurde.)  alles zerstört, was die Amerikaner entsetzt aufschreien lässt und das so effektvoll, dass es auch 20 Jahre später noch gut aussieht. Natürlich retteten die Amerikaner am Ende des Tages die Welt. In dem sie einen Virus in das Mutterschiff hochladen. Ist ja klar.

Und nun gibt’s also Teil 2. Ohne Will Smith. Dafür aber mit Pullman und Goldblum.
Kann die Fortsetzung genauso beeindrucken wie das Original?

Die Handlung:
Wie im echten Leben sind 20 Jahre vergangen, seitdem die Erde von den außerirdischen Invasoren angegriffen wurde. Die Menschheit ging siegreich aus diesem Konflikt hervor, sammelte allerlei Alienschrott ein und verpasste damit der eigenen Technologie ein paar dringend benötigte Upgrades. So gibt es jetzt Schwebe-Kampfjets, dicke Abwehrkanonen auf dem Mond und und und… Sollte also jemals irgendein Alien auch nur in unsere Richtung schielen, dann sind wir vorbereitet.

Und – Wer hätte das gedacht? – natürlich kommen die Aliens wieder und die Menschheit kämpft erneut ums Überleben.

Dummerweise haben auch die Aliens ein wenig dazu gelernt (und ich sage hier bewusst „ein wenig“, denn sie machen wie immer den typischen Fehler, den es bei übermächtigen Aliens immer gibt) und bringen diesmal ein Raumschiff mit, das größtentechnisch selbst Darth Vader mit seinem Todesstern die Tränen in die Augen treiben dürfte. Das Ding ist so groß, dass es die Gravitation der Erde durcheinander bringt und soll irgendwie über dem Atlantik (ja, dem ganzen Atlantik) geparkt werden, um da den Erdkern anzubohren und… ach was weiß ich… Irgendwas böses jedenfalls, das es zu verhindern gilt.

Und hier kommen unsere Helden ins Spiel, angeführt von Hemsworth Nummer 234 und Jeff Goldblum. Und dann gibt’s da noch gefühlte 3 Milliarden Nebencharaktere. Ein afrikanischer Typ mit Machete, die Tochter des Ex-Präsidenten, den Sohn von Will Smith´s Charakter aus Teil 1, Professor Data mit Zottelhaaren, Jeff Goldblums Vater, ein paar Quoten-Kinder, Fischer und noch einige mehr. Bei so ziemlich allen erinnere mich nur noch vage an die Gesichter, geschweige dann die Namen und das ist tatsächlich das größte Problem des Films. Es gibt zu viele Leute und die sind einem einfach mal alle egal.

Zu allem Überfluss gibt’s dann auch noch eine zweite Alien-Rasse, die durch einen fliegenden weissen Ball repräsentiert wird, der aussieht wie Marvin aus dem Anhalter durch die Galaxis, aber insgesamt eher von der netten Sorte ist.

Man wurstelt sich so also, durch endlose Actionsequenzen, die zwar alle ganz gut gemacht sind, aber irgendwie die Dringlichkeit und Dramatik aus Teil 1 vermissen lassen. Vermutlich hat man mittlerweile einfach zu viel gesehen.

Am Ende gehen wir Menschen den Aliens so sehr auf den Sack, dass die Alienkönigin, eine Mixtur aus Godzilla und dem Giger´schen Alien, selbst auf den Plan tritt und uns platt machen will und natürlich ist es so, dass wenn man die Königin tötet, auch alle anderen Aliens irgendwie mit sterben oder zumindest ins Koma fallen.

Kacke. Bei Teil 1 fand ich die erste Hälfte, in der alles kaputt geht, richtig toll. Und dann kam irgendwann der Punkt, an dem der Präsident mental angegriffen wurde und danach sowas sagte wie: „Ich weiss jetzt, was sie vorhaben.“

Das ließ schon nichts Gutes erahnen.

Ich hasse einfach diese Hollywood-Notlösungen, die immer dann ran müssen, wenn man keine Ahnung hat, wie man die übermächtige Bedrohung doch noch besiegen soll. Im ersten Teil wars der Virus, der alles ausgeschaltet hat… Na gut… Hier ists jetzt die Königin. Diese „Triffst du einen, triffst du alle“-Lösung ist echt unkreativ und für mich total unbefriedigend.

Die Handlung an sich ist nur Mittel zum Zweck, um möglichst viele Actionszenen abzufeuern. Grundsätzlich mag ich die Idee, dass die Menschheit sich vorbereitet hat und man so quasi auf dem Vorgänger aufgebaut hat, aber abgesehen vom Look der Flugzeuge hatte das im Grunde keinen Einfluss, denn ruckzuck war ehr wieder alles platt gemacht.

