Neusichtung: Die Hobbit Trilogie

Peter Jackson hat sich vor gefühlten 1.000 Jahren mit seinem damals noch hobbitesquem Äußeren und der großartigen Herr der Ringe Trilogie in die Herzen aller Fantasy- und Filmfans gedreht und sich gleichzeitig ein Denkmal gesetzt. Denn Tolkiens Stoff galt ja lange als unverfilmbar und ein derartiges Mammutprojekt zu stemmen verdient den größten Respekt.

Dummerweise haben vermutlich ziemlich windige Geschäftsleute dem Herrn Jackson ziemlich viel Geld angeboten, wenn er sich auch an die Verfilmung des zweitbekanntesten Tolkien-Werkes, dem „Hobbit“ macht. Doch weil ein Film allein ja blöd ist und auch nicht so schön viel Geld in die Studiokassen spült, sollte er aus dem doch recht kleinen Büchlein (400 Seiten laut amazon im Vergleich zu den 1293 Seiten vom Herrn der Ringe) eine Trilogie machen.

Wer schon mal einen Aufsatz über mindestens 60 Seiten über ein Thema, das höchstens Stoff für 40 Seiten hergibt schreiben sollte, der weiß vermutlich in etwa, wie sich Herr Jackson gefühlt haben muss. Man klaubte sich mühsam jedes Fitzelchen Inhalt aus allen Ecken zusammen und blies ihn mit ordentlich vielen Füllwörtern und inhaltslosem Geschwafel auf.

So in etwas wars dann leider auch bei Jackson´s Hobbit-Trilogie, mit der er sich keinen großen Gefallen getan und dem eigenen Denkmal mal eben selbst die Füße kaputt gekloppt hat.

Weil ich Fantasy im Allgemeinen und Mittelerde im Speziellen mag, hab ich der Hobbit-Trilogie neulich nochmal eine Chance gegeben und mir den Stoff in einer Marathon-Sitzung reingepfiffen.

Weil vermutlich die meisten von Euch die Handlung schon kennen, versuche ich mal, sie möglichst kurz zusammen zu fassen:

Unter Anleitung des Strippenziehers, mächtigen Magiersund dem Erfinder des Hipster-Bartes Gandalf fällt eine Horde Zwerge in die heimelige Behausung des Hobbit-Spießers Bilbo ein. Sie feiern eine Party, singen fröhliche Lieder, die bei gestiegenem Pegel eher zu traurigem Gebrummel werden und nötigen den armen Hobbit dazu, sie zu begleiten. Die Truppe kleinwüchsiger Bartträger unter Führung von Oberzwerg Thorin mit will nämlich das verlorene Zwergenkönigreich unter dem einsamen Berg zurückerobern, in dem sich mittlerweile der Drache Smaug häuslich eingerichtet hat. Man zieht also los, trifft allerlei seltsames Gesocks (durchgeknallte Zauberer mit Hasenschlitten, Goblins, Orks, nette Elfen, gemeine Elfen, Werbären, Spinnen und alles was der Fantasyfundus so hergibt), sammelt unterwegs noch kurz den einen Zauberring von Gollum ein (kann mir jemand erklären, warum alle Hobbits unsichtbar werden, wenn sie den Ring tragen, sauron selbst aber sichtbar bleibt?) und kommt schließlich an besagtem Berg an. Dort verscheucht man flott den goldgeilen Drachen, der aus Rache direkt das nahgelegene Menschenstädtchen abfackelt und letztlich einem besonders fiesen, schwarzen Pfeil zum Opfer fällt.

Alles könnte gut sein, doch Thorin dreht bei so viel Reichtum irgendwie ein bissl ab und trifft nur noch blöde Entscheidungen. Dummerweise kommt auch noch eine Armee der gemeinen Elfen vorbei und will der kleinen Zwergentruppe den Krieg erklären, wenn sie nicht ein paar Diamanten rausrücken. Doch praktischerweise kommt auch gerade eine Zwergenarmee an und bevor man sich gegenseitig zerfleischen kann, bekommen sie auch noch Gesellschaft von einer Armee Orks, die irgendwie ihren Schatz haben wollen. Man schlachtet sich eine ganze Weile ab, die Bösewichter werden besiegt und der Film ist vorbei.

Was hat mir nicht gefallen:

Die Dauer:
Ich hatte viel guten Willen. Wirklich. Aber meine Fresse… Ein Film hätte gereicht. So ist das Ganze einfach nur irrsinnig zäh und nahezu langweilig.

Die Zwerge:
Jackson hat es nicht geschafft hat, die Zwerge (okay, derer gabs glaube ich immerhin 13) einigermaßen zu charakterisieren, so dass die meisten Gesichter, mit Ausnahme von Thorin und dem grauhaarigen Zwerg irgendwie austauschbar bleiben.

Generell… der Look der Zwerge ist in meinen Augen einfach nur schlecht und albern und irgendwie inkonsistent. Da ist Thorin, der aussieht wie ein zu kurz geratener Aragorn, dann gibts da einen ganzen Haufen Zwerge, die aussehen, als hätte ein Dreijähriger mit Haarspray herumgespielt und dann gibt’s da den dicken Zwerg, der direkt aus einem Disney-Film zu kommen schien. Man kann ja vom Warcraft-Film halten, was man will, aber die Zwerge sahen dort wesentlich cooler aus, finde ich.

