Kritik: Game of Thrones Staffeln 5 + 6

Ich finde Game of Thrones toll. Die Bücher habe ich verschlungen, lange bevor die Reihe von George R. R. Martin (Wer als Fantasy-Autor nicht mindestens zwei R´s mit Punkt im Namen hat, kann eigentlich gleich wieder einpacken.) über heimische Mattscheiben flimmerte und war so fassungslos wie bei nur wenigen Büchern zuvor, über die Dinge, die Protagonisten da so miteinander veranstalten.

Verblüffenderweise hat die Serie es hervorragend geschafft, das Flair und die Größe der Bücher einzufangen. Etwas, was viele andere Serien mit Buchvorlage nicht geschafft haben. (Ein freundlicher Gruß an das ganze Team von Shannara.)

Die Staffeln 1 bis 4 haben mir ganz hervorragend gefallen und nach einer etwas längeren Pause habe ich mir nun endlich mal die Staffeln 5 und 6 angeschaut. Können die Autoren die hohe Qualität halten? Macht die Serie immer noch so viel Spaß? Mal schauen…

Jedem, der die Staffeln noch nicht gesehen hat, kann ich nur empfehlen hier nicht mehr weiterzulesen, denn ich werde hier etliche Spoiler raushauen.

Staffel 5:
Staffel 5 fühlte sich im Großen und Ganzen so an, als würde man sich ein leckeres Essen zubereiten, allerlei schmackhafte Zutaten schnippeln, alles ein wenig köcheln lassen und am Ende darf mans nicht essen. So richtig viel wichtiges passiert irgendwie nicht und man hat das Gefühl, jeder ist irgendwie auf dem Weg irgendwohin, um dort total coole Sachen zu machen.

Tyrion und Varys kommen in Penthos an und wollen sich Daenerys anschließen und reisen, reisen, reisen… Zwischendurch wird der Gnom von Jorah Mormont entführt, der ihn – wie praktisch! – zu Daenerys bringen will. Und dann reisen sie. Und reisen. Und reisen.

Die Mutter der Drachen hat unterdessen ein paar Problemchen mit ein paar goldmaskierten Leuten, die es nicht sooo super finden, dass eine weißhaarige Immigrantin plötzlich alles erobert und sämtliche Regierungssysteme auf den Kopf stellt. Die Hälfte der Zeit sitzt sie gefühlt in ihrem Thronsaal und unterhält sich oder diskutiert mit irgendwem.

Littlefinger verschachert Sansa an den widerlichen Sadisten Ramsay Bolton, der ja schon Theon Greyjoy zum Sopran ausgebildet und sich selbst mittlerweile auf Winterfell niedergelassen hat. Wenig überraschend ist er nicht so besonders nett zu Prinzessin Tausendschön und die Gute sieht nach der gemeinsamen Hochzeitsnacht aus, als wäre sie in die Jahresvollversammlung blinder Kickboxer geraten.

Brienne rennt irgendwie die ganze Zeit hinter Sansa her, macht ansonsten aber nicht viel.

Und Bran Stark hockt mit seinen seltsamen Waldgnom-Freunden und dem Mann im Baum in seiner Erdhöhle und schiebt einen Trip nach dem anderen.

Jon Snow ist mittlerweile Lord Commander der Wache, verbündet sich mit den Wildlingen und kann nur knapp fliehen, als deren Lager von einer riesigen Armee Eis-Zombies angegriffen wird. Seine Kumpel von der Nachtwache finden diese ganze Wildling-Idee nicht so prall und stechen den armen Jon erstmal fachgerecht ab. Aua.

Stannis kommt auch irgendwie nicht richtig weiter, fackelt aus Langeweile seine Tochter ab, greift auf Anraten der roten Frau Winterfell an, wird gnadenlos niedergemacht und die rote Tante verpieselt sich sicherheitshalber mal.

Arya kommt in Braavos an und will dort von ihrem Kumpel Jaqen H´ghar zu einer „Gesichtslosen“ ausgebildet werden. Wie bei jeder Ausbildung bestehen ihre Aufgaben erstmal darin, die Halle zu fegen, Kaffee zu kochen und sich von den Vorgesetzen amachen zu lassen. Toll.

In Kings Landing heiraten Margaery Tyrell und Tommen und Cersei erlaubt einer Truppe religiöser Spinner zu machen was sie wollen. Und die verhaften prompt erstmal Loras Tyrell, dann Margaery und am Ende sogar Cersei selbst, um sie nackig durch die Straßen der Hauptstadt zu scheuchen. Als Buße… Is klar…

Vorher jedoch schickt sie Jamie und Bron los, um Myrcella aus Dorne wieder nach Kings Landing zu holen. In Dorne lernen wir nicht nur den Obermacker Doran Martell kennen, der in einem früheren Leben mal Arzt auf einer Raumstation war, sondern auch dessen überaus zickige Schwägerin Ellaria, die 3 abgedrehte Orient-Ninja-Töchter hat.

Was hat mir gefallen?

