Und nochmal bitte…

Vor einiger Zeit ploppte plötzlich die Nachricht im Netz auf, dass man für „Rogue One“, den nächsten Star Wars Film, der Ende des Jahres in die Kinos kommen soll, einige Szenen nachdrehen müsse.

Keine große Sache.

Bei so ziemlich jedem größeren Film wird heutzutage noch einiges nachgedreht, wenn man während des Schnittprozesses plötzlich feststellt, dass einem diese oder jene Einstellung noch fehlt, oder dass Szene XYZ wirklich gut wäre, damit man die Handlung oder die Charaktere besser versteht. Auch bei den Prequels wurden einige Szenen nachgedreht, wie Obi Wans fürchterlicher, angeklebter Bart in Episode II oder der deutlich ältere Jake Lloyd am Ende von Episode I beweisen.

Nachdrehs sind also Teil des Entstehungsprozesses und müssen nichts Schlechtes bedeuten.

Doch dann hieß es plötzlich: „Rund 40% des Films müsse nachgedreht werden, weil die Disney-Leute nicht mit der ersten Version zufrieden war, die ihnen präsentiert wurde.“

40 %? Das ist fast die Hälfte des Films und wirklich eine Menge. Angeblich war der Film für Disney zu düster und zu ernsthaft und sie wollten lieber etwas leichteres, weil Episode VII ja so wunderbar viel Geld in die Kassen gespült hat.

Was ich an dieser Stelle nicht ganz verstehe ist, dass – zumindest habe ich mir das immer so vorgestellt – es ein Drehbuch gibt. Und Concept Art. Und das all das nicht nur mit dem Regisseur und der Crew abgestimmt wird, sondern eben auch mit dem Studio.

Das heißt doch, dass man eine relativ klare Vorstellung hat, was für ein Film da am Ende rauskommt. Und wenn man dann auch noch einen Trailer veröffentlicht, der im Vergleich zu „Force Awakens“ tatsächlich eine ganze Ecke düsterer aussieht, dann frage ich mich schon, wie man sich dann am Ende hinstellen kann und sich drüber wundert, dass das Ergebnis so düster ist.

Mein erster Reflex bei der Nachricht von den Nachdrehs war, mich über Disney zu beschweren und über die Ignoranz der Studiobosse zu jammern, die aufgrund von irgendwelchen Fokusgruppen-Tests auf die Vision ihrer Regisseure scheißen.

Viele Stimmen auf facebook und anderswo im Netz tun das bereits und regen sich ordentlich auf, trommeln auf den Busch und rufen auf zum Sturmlauf gegen das kapitalistische Maushaus.

Und dann hab ich nochmal drüber nachgedacht.

Ich weiß nicht genau, wo der Hass auf Disney und die großen Studios im Allgemeinen herkommt, aber ich behaupte mal, die Disney-Leute sind nicht doof.

Die haben einen Film gesehen und der hat ihnen nicht gefallen. Und ich glaube nicht, dass das ausschließlich daran liegt, dass „Rogue One“ zu finster war. Irgendwas hat da nicht gepasst. Die Handlung, die Charaktere, was auch immer. Und wenn das der Grund für die Nachdrehs ist, dann immer her damit!

Bei jedem blöden Computerspiel beschweren sich die Leute heutzutage darüber, dass es unfertig erscheint und noch total verbugged ist. Ja, das soll so auch nicht sein. Aber wenn ein Film nicht funktioniert und sich die Verantwortlichen nochmal hinsetzen, um das zu korrigieren, kriegen alle einen Hals und drehen durch. Ich für meinen Teil hoffe sogar, dass Disney sich traut, den Erscheinungstermin von „Rogue One“ so lange zu verschieben, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden sind. (Das wird aber leider nicht passieren.)

Ich meine, dass sind die Leute, die das Marvel-Universum zum Leben erweckt haben. Und auch wenn man kein Fan von IronMan und Co. ist, muss man zumindest anerkennen, dass das (bis auf wenige Ausnahmen) gut gemachte Action-Abenteuer-Filme sind, die interessante Charaktere und das richtige Maß an Drama und Humor haben.

Genau das ist es, was ich auch von Star Wars erwarte: Ein sehr unterhaltsames Abenteuer mit viel Action, einer Prise Humor und einer Truppe von Charakteren, mit denen ich mitfühle.

Ich verstehe zwar immer noch nicht ganz, wie man trotz umfangreicher Planung und Abstimmung am Ende ein Ergebnis erhält, das scheinbar nicht den Vorstellungen entspricht, aber es gibt da so ein paar Leute, die in Berlin einen Flughafen bauen wollten und die vermutlich ein Lied davon singen können.

Wenn die Nachdrehs nun also dazu führen, dass „Rogue One“ am Ende ein unterhaltsamerer, spannenderer, kompletterer Film ist, bin ich vollkommen dafür. Klar wäre ich gespannt, die abgelehnte Version mal zu sehen, um später den Vergleich zu haben, aber ich bin mir sicher, wenns wirklich ein düsterer, ernster Kriegsfilm geworden wäre, hätten wieder andere Leute geschrien und sich beschwert, dass das ja gar nicht mehr Star Wars ist und wo denn bitte der Humor geblieben ist. Wie mans macht, man machts verkehrt, aber ich vertraue einfach mal auf Disney und bin guter Hoffnung, dass „Rogue One“ am Ende ein guter Film wird.

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