Kritik: Suicide Squad

Wenn man den meisten Kritikern Glauben schenken darf, dann kommt jetzt hier mein Review zum schlechtesten Film seit Anbeginn der Zeit, der mich dazu gebracht haben müsste, meine Augen auszukratzen und den Glauben an die Menschheit zu verlieren.

Ghostb… nee Moment…

Suicide Squad! (Die Kritik zu Ghostbusters ist auch schon online.)

Meine Fresse haben alle Beteiligten im Vorfeld Gas gegeben und versucht den Eindruck zu erwecken, als hätten sie alle richtig viel Spaß gehabt und als wäre das jetzt irgendwie der superduper Team-Film, den eine Truppe von guten Freunden gemacht hat.

Und dann gabs die ersten Reviews. Und ja… Es waren die typischen DC-Reviews.

Verdient? Mal schauen…

Die Handlung:
Die Menschheit, repräsentiert durch eine Regierungsbehörde und deren Chefin Amanda Waller, hat offenbar kalte Füße bekommen, als man gesehen hat, was Superman so alles kann, und dass man auf so Supertypen ja irgendwie gar nicht vorbereitet ist.
Was ist also die naheliegendste Idee? Richtig! Man nimmt einen Haufen Superschurken, kloppt denen ein Bombe ins Rückenmark und sagt ihnen, sie sollen gefälligt spuren, da sonst ihre Köpfe explodieren.

Diese Fieslinge sollen nun also ran, falls Superman oder jemand wie er mal durchdreht und Stress macht.

Okay… also ich kenne jetzt die Comics nicht, aber von dem, was ich aus dem Film weiß, besteht das Suicide Squad aus:

  • Einem guten Schützen ohne Superkräfte
  • Einer verrückten Frau ohne Superkräfte
  • Einem Mann mit Bumerang ohne Superkräfte
  • Einer Frau mit magischem Schwert, das aber nichts kann
  • Einem Mann, der schnell klettern kann, ohne Superkräfte
  • Einem Krokodil-Mann, der kräftig ist und gut tauchen kann
  • Einem Mann der Feuer kontrollieren kann, aber darauf keine Lust hat

Ja… Und diese Flitzpiepen sollen Superman stoppen?

Ich zitiere mal den Joker: „HA HA HA!“

Kaum hat man dieses Team aus Bösewichtern unfreiwillig rekrutiert, ploppt eine fiese, hausgemachte Bedrohung, in Form der Superhexe Enchantress auf, die mitten in irgendeiner Großstadt Hula tanzt und damit irgendwie eines dieser großen Lichtstrahlen-Portal-Dinger öffnet, die in gefühlten 12 Milliarden Actionfilmen von Ghostbusters (da isser wieder!) bis zu den Avengers gern mal über Großstädten schweben. Laaangweilig!

Doch anstatt die Helden zu schicken, die man so hat (Flash? Wonderwoman? Batman?), schickt man das Suicide Squad, um dort kräftig aufzuräumen, Enchantress zu stoppen und die Welt vor magischen Tentakeln zu retten, die Militäreinrichtungen zerstören.

„Suicide Squad“ ist ziemlich verkorkst. Die ersten 20-30 Minuten fangen dabei noch ganz gut an und man kriegt eine Menge Infos darüber, wer diese Schurken eigentlich sind. Ja, viel Exposition, aber trotzdem gut gemacht. Der Film macht übrigens keinen Hehl daraus, dass Will Smith der teuerste Schauspieler war, denn er trägt die für seinen Charakter Deadshot typische Maske nur für gefühlte 2 Sekunden, damit man sehen kann, dass es Will Smith ist und er bekommt eine Einleitung von etwa 10 Minuten, während Captain Boomerang mal eben in 20 Sekunden abgehandelt wird. Gut… letzterer ist auch eine ziemliche Pfeife und gegen ihn sieht selbst Hawkeye von den Avengers aus, wie jemand, der echt was kann.

Doch dann geht die Mission los und der Film stoppt.

Der Helikopter stürzt in der Stadt ab, was niemanden auch nur im Ansatz zu kratzen scheint und man läuft und läuft und läuft und das zieht sich gefühlt ewig hin.
Was folgen sind ein paar Kämpfe gegen generische CGI-Kreaturen, die aussehen als hätten sie einen schwarzen Broccoli als Kopf.

