Kritik: Warcraft: The Beginning

Ich schätze, es ist kein so besonders gutes Omen, wenn ich den Titel eines Films im Geiste schon mit „WC“ abkürze. Und wenn dieser Film dann auch noch ein Computerspiel als Vorlage hat, ist der Cineast geneigt, lieber schonmal vorsorglich die Klobrille hoch zu klappen, um ihn notfalls direkt runter zu spülen.

Doch bevor man die Spülung vorschnell betätigt, sollte man einen kurzen Moment inne halten und sich die Fakten anhören.

Warcraft beruht auf einer überaus erfolgreichen Computerspielereihe, deren erfolgreichster Ableger mit Sicherheit „World of Warcraft“ ist, von dem vermutlich mittlerweile rund 80% der Menschheit schonmal was gehört hat. Der Franchise existiert seit über 20 Jahren und es gibt jede Menge Geschichten und Hintergründe rund um die fantastische Welt von Azeroth, in der ein ewiger Krieg zwischen Orks und Menschen zu herrschen scheint.
Genug Stoff für eine spannende Geschichte ist also vorhanden.

Und als Regisseur hat man Duncan Jones verpflichtet, der nicht nur bekennender Warcraft Fan ist, sondern obendrein auch noch „Source Code“ und den großartigen „Moon“ gedreht hat.

Man hat also einen guten Stoff, reichlich Talent und eine Menge Leidenschaft an Bord.
Könnte „Warcraft“ tatsächlich die Spieleverfilmung sein, auf die Gamer weltweit gewartet haben?

Die Handlung:
Die Welten Azeroth, wo die Menschen, Zwerge und Nachtelfen leben, und die Welt von Draenor, wo die Orks und Draenei herkommen sind voneinander getrennt und können nur durch finstere Magie und ein Portal miteinander verbunden werden.

Der fiese orkische Zaubermaxe Gul´Dan, so eine Art Mix aus Gandalf und dem Imperator, möchte mit Hilfe von sogenannter Fel-Magie, die scheinbar noch böser ist als er selbst, ein Tor nach Azeroth öffnen, weil seine eigene Heimatwelt ziemlich im Eimer ist.

Dummerweise ist diese transdimensionale Teleportationsmagie wohl relativ anstrengend und kostenintensiv und daher kann er das Portal nur mal kurz öffnen, ein paar seiner besten Leute mitnehmen und will dann auf der anderen Seite auch ein Portal bauen, damit er den Rest der orkischen Rasse hinterher holen kann.

Ansich jetzt gar nicht mal so ein böser Plan, aber da sich die eingewanderten Orks direkt benehmen wie die sprichwörtliche Axt im Walde, wird der Ritter Anduin Lothar beauftragt sich das ganze mal anzusehen und gegebenenfalls über eine Obergrenze für Einwanderer nachzudenken.

Unter den Orks ist auch Durotan, der Häuptling des Frostwolfclans, der eigentlich ein ganz netter Kerl ist. Gul´Dan ist ihm ein wenig unheimlich, aber da der Zauberzausel ihm eine Möglichkeit bietet, ein sicheres Zuhause für seine schwangere Frau und das ungeborene Kind zu schaffen, macht er halt bei der Invasion von Azeroth mit.

Mit im Gepäck ist auch die Halborkin Garona, bei der ich nicht so richtig verstanden habe, wie sie denn halb Mensch, halb Ork sein kann, wenn die Orks noch nie in Azeroth waren, aber egal… Vielleicht huscht immer mal wieder ein Ork durchs Portal und hat sich dabei ganz romantisch in eine Menschenfrau verliebt. So wird’s gewesen sein.

Ritter Anduin hat noch den seltsamen, und irgendwie unwichtigen Plot-Device-Zauberer Khadgar im Gepäck und zusammen stellen sie fest,  dass die Orks mit Fel-Magie hantieren und sie alarmieren daraufhin den noch mächtigeren Zauberer Medivh, der dann ein paar schlaue Sprüche raushaut und bestimmt auch irgendeinen cleveren Plan hatte, den ich allerdings schon wieder vergessen habe.

Man geht nun also mal hierhin und mal dorthin, kämpft hier und da ein wenig in der Gegend herum – mal Mensch gegen Ork, mal die Orks untereinander – düst zu verschiedenen Orten und Leuten die bestimmt alle wichtig sind – Magier mit blau leuchtenden Augen und so – verrät mal hier und mal da den einen oder anderen Verbündeten und einigt sich schließlich darauf, sich am Ende zünftig in der Endschlacht aufs Maul zu hauen.

Insgesamt hat die Handlung viele Aspekte, die interessant sein könnten. Die Orks, die aus ihrer sterbenden Welt fliehen und teilweise Zweifel daran haben, ob es richtig ist, die neue Welt einfach so zu erobern, das fragile Bündnis zwischen Menschen und den „guten“ Orks, und wie immer die Frage, ob das was fremdartig ist, grundsätzlich schlecht sein muss.

Einiges davon wird gut aufgegriffen, anderes geht ziemlich unter in der Fülle an Plots, die stellenwiese schlicht unnötig sind. Die Mini-Romanze hätte es zum Beispiel nicht gebraucht.

Die Welt wird toll präsentiert und für Fans der Spiele ist es schön, sie zum Leben erweckt zu sehen, aber irgendwie hat man wieder versucht zu viel in 2 Stunden zu quetschen.

Und so bleiben viele Charaktere und Orte blass und man hat Schwierigkeiten der Handlung zu folgen, da man schlicht nicht versteht, wer jetzt wichtig ist und warum.

