Kritik: Scream (Serie)

Als Scream in den 90ern in die Kinos kam, hat Wes Cravens Film mal ganz kurz das komplette Slasher-Horrorgenre wiederbelebt und dafür gesorgt, dass das Publikum in den folgenden Jahren mit einer kaum enden wollenden Flut von modernden und ermordeten Teenagern zugeschüttet wurde. Doch keines dieser Rip-Offs, nicht mal die offiziellen Fortsetzungen, erreichten die Qualität des ersten Scream-Teils.

Und gibt es die Serie. Irgendjemand hielt es für eine gute Idee, Scream zu einer TV-Serie zu verwursten und grundsätzlich kann die Mörderjagd mit regelmäßigen Toten in enem solchen Format ja ganz gut funktionieren. Man fragt sich von Folge zu folge, wer wohl dieses Mal stirbt und wer am Ende der Mörder ist. Darum und weil ich den ersten Filmteil so mag, habe ich der Serie mal eine Chance gegeben und sie mir auf Netflix reingezogen.

Die Handlung:
In der ersten Staffel beginnt alles nach bewährtem Strickmuster. In der Kleinstadt Lakewood treibt ein maskierter Mörder sein Unwesen und belästigt die Teenie-Schnickse Emma mit obszönen Anrufen, in denen er fleissig droht. Natürlich hat Emma ihre Clique bestehend aus allerlei Horrorfilm-Stereotypen und wandelnden Klischees. Und natürlich sterben diese hormongesteuerten Flitzpiepen schneller als man gucken kann, es werden etliche Geheimnisse offenbart und am Ende wird selbstverständlich die Identität des Killers enthüllt.

Nichts weltbewegendes, nichts überraschendes, aber genug, damit ich weitergeschaut habe, um herauszufinden, wer denn nun eigentlich hinter der Maske steckt. Auf eine seltsame Art wars spannend, aber gegruselt habe ich mich zu keiner Sekunde. Nicht sooo optimal für eine Horror-Serie.

Die zweite Staffel setzt eine Weile nach den Ereignisse aus Staffel 1 an. Emma war offensichtlich in psychologischer Behandlung und kehrt nach Lakewood zurück, wo sie wieder auf ihre überlebenden Freunde trifft und der ganze Spaß von vorn losgeht. Wieder gibt es einen Mörder mit Maske, wieder ist er hinter Emma und ihren Freunden her und wieder wird recht blutig gestorben. War die erste Staffel schon nicht besonders kreativ, wird das niveau hier nochmal unterboten und man feiert einfach das gleiche nochmal ab. Bislang ist die Staffel noch nicht beendet, aber immerhin habe ich hier – im Gegensatz zu Staffel 1 – gerade überhaupt keine Ahnung, wer der Mörder ist.

Die Charaktere:
Heilige Scheiße! Wenn ein Horrorfilm etwas gut hinbekommen sollte, dann ist es, einen sympathischen Protagonisten aufzubauen, damit man mit diesem mitfiebert und mit ihm Angst hat. Scream verkackt auf dem Gebiet einfach mal komplett. Sämtliche Charaktere sind nicht nur schlecht bis mittelmäßig gespielt, sondern obendrein auch noch unsympathische Abziehbilder aller Horrorklischee-Charaktere.
Allen voran Emma, deren zwei Gesichtsausdrücke sich zwischen rehäugigem und hirnlosem Starren bewegen und die dermaßen doof und zickig ist, dass man ihr einen schnellen, aber schmerzhaften Bildschirmtod wünscht. Dann ist da noch Audrey, die dunkel- und kurzhaarige Klischee-Quotenlesbe, weils ja irgendwie schick ist, einen homosexuellen Charakter in so einer Teenie-Truppe zu haben und knutschende Frauen – im Gegensatz zu knutschenden Männern – beim durchschnittlichen Publikum immer gut ankommen. Sie ist natürlich eher maskulin, tough und genau so, wie man sich einen solchen Charakter vorstellt, den man mal eben in der Mittagspause zu Papier gebracht hat.

Da es im Scream-Film mit Randy ja den Film-Nerd und Slasher-Profi gab, muss es in der Serie natürlich auch einen solchen Charakter geben: Noah, einen klugscheißenden Pseudobriten, der so wirkt, als wäre im Casting für den Big Bang Theory Spinoff durchgefallen. Keine einzige Zeile Dialog, die er in zwei Staffeln von sich gibt, wirkt so, als würde ein echter Mensch sie jemals sagen.

Brooke ist die Proto-Blondine. Party, poppen, Proleten daten. Charakter zu Ende.

Jake ist ihr Proleten-Freund. Charakter zu Ende.

Und dann ist da noch Kieran, der mysteriöse, gutaussehende Neuzugang an der Highschool, der wirkt, als würde er rund um die Uhr seinen James Dean Blick üben.

Damit viele Leute sterben können, gibt’s natürlich noch etliche Nebencharaktere wie Emmas Mutter, Brookes Papa und so weiter… Alle blass, alle leidlich spannend.

Wenn man die Charaktere aus Scream zusammenfassen will, passt da wohl am besten „Blödmänner, die dumme Dinge tun.“

Alle haben ständig irgendwelche Geheimnisse voreinander, die zwar überhaupt nicht schlimm wären, wenn sie ans Licht kämen, aber man unternimmt trotzdem die dümmsten Dinge, damit es Geheimnisse bleiben. Miteinander reden tut in der Serie nie jemand.

Und alle Leute in der Lakewood-Clique tun zwar so, als wären sie gut befreundet, aber so richtig traut da niemand dem Anderen und es wird ohne Ende gespitzelt, spioniert und ausgehorcht. Tolle Freunde.

Und ja… Teenies in Slasher-Filmen sind nicht gerade für ihre überragende Intelligenz bekannt, aber ich muss mir schon nicht nur beide Augen zu- sondern ausdrücken, wenn ein Mörder in der Stadt unterwegs ist, ein paar ihrer Freunde umgebracht hat und Brooke trotzdem bei offener Terrassentür schläft.

Von den unlogischen Fehlerchen fange ich lieber gar nicht erst an.

Der Look:
Serienstandard würde ich sagen. Recht blutige, aber gut gemachte, gelegentliche Splatter-Einlagen. Sonst aber nichts wirklich bemerkenswertes.
Und irgendwie ist es bezeichnend, dass die neu designte Maske des Mörders so aussieht, als würde sie gähnen.

Fazit:
So richtig weiß ich nicht, warum ich Staffel 2 noch schaue. Vermutlich nur, weil ich jetzt schon zu viel geschaut habe und endlich wissen will, wer denn nun der Mörder ist. Bei Staffel 1 konnte ich das 4 Folgen vor Schluss schon vorhersagen, aber hier tappe ich noch im Dunkeln.

Miese Story, miese Charaktere, die mir stellenweise echt richtig auf die Nerven gehen und unlogische Details (wie kann denn der Mörder etwas mit Blut an die Zimmerdecke über Audreys Bett schreiben während sie darin schläft? Und sie erwacht erst davon, dass das Blut auf ihre Stirn tropft? Gesegneter Schlaf…) machen Scream zu einer Serie, die ich in Staffel 3 garantiert nicht mehr schauen werde.

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