  • Daenerys fleigt auf Drachen. Endlich. Die ganze Szene in der Gladiatoren-Arena war ziemlich cool.
  • Der Angriff der White Walker. Wirklich gut gemacht und sehr beängstigend.
  • Jon Snow und die Wildlinge. Einer der interessanteren Plots… Und ich mag den Riesen.
  • Ramsay Bolton. Der Typ ist zwar echt drüber, aber sooo ein fieser Schurke, den man echt hasst.

Was hat mir nicht gefallen?

  • Tyrion hat irgendwie nichts zu tun und eiert ziellos durch die Gegend.
  • Brans Visionen und die Waldgnome wollten irgendwie nicht so recht in mein Bild der Welt passen.
  • Der Angriff der White Walker. Toll gemacht, aber Zombies… hmmm… Walking Dead ist gerade in, richtig?
  • Der blöde PR-Stunt mit Jon´s Tod und Arya´s Erblindung. Wenn Jon jetzt wirklich tot gewesen wäre, wärs ja okay und schockierend, aber so wirkte das Ganze eher wie ein plumper Cliffhanger, um die Leute zum Gucken von Staffel 6 zu bewegen. Ihn dann einfach wiederzubeleben hat irgendwie was von Supernatural, wo die Brüder alle Nase lang sterben und wieder zurückkommen.
  • Die dornischen Ninja-Schwester. Die fühlten sich an wie direkt aus Hercules und Xena. Ging gar nicht.
  • Cerseis Frankenstein Riesenwächter. Ich mochte bei Game of Thrones immer den sehr geringen Fantasy-Anteil, aber so langsam drehen sie richtig auf und das gefällt mir nicht sooo gut.
  • Diese religiösen Spinner in Kings Landing. Ich hab irgendwie nicht verstanden, wie die überhaupt Fuß fassen konnten.

Insgesamt war Staffel 5 die bislang schwächste Staffel. Alles fühlte sich irgendwie beliebig an und es zog sich alles ziemlich lange hin. So richtige Highlights fehlten, wenn man mal von der Zombie-Attacke absieht. GoT ist immer noch eine super Serie und besser als die meisten anderen Serien da draussen, aber hier in Staffel 5 hatte ich das erste Mal das Bedürfnis zu rufen: „Kommt zum Punkt!“

Staffel 6:
Die sechste Staffel zieht wieder etwas an… Sansa konnte mit Theons Hilfe aus Winterfell entkommen. Keine Ahnung wie sie das gemacht haben, aber sie sind eine gefühlt 20 Meter hohe Mauer runter gehüpft und haben das ohne Kratzer überlebt. Theon macht sich daraufhin auf den Weg zu den Iron Islands, um seine Schwester als Königin zu unterstützen, nachdem sein Onkel den König getötet und selbst Ansprüche angemeldet hat. Scheint irgendwie ein Trend zu sein, denn auch Ramsay Bolton bringt schnell mal Papa um die Ecke und wird selbst Obermacker von Haus Bolton.

Sansa kommt bei der Mauer und bei Jon unter, den die Frau in rot, die übrigens gar nicht die scharfe Hexe mit den perfekten Brüsten, sondern eine hässliche alte Schachtel ist, wiederbelebt hat.  Zusammen beginnen die Stark-Geschwister Verbündete zu suchen, um Ramsay platt zu machen und Winterfell zurück zu erobern.

In Kings Landing ist die religiöse Kacke mächtig am dampfen und selbst König Tommen wird vom Geschwafel des hohen Spatzen eingelullt. Das bringt Cersei schließlich dazu, die große Septe mitsamt der ganzen Bande in einer dicken Explosion aus Wildfeuer in die Luft zu jagen und sich damit endgültig zur James-Bond-Schurkin zu machen.

Arya trainiert weiter mit den Gesichtlosen und kann dann plötzlich wieder sehen, doch als sie ihren nächsten Job erledigen soll und sich weigert ihre Zielperson zu töten, wird sie selber zum Ziel, sagt diesem ganzen gesichtslosen Quatsch den Kampf an, tötet die Zippe, die sie umbringen will und macht sich wieder auf den Rückweg nach Westeros.

Überraschenderweise ist der Hund, mit dem Arya ja eine Weile unterwegs war und den sie zum Sterben zurückgelassen hat, noch am Leben. Er macht jetzt einen auf „der einzige Zeuge“ und hilft einer Truppe ewig lächelnder Gutmenschen beim Bau einer Kirche, bis schließlich eine Truppe böser Buben um die Ecke kommt, die Grinsemänner niedermacht und er wieder damit anfängt Köpfe abzuhacken.

Daenerys wird wieder einmal von den Dothraki gefangen genommen und macht wieder einmal einen auf große Göttin. Mit dem Reitervolk und ihren Drachen im Rücken macht sie kurzen Prozess mit ihren Gegnern und bricht schließlich mit der Hilfe der Greyjoys gen Westeros auf.

Und Jamie Lannister belagert Riverrun in einem völlig unsinnigen und bedeutungslosen Handlungsstrang.

Was hat mir gefallen:

  • Sansa und Jon und ihre Suche nach Verbündeten in der Schlacht der Bastarde. Generell gefiel mir die Badass-Sansa ziemlich gut und viel besser als die Prinzessin.
  • Ramasy Boltons Tod… Das hat er echt verdient. Der Sack.