Immer wieder gibt es mal ein paar Rückblenden, die Harley Quinns Vorgeschichte mit dem Joker erzählen und die tatsächlich sehr gut gemacht sind, aber irgendwie will hier nichts so richtig zusammenpassen.

Der ganze Film fühlt sich an, wie eine große Sammlung von Ideen, die irgendwie alle in einen Topf geworfen wurden, um sie kräftig durch zu kochen. Das was dabei herausgekommen ist, sieht etwas wild aus, schmeckt nur mittelmäßig gut und macht auch nicht wirklich satt.

Wie oben bereits erwähnt macht für mich der grundsätzliche Plot schonmal keinen Sinn und man fragt sich, warum die Antihelden überhaupt ran müssen. Hätte man hier nicht kurz erklären können, dass die üblichen Helden aus irgendeinem Grund beschäftigt oder ausgeschaltet sind oder sowas?

Und darüberhinaus stolpert Suicide Squad ein wenig über die eigenen Füße, denn die Bösewichter sind für meinen Geschmack irgendwie zu nett. Und wenn man nicht ständig daran erinnert würde, dass es sich hier ja um Schurken handelt, würde mans kaum merken. Die Jungs und Mädels waren jedenfalls nicht gemeiner als die Guardians of the Galaxy.

Und der Film hat auch etwas zu sehr versucht, die „Guten“ böse aussehen zu lassen, damit die „Bösen“ irgendwie gut wirken und man mit ihnen mitfiebert.

Die Charaktere:
Will Smith ist Deadshot. Und so ähnlich wie bei Tom Cruise, macht es fast immer Spaß, ihm bei der Arbeit zuzusehen. (Ausser vielleicht in After Earth) Aaaaber, er macht halt das, was er immer macht und ich schätze mal, Deadshot hat eigentlich einen etwas anderen Charakter.
Immerhin bekommt das Drehbuch es einigermaßen hin, ihm ein wenig Tiefe zu verleihen, so dass man zumindest ein wenig mit ihm mitfühlt.

Margot Robbie als Harley Quinn sieht erwartungsgemäß scharf aus, aber ihr Charakter und das überdrehte ging mir – auch wenns vielleicht vorlagengetreu ist – ziemlich auf den Senkel. Es gab eine winzige Szene, in der ich ganz kurz dachte: „Ja, genau davon will ich mehr sehen.“
Und zwar war das ein trauriger Moment für Harley und sie saß allein auf einem Auto und man sah ihr ihre Gefühlslage an. Aber dann kam der Rest des Teams um die Ecke und sie legte den Schalter um und war wieder die überdrehte Psycho-Tante. Ich denke, Margot Robbie hat einen guten Job gemacht, aber die Rolle war halt dezent nervig.

Ebenfalls erwähnenswert war Regierungs-Schnalle Amanda Waller, die für mich fast der eigentliche Bösewicht des Films war, denn sie war beängstigender als jeder Spezialeffekt. Sie tut, was sie für ihr Land am besten hält und scheut dabei auch nicht vor Gewalt zurück, was gelegentlich aber ein wenig drüber wirkt.

Am meisten diskutiert wurde wohl über Jared Leto als Joker und in den Trailern hat man versucht uns weiß zu machen, dass dieser eine richtige Rolle im Film hat. In der Tat ist der Joker vielleicht 10 Minuten lang auf der Leinwand zu sehen und dient bestenfalls als eher unwichtiger Nebencharakter. Doch wie schlägt sich Leto in der Rolle, für die Heath Ledger die Messlatte ganz weit oben angelegt hat? Hmmm… naja. Um ehrlich zu sein mochte ich ihn nicht. Auf mich wirkte der Joker wie ein gewöhnlicher Gangsterboss mit albernem Kostüm und nicht wie dieser groteske Psychopath, der er eigentlich sein sollte. Ja klar, Leto kicherte und lachte und versuchte sich an allerlei Joker-Mannerismen, aber all das wirkte irgendwie aufgesetzt und fehl am Platz, so als wenn seine Rolle eher ein Fanboy wäre, der versucht den Joker zu kopieren. Schade.

