Kritik: Ghostbusters (2016)

Wenn man den meisten Kritikern Glauben schenken darf, dann kommt jetzt hier mein Review zum schlechtesten Film seit Anbeginn der Zeit, der mich dazu gebracht haben müsste, meine Augen auszukratzen und den Glauben an die Menschheit zu verlieren.

Suicide Squa… nee Moment… das hatten wir schon.

Ja, jetzt kommts wirklich:
Ghostbusters, der bei mir den Untertitel „Eye of the Shitstorm“ tragen würde.

Aber mal kurz von Anfang an… Irgendwann in den 80ern haben ein paar Herren um Bill Murray einen Film gedreht, bei dem ein Haufen abgehalfterter Wissenschaftler auszog, um mit der Gelassenheit von Kammerjägern New York vor der Bedrohung durch diverse Geister zu retten. Was dabei herauskam, war eine nette, witzige Fantasy-Komödie, die auch heute noch Kultstatus geniesst. Jeder kennt das Logo der Ghostbusters oder zumindest den Titelsong.

Da Hollywood mittlerweile die Ideen ausgegangen sind, wird ja momentan einfach alles verwurstet, was in den 80ern mal halbwegs erfolgreich war. Und nun bekommt also Ghostbusters seinen Reboot. Und „Fans“ weltweit drehen durch. Im negativen Sinne.

Und warum das Ganze? Weil die Helden diesmal Frauen sind.

Bitte?!?

Das ist das Problem?

Zugegeben… der erste veröffentlichte Trailer war fürchterlich unlustig und ließ wirklich nicht gutes vermuten, aber der Aufschrei der durchs Netz ging, erinnerte an Barry, der mal wieder seinen Snickers nicht bekommen hat. Da wurde sich darüber beschwert, dass man die Kindheit der Fans mit Füßen trete oder gleich ganz zerstöre… Drama, Drama, Drama…

Irgendwann nahm der Shitstorm derart lächerliche Windstärken an, dass ich mir vorgenommen  habe, den Film einfach aus Prinzip gut finden zu wollen.
Und ich möchte nur mal daran erinnern, dass es von Ghostbusters bereits ein Sequel mit Originalbesetzung gab, welches ein bestenfalls mittelmäßiger Film war. Da hat auch niemand über den Verlust seiner unbefleckten Kindheit lamentiert.

So ganz verstehe ich aber auch nicht, warum man in Hollywood irgendwie immer nur binär denkt und die Ghostbusters entweder aus einer reinen Männertruppe oder aus einer Frauengang bestehen müssen. Um irgendwie ein feministisches Statement zu machen?

Warum mischt man nicht mal durch (aber bitte keine aufgesetzte Lovestory) und lässt vielleicht einen Bruder und eine Schwester als Protagonisten auf Geisterjagd gehen, die als Kinder vielleicht schonmal von Geistern heimgesucht wurden und sehr unterschiedlich damit umgegangen sind? Er war jahrelang in Therapie, glaubt mittlerweile an gar nichts mehr und arbeitet nun als angesehener Physikprofessor an einer Uni, während sie kategorisch an alles glaubt, auf der Esoterikschiene fährt und Seancen abhält. Als die Geisteraktivität auf Grund einer Sternenkonstellation  in New York zunimmt und ein uralter Dämon auf die Erde zurückkehren will, ist sie die Einzige, die davon was mitbekommt und wendet sich daraufhin an ihren Bruder, um ihn um Hilfe zu bitten, aber der ist natürlich wenig begeistert (pun intended), weil er seine Reputation als Professor gefährdet sieht. Über kurz oder lang muss er aber einsehen, dass sie recht hat, sie suchen sich Hilfe von einem durchgeknallten Bastler und los geht’s… Wäre vermutlich potenziell nicht weniger witzig als eine reine Frauen- oder Männer-Truppe.

Sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss, aber das hab ich mir gerade in 5 Minuten ausgedacht. Hollywood hatte ein paare Jahre Zeit, um auf das hier zu kommen:

Die Handlung:
In New York kommt es verstärkt zu Geisteraktivitäten und die Jugendfreundinnen Erin und Abby, die beide mittlerweile mehr oder weniger angesehen als Doktoren der Physik (?) arbeiten,  machen sich zusammen mit der dezent durchgeknallten Basteltante Holtzmann auf, um dem Ganzen auf die Spur zu gehen. Unterstützung bekommen Sie dabei von der Fahrkartenabreisserin Patty (warum auch immer…) und einem Empfangsboy mit dem geistigen Umfang eines Stecknadelkopfes.

Zusammen untersuchen sie aus nicht näher genannten Gründen die paranormalen Phänomene, Holtzmann baut ein paar Protonenpacks und Geisterfallen zusammen und die Jagd auf alles was so durch die Gegend spukt ist eröffnet.

Natürlich ist die städtische Regierung wenig begeistert und wirft allerlei Stöcke ins Getriebe der Ghostbusters, aber am Ende finden sie dennoch die Spur eines Schurken, der jede Menge Geister in unsere Welt holen will, um… joa… irgendwie selbst ein toller Geist zu werden. Oder so.

Die Handlung reißt ehrlich gesagt keine Bäume aus, aber sie erfüllt ihren Zweck und schafft es, relativ gut zu unterhalten, wenngleich vieles – so ähnlich wie bei Star Wars Episode 7 – doch etwas zu bekannt vorkommt.