Was hat mir nicht so gefallen:

  • Die Geschichte um Arya und die Gesichtslosen. Da macht sie zwei Staffeln lange ihre Ausbildung, nur um am Ende zu sagen „Nee, doch nicht.“. Und dann geht sie nach Hause. Hätte man sich also komplett sparen können und war nur Zeitverschwendung.
  • Der Hund. Warum lebt der noch? Ich mag den Charakter, aber hat man jetzt nichtmal mehr die Eier selbst eher unwichtige Nebencharaktere im Reich der Toten zu lassen?
  • Cerseis Terroranschlag. Man hat so oft gesehen und gehört, wie gut die Septe bewacht wird und da frage ich mich schon, wie Cersei, die im Laufe der letzten beiden Staffeln mächtig Einfluss eingebüßt hat, es hinbekommen hat, tonnenweise Wildfeuer-Fässer unter die Septe zu schaffen.
  • Die Dothraki-Nummer, die wir genauso schonmal hatten.

Staffel 6 gefiel mir besser als Staffel 5, weil endlich mehr passiert ist. Doch das was passiert ist, bewegt sich irgendwie immer mehr von der Game of Thrones-Welt weg, die ich mag. Alles wird irgendwie immer extremer und immer fantastischer. Ist jetzt nicht wirklich schlimm oder schlecht gemacht, aber für mich persönlich wäre weniger mehr.

Oft fühlt es sich ein bissl so an, als hätten die Autoren jede Menge Charaktere, die sie alle bedienen müssen, aber nicht so richtig viele Ideen, was sie mit ihnen anstellen können. Und da fühlen sich viele Plots eben etwas halbherzig oder überflüssig an.

Trotzdem freue ich mich auf Staffel 7 und bin gespannt, was da wohl so abgeht, denn s wie´s aussieht wird’s da ordentlich krachen.

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About Uebelator

Filmfan, Videospieler, Nerd.

6 responses to “Kritik: Game of Thrones Staffeln 5 + 6”

  1. riachuckeditorialwork says :

    Hallo. Im Großteil stimme ich deiner Kritik zu. Nur denke ich nicht, dass Aryas Ausbildung sinnlos war. Sie hat einiges dazu gelernt und wird ihren Geschwistern so bestimmt sehr nützlich sein. Allein schon, weil sie sich super tarnen kann, wie man ja am Ende gesehen hat. Selbst wenn sie es bisher noch immer nur für ihre Rache nutzt. Ansonsten wirklich gelungene Kritik.
    Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

    • Uebelator says :

      Danke schön! Im Hinblick auf Aryas zukünftige Nützlichkeit war die Ausbildung in jedem Falle sinnvoll.
      Mich hats nur genervt, dass sie über zwei Staffeln lang getriezt und immer wieder gefargt wurde, ob sie denn nun endlich „niemand“ sei und sie immer sagte: „Ich will unbedingt bei euch mitmachen!“ (Warum auch immer…)
      Und wenn sie dann endlich mitmachen darf, sagt sie: „Nee, doch nicht.“;)

      Gefällt 1 Person

      • riachuckeditorialwork says :

        Ja, die Szene fand ich auch etwas merkwürdig. Aber der Typ hat sie ja einfach gehen lassen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass sie wirklich Niemand ist und als „Niemand“ zurück in die Rolle der Arya Stark schlüpft. Weil sie sagt das auch so komisch, ungefähr so: Ein Mächen ist nicht niemand, ein Mädchen ist Arya Stark!“ Also die Art, wie sie ihm erklärt, dass sie Arya ist, finde ich persönlich sehr merkwürdig ^^

        Gefällt mir

  2. christianneffe says :

    Man hat auf jeden Fall gemerkt, dass die Autoren am Ende der sechsten Staffel das Figurenpersonal, das sich davor so aufgebläht hatte, deutlich ausgesiebt hat. Jetzt kann man sich in der 7. (hoffentlich) auf die wichtigsten Spieler konzentrieren.
    Die Sprengung der Septe fand ich btw. großartig, also die gesamte Sequenz 😉

    Gefällt 1 Person

    • Uebelator says :

      Ja das stimmt. Da hat man quasi gründlichen Drehbuch-Hausputz betrieben. Die Sequenz und Tommens Fenstersprung fand ich so für sich genommen auch klasse, aber was mich dezent gestört hat, war dass z.B. Margaery Tyrell die ganze Zeit über ziemlich clever und geplant agiert hat, um sich an ihre Position zu bringen und dann kommt da so ein barfüßiger Heini, dreht sie ruckzuck um und macht aus ihr und dem König zwei religiöse Bekloppte.

      Gefällt 1 Person

      • christianneffe says :

        Bei ihr war das ja nur gespielt 😉 Und dem Jungen habe ich es abgekauft. Der ist noch viel zu unerfahren und blauäugig, um den Mann zu entgehen. Stimme dir aber zu, dass der Aufstieg der Spatzen etwas plötzlich kam und nicht ganz nachvollziehbar war.

        Gefällt 1 Person

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