Die Charaktere:
Ritter Anduin ist wohl der Held der Geschichte und es wird ein wenig halbherzig versucht, ihm irgendwie Tiefe zu verleihen, was nur mäßig klappt. Er ist nicht unsympathisch, aber mehr als ein Heldenabziehbild ist er leider auch nicht.

Spannender ist da Durotan, der irgendwie immer zwischen Loyalität, Ehre und Gewissen hin und her gerissen ist. Auch sein glatzköpfiger Ork-Kumpel ist deutlich interessanter als alle Menschen zusammen.

König Wrynn, der von „Preacher“ Dominic Cooper gespielt wird und dessen Frau lustigerweise von „Tulip“ Ruth Negga verkörpert wird, macht hier leider eine schlechte Figur. Nie wirkt er wie ein König, dem die Leute in die Schlacht folgen würden, sondern immer mehr wie ein Fähnchen im Wind. Und er sieht mit der Frisur und der Krone auch noch ziemlich albern aus.

Ben Foster spielt den Mega-Magier Medivh und ist damit leider die deutlich albernste Rolle im ganzen Film. Ähnlich wie beim König, schafft Foster es nicht, dem Magier ein Gefühl von Macht oder Größe zu verleihen und wirkt die meiste Zeit über einfach wie ein schlechter Schauspieler in einem Kostüm.

Die Halb-Orkin Garona ist sogar halbwegs interessant, wenngleich sie in erster Linie dazu diente, den Menschen und damit auch dem Zuschauer die Situation zu erklären.

Der Magielehrling Khadgar… keine Ahnung wer das war und was der in der Handlung sollte. Vollkommen überflüssig und uncharismatisch.

Und Glen Close? Was sollte die denn in dem Film?

Letztlich waren mir komplett alle Menschen in diesem Film vollkommen schnuppe und das ist irgendwie nicht so das allerbeste Zeichen.

Der Look:
Heilige Scheiße! Ja, der Film nutzt jede Menge CGI, aber das was man da zu sehen bekommt  gehört zumindest bei den Charakteren zum Besten, was ich bislang so gesehen habe.

Die Orks sehen fantastisch aus und wirken vollkommen echt und überzeugend. (Wenn man mal von den seltsamen, aber durch die Spiele vorgegebenen Proportionen absieht.)

Die Reitwölfe oder die Greifen wirken dann leider nicht mehr ganz so echt und einige der Locations sind schon arg künstlich.

Die Magie ist toll visualisiert und man hat den Eindruck, dass das wirklich mächtiger Scheiß ist. Und auch die Schlachten sehen super aus und alles hat ein schönes Gewicht und die Schläge sind toll wuchtig.

Die Kostüme sind allerdings eine andere Hausnummer. Die Rüstungen und Waffen der Menschen sehen zum größten Teil aus wie von einer Cosplay-Convention geklaut. Irgendwie zu sauber und zu plastik-artig. Mag sein, dass man sich hier an den Look der vorlage halten wollte, aber an dieser Stelle hätte man sich gern ein wenig davon entfernen dürfen.

Insgesamt sieht der Film aber, bis auf wenige Momente wirklich gut aus. Und Fans freuen sich über viele nette Details, wie das Gurgeln eines Murlocs, als man in Richtung Goldshire reitet.

Fazit:
„Warcraft“ wurde von den Kritikern ziemlich zerrissen und ich finde das nicht ganz gerechtfertigt. Ja, die Handlung ist überladen. Ja, die Schauspieler sind teilweise ziemlich schlecht.  Aber dennoch hat mich der Film gut unterhalten. Warum? Weil Duncan Jones abseits der Handlung gute Arbeit gemacht hat und der Film einfach wunderbar aussieht. Die Kampfsequenzen sind toll und er erschafft diese Welt, die bislang nur als ziemlich abstrakte, fast Disney-Film-artige Computerspiele-Version existiert, für die große Leinwand. Und das hat er großartig hinbekommen. Alles sieht so aus, wie man es erwarten würde und wie Fans es aus den Spielen kennen. Der Wiedererkennungswert ist unglaublich hoch, was man absolut nicht von jeder Videospieleverfilmung behaupten kann (Ja, ich meine Dich: Uwe Boll!) und Fans dürften größtenteils ziemlich zufrieden mit dem Film sein.

Ich bin kein großer Warcraft-Fan und kenne mich in der Welt nicht wirklich gut aus, aber ich hatte trotzdem eine gute Zeit. „Warcraft: The Beginning“ ist kein guter, aber ein unterhaltsamer, hübsch anzusehender Film und ich hätte Lust auf eine Fortsetzung.

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About Uebelator

Filmfan, Videospieler, Nerd.

3 responses to “Kritik: Warcraft: The Beginning”

  1. elizzy91 says :

    Wieder mal ein toller Beitrag! Ich kenne WoW tatsächlich auch – aber dies mehr, weil ich „Game-Süchtige“ kenne, die tagelang dieses seltsame Spiel spielen können. Ich konnte mich dafür aber wirklich nicht begeistern.

    Gefällt 1 Person

    • Uebelator says :

      Vielen Dank! ich hab auch einen Weile WoW gezockt, bin aber nie besonders weit gekommen, weil sich das Ganze irgendwie doch recht schnell nach Arbeit angefühlt hat. Freunde von mir habens auch recht intensiv gespielt, aber nie bis zu dem Punkt an dem man von Sucht hätte sprechen können.

      Gefällt 1 Person

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  1. Kritik: Warcraft – The Beginning | filmexe - 1. Juli 2016

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