Irgendwie schafft der Film es aber nicht, aus der Tatsache, dass die Besetzung jetzt aus Frauen besteht, irgendeinen Vorteil zu ziehen und es hat für die Handlung keinerlei Relevanz. Ich behaupte mal, wenn man den Film einfach mit Männern besetzen würde, würde der genauso aussehen und keiner würde was merken. Schade.

Ich hätte mir auch etwas klarer definierte Regeln gewünscht, wie das mit den Geistern so funktioniert, wie man die fängt, was die so können und und und… so wirkte alles dezent willkürlich.

Die Charaktere:
Allen voran gibt es da Kristen Wiig, die mir als leicht spiessig verklemmte Professorin ganz gut gefallen hat und die sowas wie die Protagonistin des Films ist. Sie ist anfangs skeptisch, aber sobald der erste Geist durchs Bild flattert, ist sie Feuer und Flamme. Hätte man irgendwie mehr draus machen können, aber sie trägt den Film ganz gut.

Melissa McCarthy, die ich ehrlich gesagt nicht sonderlich mag, spielt die begeisterungsfähige Abby tatsächlich ganz gut, auch wenn das vermutlich eine Rolle ist, die sie so auch schon in etlichen anderen Filmen gespielt hat. Sie hatte aber auf jeden Fall den einen oder anderen Lacher auf ihrer Seite.

Kate McKinnon als Holtzmann war mir zu drüber. Der ganze Look hat irgendwie nicht gepasst und McKinnon sieht irgendwie zu gut aus, um die nerdig-verrückte Tante überzeugend rüber zu bringen. Da nützen auch die lustige Brille und die wirre Frisur nichts.

Leslie Jones als Fahrkartenkontrolleurin Patty ist – es tut mir leid das sagen zu müssen – die Quoten-Schwarze, die ein paar entsprechende Sprüche klopfen darf. Hatte gedacht, dass man in Hollywood mittlerweile weiter wäre.

Dann gibt’s noch Chris Hemsworth als grenzdebilen Sekretär. Er ist ansich perfekt für die Rolle, aber das Drehbuch reitet auf demselben Witz („Guck mal wie doof der ist!“) ein bissl zu oft herum.

Der Bösewicht des Films ist ein uncharismatischer, unauffälliger, kleiner Typ, der endlich mal ein toller Checker sein will. Da uncharismatische, unauffällige Typen aber selten wirklich erinnerungswürdige Bösewichter abgeben, wird auch dieser Herr ganz schnell wieder vergessen.

Selbstverständlich gibt’s etliche Gastauftritte der Original-Stars. Diese waren teils ganz witzig, teils sehr gezwungen. Weniger wäre da mehr gewesen.

Trotz aller Kritik an den einzelnen Charakteren, muss ich sagen, dass die neuen Ghostbusters zusammen eine ganz gute Chemie hatten und es schon auch Spaß gemacht hat, ihnen zuzuschauen.

Der Look:
Optisch kann der Film einiges bieten. Die Spezialeffekte sind poppig bunt und sehen zwar nach CGI aus, aber hier macht das irgendwie nichts. Der Film – speziell der Showdown – hatte auf mich einen ähnlichen Effekt wie ein Feuerwerk. Hübsch bunt… und schnell wieder vorbei.
Ansonsten bedient man sich kräftig bei der Vorlage. Overalls, Auto, Protonenpacks, Logo… alles sieht so aus, wie man es erwarten würde.

Fazit:
Viel Lärm um nichts.
Ghostbusters ist besser als sein Ruf. Absolut kein richtig guter Film, aber einer der unterhält. Der Humor ist besser, als der erste Trailer vermuten liess, die Action stimmt und man kriegt optisch einiges geboten. Auf jeden Fall besser als zum Beispiel das auch kürzlich erschienene Sequel zu Independence Day.

Alles in allem ist Ghostbusters kein Film, der einen bleibenden Eindruck hinterlässt und er wird wohl relativ schnell wieder in Vergessenheit geraten und nicht im Ansatz den Kultstatus des Originals erreichen. Einen unterhaltsamen Abend kann man damit aber verbringen.

 

 

 

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About Uebelator

Filmfan, Videospieler, Nerd.

4 responses to “Kritik: Ghostbusters (2016)”

  1. elizzy91 says :

    Ich mag deine Art zu schreiben und deinen Humor wirklich sehr! Lese deine Filmkritiken jedes mal gerne! Ich habe mir den Film noch nicht angeschaut aber von dem Drama auch so einiges mitbekommen und mehrmals die Augen verdreht. Ich fände deine Story auch richtig gelungen 😀 vielleicht solltest du ins Filmemach-Geschäft einsteigen?! Wünsche dir einen schönen Abend!

    Gefällt 1 Person

    • Uebelator says :

      Vielen herzlichen Dank! 🙂
      Haha, naja die zwei-drei Brocken, die ich da aufgeschrieben habe, sind ja noch keine richtige Story. Wollte damit nur kurz verdeutlichen, dass ich nicht verstehe, warum man so eine Geschlechter-Trennung betreiben muss.
      Aber sollte jemand aus der Filmbranche noch einen wie mich brauchen, sag ich nicht nein. 😉

      Dir auch einen schönen Abend!

      Gefällt 1 Person

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