Ebenso schade ist, dass der Rest des Suicide Squad im Drehbuch absolut vergessen wurde. Captain Boomerang darf einmal einen Bumerang werfen und klopft den Rest der Zeit nur Sprüche, Killer Croc beschränkt sich aufs Grunzen, Katana hat abgesehen von einer Rückblende auch nichts zu tun und dieser mexikanische Feuerteufel darf zumindest einmal was verkokeln und man erfährt in einer der besten Szenen des Films in einer Bar etwas mehr von seiner Geschichte. Oh und dann ist da noch der Kerl, der irre schnell Gebäude hochklettern kann, aber der hatte so wenig zu tun, dass ich nichtmal seinen Namen mitbekommen habe.

Sorry DC, aber schaut euch doch nochmal die Avengers-Filme an und macht euch ein paar Notizen, wie man ein Team von Superhelden nimmt und allen zumindest ein wenig Screentime gibt.

Enchantress als Bösewicht ist kein Charakter. Sie ist böse und will alles vernichten. Das wars.

Der Look:
Hmmm… Ich hab keine Ahnung, wie ich das beschreiben soll, aber irgendwie finde ich den Film hässlich. Nichts passt so richtig zueinander und alles ist zu grell zu bunt und wirkt ein wenig so, als hätte man in Photoshop den Scharfzeichner zu hoch eingestellt.

Dabei sind die Kostüme gar nicht übel (obwohl ich Deadshots Maske ziemlich hässlich finde) und Killer Croc sieht z.B. ganz gut aus und auch Harley wirkt wie direkt aus den Comics. Irgendwas will das aber nicht so recht passen.

Was mir negativ aufgefallen ist, war der Soundtrack, der auch ein gutes Beispiel ist für „Wir versuchen es zu sehr.“. So ziemlich jeder Song, der in der Filmgeschichte schonmal für coole Szenen benutzt wurde, befindet sich auch in Suicide Squad, damit der Zuschauer auch bloß genau merkt, dass das hier ja alles irre cool ist. Dass einige Songs dabei fürchterlich unpassend sind, hat irgendwie keiner gemerkt.

Fazit:
Suicide Squad ist keine komplette Katastrophe. Aber gut ist der nicht. Der ganze Film wirkt wie der verzweifelte Versuch von DC auch endlich vom Kinopublikum lieb gehabt zu werden, aber dabei versuchen sie es zu sehr und wirken dabei dann fürchterlich krampfig und gezwungen.

Es gab defintiv gute Momente. Die ersten 20 Minuten, die Harley-Joker-Rückblenden, ein paar gute Szenen, aber dummerweise fügen sich diese nicht zu einem großen Ganzen zusammen, so dass der Film wirkt wie ein unausgegorenes Durcheinander wilder Comic-Phantasien.

Ich mochte Man of Steel und ich mochte auch Batman v Superman.

Was die DC-Filme angeht, ist Suicide Squad aber vermutlich der schwächste.

Und mein persönlicher Arschtrittmoment war die Schluss-Szene während der Credits:

ACHTUNG SPOILER!
Amanda Waller trifft da auf Bruce Wayne, der ihr mal eben gepflegt erzählt, sie soll doch diesen beknackten Suicide Squad ganz schnell wieder vergessen, weil er schon dabei ist, die Justice League aufzubauen.
Ehrlich jetzt?!? Erzählt uns DC gerade, dass wir den Kram den wir gerade gesehen haben ganz schnell vergessen sollen, weils ja demnächst den Justice League-Film gibt?
Also wenn das eine Form von Humor ist, dann hab ich das nicht verstanden.

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About Uebelator

Filmfan, Videospieler, Nerd.

4 responses to “Kritik: Suicide Squad”

  1. Ma-Go says :

    Der Film interessiert mich so was von nicht. Aber es macht Spaß, deine Besprechungen zu lesen 😀 Köstlich

    Gefällt 1 Person

  2. franziska-t says :

    Wieder einmal hast du mich beim Lesen zum Lachen gebracht. Deine Aufzählung der Figuren ist einfach der Kracher. „Einem Krokodil-Mann, der kräftig ist und gut tauchen kann. Einem Mann der Feuer kontrollieren kann, aber darauf keine Lust hat“

    Leider muss ich dir Recht geben, SUICIDE SQUAD ist kein Film, den man sich im Kino anschauen muss – die Free-TV-Premiere reicht völlig aus. Der vielleicht einzige Grund, der für den Film spricht, ist Margot Robbie als Harley Quinn.

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  1. Kritik: Ghostbusters (2016) | AUGEN² - 17. August 2016
  2. Kritik: Suicide Squad – filmexe - 12. September 2016

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