Was mich aber viel mehr genervt hat war, dass die Zwerge sich im Vergleich zu Bilbo zwar als tolle Krieger aufführten, letztenendes aber komplett inkompetent waren. Es gab kaum eine Situation, in der sie mal von sich aus agiert haben ohne am Ende irgendwo gefangen zu sein. Und natürlich mussten dann entweder Gandalf oder Bilbo ran, um sie da wieder rauszuhauen.

Zwerge treffen auf Trolle, werden gefangen, Gandalf befreit sie.

Zwerge treffen auf Goblins, werden gefangen, Gandalf befreit sie.

Zwerge treffen auf Spinnen, werden gefangen, Bilbo befreit sie.

Zwerge treffen auf Elfen, werden gefangen, Bilbo befreit sie.

Das war echt anstrengend.

Und kaum sind sie in Erebor, der Zwergenfestung angekommen, in der es diese quasi unendliche Schatzkammer gibt, die prall gefüllt ist mit Bergen von Gold schicken Sie Bilbo und sagen ihm: „Such mal den Arkenstein. Deswegen haben wir dich doch mitgenommen. Oh, und pass besser auf, es könnte ein Drache in der Schatzkammer sein.“

Was für Arschlöcher. Sie verkacken wirklich alles was sie anfassen und wenns schwierig wird, schicken sie den Hobbit.

Radagast:
Dazu sag ich mal nur: Der JarJar von Mittelerde.

Deus Ex Machina:
Nur selten werden Konflikte und spannende Situationen im Hobbit clever gelöst. Wann immer jemand in Schwierigkeiten ist, tauchen entweder überraschend Gandalf oder die Adler auf und alles ist wieder in Butter. Gähn.

Die Adler:
Dass die Adler immer dann auftauchen, wenn die Autoren nicht mehr weiter wussten, ist ja schonmal nicht so klasse. Aber nachdem die Adler am Ende des ersten Films extra angeflogen kamen, um die Truppe vor den Orks zu retten, hätten die blöden Federviecher doch auch so nett sein können und sie gleich am einsamen Berg absetzen können, oder nicht?

Die Liebesgeschichte:
Joa… Hat keiner gebraucht, oder? War reingezwungen und am Ende vollkommen irrelevant.

Alfrit und sein Boss:
Selten nervigere, überzogenere Charaktere gesehen. Auch hier hatte ich das Gefühl, dass sie direkt aus einem Disney Cartoon stammen, denn da hätten sie gut reingepasst.

CGI:
Die Umgebung sah – mit Ausnahme der schicken Landschaftsaufnahmen aus Neuseeland – diesmal irgendwie fürchterlich nach CGI und/oder Studio aus. Das ganze Umland der Zwergenfestung mit dieser verlassenen Menschenstadt wirkte derart künstlich, dass es schon fast nicht mehr schön war. Und dann gabs da ja noch die Super Mario Verfolgungsjagd durch die Goblin-Höhlen und die Endschlacht mit Trilliarden von geklonten CGI-Soldaten. Nee, schön war das nicht und es hat zu keiner Zeit die Wucht von einer der Schlachten aus dem Herrn der Ringe erreicht.

Die Altersfreigabe und die unklare Zielgruppe:
Die gesamte Trilogie ist ab 12 Jahren freigegeben. Wenn ich mir Radagast, die Klamaukzwerge und Alfrit anschaue, dann hab ich tatsächlich den Eindruck in einem Kinderfilm gelandet zu sein. Aber dann werden da Goblinköpfe abghackt, Orks verstümmelt und es gibt einige, doch recht finstere Passagen, die ich meinem Kind mit 12 wohl eher nicht zumuten würde. Seltsam.

Die Selbstbeweihräucherung:
Der Hobbit sonnt sich stellenweise sehr arg im Glanze vom Herrn der Ringe und so haben etliche Charaktere daraus nochmal einen Gastauftritt. Galadriel, Saruman, Legolas… Ganz nett, hätte aber irgendwie nicht sein müssen und wirkte stellenweise schon ziemlich konstruiert.

Die Gänsemärsche:
Zugegeben… Beim Herrn der Ringe fand ich sie noch toll, diese langen Hubschrauber-Kamerafahrten über die schöne Landschaft, während ein paar kleine Gestalten im Gänsemarsch bedeutungsschwer gen Ziel marschierten, aber hier warens irgendwie ein paar zu viele davon und es hat mich irgendwann genervt.

Was mir gefallen hat:

Bilbo:
Martin Freeman als Bilbo war gut. Und so ziemlich der einzige sympathische Charakter im ganzen Film. Ja, Gandalf war wie immer auch gut, aber hier diente er mir zu sehr als Allzwecklösung für jede knifflige Situation.

Smaug:
Der Drache war schick gemacht und toll böse.

Azog:
Auch wenn Tolkien-Puristen mir widersprechen werden, ich fand den fiesen Azog gut und ich halte es für eine gute Idee, einen direkten Gegenspieler einzubauen. Außerdem sah er echt böse aus und war einer der besseren Schurken der letzten paar Blockbuster-Jahre.

 

Alles in allem ist der Hobbit eine Trilogie, die ich mir so schnell nicht nochmal geben werde. Für mich einfach drei Spuren zu zäh, zu anstrengend und zu nervig. Dann lieber nochmal einen Herr der Ringe Marathon.

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Filmfan, Videospieler, Nerd.

One response to “Neusichtung: Die Hobbit Trilogie”

  1. franziska-t says :

    Der Jar Jar von Mittelerde – ich hau mich weg. 🙂

    Gefällt 2 Personen

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