Kritik: The Forest

Ich bin jetzt alles andere als ein Naturbursche oder sowas, aber so ein Wald hat schon was. Ganz bei mir in der Nähe gibt’s so einen wunderbaren Wildpark, der ziemlich naturbelassen ist und wo es wirklich tolle, riesige, alte Bäume gibt.

Grundsätzlich nehme ich den Park eher als einen Ort der Ruhe wahr, aber ich kann mir schon vorstellen, dass es nachts schon einigermaßen unheimlich dort sein kann. Wenn dann noch die Wölfe heulen… uiuiui.

Wer auch immer „The Forest“ geschrieben hat, er hat vermutlich mal eine Nacht in meinem Wildpark verbracht, ist auch zu dem Schluss gekommen, dass das schon ziemlich gruselig ist und… und dann gingen ihm auch schon die Ideen aus.

Die Handlung:
Sara, gespielt von Game-of-Thrones-Darling Natalie Dormer, hat eine Zwillingsschwester, Jess, die – Überraschung! – auch von Natalie Dormer gespielt wird. Der Einfachheit halber ist Sara blond und Jess brünett, damit man auch ja nicht durcheinander kommt.

Jess lebt seit einer Weile in Japan – warum auch immer – und weil Japaner generell voll gruselig drauf sind, wie wir ja spätestens seit „The Grudge“, „The Ring“ oder „Cabin in the Woods“ wissen, haben die sogar so eine Art Nationalpark, wo Leute gerne hingehen und sich umbringen. Und weil keiner im „Harakiri-Park“ aufräumt, gibt’s da halt nicht nur jede Menge Leichen sondern auch gruselige Gruselgeister, die – ganz in japanischer Tradition – in erster Linie mit gesenktem Haupt in dunklen Ecken herumstehen und gruselig aussehen.

Sara bekommt also irgendwann einen Anruf von der japanischen Polizei, dass ihre Schwester ganz bestimmt tot ist, weil man gesehen hat, wie sie in den Fürchteforst gelatscht ist.

Das nenn ich saubere Polizeiarbeit. „Tut uns leid, aber ihre Schwester hat am Telefon 5 Mal Candyman gesagt und jetzt geht nur noch die Mailbox ran. Die ist bestimmt tot. Vielleicht gehen Sie mal gucken. Herzliches Beileid.“

Sara packt jedenfalls ihre Sachen und jettet nach Japan, um ihre Schwester im Gruselgehölz aufzuspüren und checked erstmal im Hotel ein, in dem Jess auch untergekommen ist.

Unterwegs trifft sie auf jede Menge vollkommen gestörte Japaner, die sie entweder sinnlos erschrecken, sie alleine in irgendwelche improvisierten Leichenhallen stehen lassen oder ihr die gruseligsten Stories über den Wald auftischen und das auch noch ernst meinen.

„Der Wald bringt dich dazu, dass Du Dich umbringen willst… Du siehst da alle möglichen Dinge. Uuuuuhhhhh…“

Sara tut, was jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand tun würde, zuckt einmal kräftig mit den Schultern und freundet sich mit dem einzigen normalen Menschen an, der bezeichnenderweise kein Japaner sondern Australier ist und Aiden heisst. Er ist Reporter und will eh in den Selbstmord-Park gehen, um da eine Story drüber zu schreiben. So ein Zufall!!!

Also tun sie sich zusammen, werden von einem japanischen Guide in den Wald geführt und dann geht’s los und „The Forest“ spult einen Horror-Film-Klischee-Moment nach dem nächsten ab. Japanische Schulmädchen alleine im Wald? Check! Japanische Schulmädchen alleine im Wald, die aussehen wie Zombies? Check! Erhängte Gestalten mit gruseligem Sack überm Kopf? Check! Paranoia, Mistrauen und „Ich geh mal eben ganz alleine los.“? Check! Gruselige Traumsequenzen? Check! Geistergesichter an Gruselkindern? Check!

Am Ende gibt’s auch noch irgendeinen Twist, der so unbefriedigend ist, dass man den ganzen Film am liebsten irgendwo im Wald vergraben möchte und darauf hoffen sollte, dass er nicht als Zombie-Film zurückkommt.

Ich selbst (und vermutlich jeder andere Mensch, der schonmal einen Horrorfilm gesehen hat) hab irgendeine Art von Twist kommen sehen und hab immer überlegt was das wohl sein könnte. Und wenn ich hinterher das Gefühl habe, dass jede einzelne meiner Theorien – egal wie blöd sie war – besser gewesen wäre als das eigentliche Ende, dann ist das wohl kein gutes Zeichen.

Es gibt da noch ein Geheimnis aus der Vergangenheit der Mädels, das für den Zuschauer keins ist, weils irgendwie schlecht und zu offensichtlich verpackt war, aber das ist auch vollkommen egal, denn für die Handlung spielt das eh überhaupt keine Rolle.

„The Forest“ versucht krampfhaft diese ganzen Japano-Horrorfilme wie „The Ring“ zu imitieren und das klappt leider überhaupt nicht und ist in erster Linie albern und nervig.

Die Charaktere:
Sara ist die „Vernünftige“, der beiden Schwestern und Jess eher der „Troublemaker“ und daher hat Sara wohl das Gefühl, auf Jess aufpassen zu müssen. Sie würde alles für ihre Schwester tun, aber das wars irgendwie leider schon, was man über ihren Charakter so sagen kann. Aiden ist ein Typ, der zum einen seine Story und zum anderen in Saras Höschen will und daher nett zu ihr ist.

Und alle Japaner in dem Film sind komplette Psychopathen.
Immerhin kann man mal anmerken, dass Natalie Dormer ganz gut spielt. Nicht toll, aber okay und es funktioniert gut für diesen Film.

Der Look:
Als Sara das erste Mal den Wald betritt, hab ich noch gedacht: „Hui… vielleicht wird das ja was.“ Da gabs schicke lange Einstellung von Details im Wald und Großaufnahmen von Saras Augen und dergleichen, die wirklich gut die Stimmung eingefangen haben. Das hielt aber für ungefähr 5 Minuten und dann gabs einfach jede Menge Standard-Kost im Wald. Mal hell, mal dunkel… Hmmm…

Fazit:
„The Forest“ ist uninspiriertes Jump-Scare-Kino. Es gibt eine Szene am Anfang des Films, die ich recht bezeichnend fand und und bei der ich direkt mit dem Kopf geschüttelt habe. Sara sitzt im Taxi und fährt durch Tokio, schaut aus dem Fenster und betrachtet die Leuchtreklamen, als plötzlich ein bärtiger Japaner an die Fensterscheibe ploppt, einmal laut lacht und dann verschwindet. Ein vollkommen sinnloser Schreckmoment ohne jede Relevanz. Wurde im Laufe des Films leider nicht besser.

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About Uebelator

Filmfan, Videospieler, Nerd.

3 responses to “Kritik: The Forest”

  1. filmreviews says :

    Oh nein schade, hatte mich so auf den Film gefreut. Na mal sehen wie ich ihn dann finde.

    Gefällt 1 Person

    • Uebelator says :

      Also ich sag mal so: Der Film ist kein absoluter Totalausfall und man kann den schon gucken, wenn man nichts besseres zu tun hat.
      Aber gut oder besonders überraschend ist er halt nicht. Typisches, durchschnittliches Genre-Kino halt.

      Gefällt mir

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  1. Liebster Award #10 | Ma-Go Filmtipps - 6. Juni 2016

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