Die Charaktere:
Goldblum hat Spaß und ist gut. Brent Spiner als verrückter Professor nervt. Alle anderen sind im Grunde überflüssig und fühlen sich an wie Ballast. Vollkommen vergessenswert sowohl in Bezug auf die Charaktere als auch auf ihre Geschichten

Der Look:
Blockbuster Standard-CGI-Ware. Alles ist auf Bombast getrimmt, sieht dabei aber irgendwie so aus, wie etliche Filme vorher. Diese Art von kompletter Weltvernichtung gab es zuletzt in X-Men Apokalypse zu sehen und irgendwie zuckt man dabei mittlerweile mit den Schultern und gähnt. Da lob ich mir die manuellen Effekte aus dem ersten Teil.

Nicht falsch verstehen… Der Film sieht gut aus. Aber eben auch sehr standardisiert.

Fazit:
Schon beim ersten Teil wusste ich nach dem Kino-Besuch, dass ich da ziemlichen Schrott gesehen habe. Aber der Schrott hat mich damals blendend unterhalten.

Auch hier kann ich sagen: „Ja, Indepence Day 2 ist Schrott.“. Leider fehlt diesem neuen Teil aber der Charme und die Seele und so wird er einfach nur zu einem weiteren Blockbuster unter vielen. Kann man auf jeden Fall gucken, wenn man sein Hirn ausschaltet. Aber auch wenn man mit wenig Erwartung an den Film herangeht, bleibt am Ende das Gefühl von „Da wäre mehr drin gewesen.“

 

 

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About Uebelator

Filmfan, Videospieler, Nerd.

4 responses to “Kritik: Independence Day 2”

  1. Filmschrott says :

    Der Film kommt mir hier noch zu gut weg. Wenn man mich fragt, sollte niemand, der an diesem Verbrechen an der Filmbranche beteiligt war, jemals wieder im Filmgeschäft arbeiten dürfen. Der Film ist das absolute Paradebeispiel für billig hingepisstes Geldmachen auf Kosten der nostalgieverblendeten Zuschauer, die nur aufgrund des Namens ins Kino rennen und so den unkreativen lahmen Filmwichsern ihr hartverdientes Geld in den Rachen werfen,obwohl sie eigentlich nichts anderes verdient hätten, aufgrund ihrer Bocklosigkeit unter vollgwichsten Zeitungen unter der Brücke zu pennen.
    Der Film hat KEIN Drehbuch, KEINE Charaktere, KEINE Geschichte, KEINE erinnerungswürdigen Szenen, KEINEN Humor, KEINE Leistung von irgendeinem Beteiligten, weil keiner überhaupt Lust hatte, was man einfach in jeder Sekunde merkt. FICK die Arschlöcher in und um diesen Film. Ich hoffe sie werden alle zu sexuellen Forschungzwecken von Aliens entführt.

    Gefällt 1 Person

    • Uebelator says :

      Ooookay, ich nehme mal an, Du hast den vollen Preis plus 3D-Zuschlag, Logenzuschlag und Überlängenzuschlag für den Film bezahlt? 😀

      Ganz so drastisch sehe ich das nicht. Ja, vieles hat hier nicht funktioniert. Die Story ist ne Nummern-Revue, die Charaktere so gut wie nicht vorhanden und der Humor klappt auch nicht.
      Und trotzdem – und ich glaube nicht, dass ich Nostalgie-verblendet bin, da ich kein großer Fan von Teil 1 bin – habe ich mich nicht gelangweilt.

      Gefällt mir

      • Filmschrott says :

        Nö, ich habe nur ne normale Karte bezahlt udn trotzdem kriege ich das Geld nie wieder. UNd doch ich fand den unglaublich langweilig und einfach ein absoluter Tritt in die Fresse für jeden, der auch nur ansatzweise etwas auf gut erzählte Geschichten gibt. Der Film ist scheiße. Emmerich ist ein Arschloch (und ich mochte seine Filme bisher eigentlich immer) und ich hasse alles daran, weil es einfach genau für das steht, was Hollywood zur Zeit ist: ein unkreativer, lahmer, innovationsloser, geldgeiler, koruupter Haufen Flachwichser, die alle nicht sin dem Job zu suchen haben, in dem sie sich befinden. Fick Hollywood. Ich hoffe es fackelt ab, mit allen Arschlöchern in ihm.

        Gefällt mir

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  1. Kritik: Ghostbusters (2016) | AUGEN² - 1. September 2016

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