Kritik: The Witch

Gruselige Filme zu machen ist gar nicht so einfach.

Man kann sich der billigen Technik des Jump-Scares bedienen und die Kinogänger einfach so oft erschrecken, wie es nur geht, aber wirklichen Grusel, bei dem sich einem die Nackenhaare aufstellen und bei dem man auch nach dem Ende des Films noch immer so ein ungutes Gefühl hat, den gibt es selten.

Der letzte Film, der das bei mir geschafft hat war „It Follows“, der zwar auch seine Schwächen hatte, aber insgesamt doch einen deutlich bleibenderen Eindruck hinterließ, als so mach anderer Genre-Kollege.

Und nun kommt ein Film daher, der im Internet für eine ganze Menge Gespräche sorgt und ganz allgemein als das „tolle neue Horror-Ding“ gefeiert wird. Dazu kommt, dass die Marketing-Abteilung ein paar wirklich coole Poster designt hat.

Also hab ich mir „The Witch“ angesehen und mich auf eine Menge Grusel gefreut.

Die Handlung:
Irgendwann in den Sechszehnhundertirgendwas Jahren sind ein paar Siedler in New England unterwegs. Eine Familie wird wegen irgendeiner „Sünde“ aus einem Dorf voller Puritaner rausgeschmissen und sucht sich das matschigste, uneinladendste Fleckchen Erde, um dort einen kleinen Hof zu bauen und dort irgendwie ihr Glück zu finden.

Blöderweise gibt in der Nähe einen Wald, in dem eine Hexe wohnt, von der man im Film aber gar nicht mal so viel mitbekommt.

Eines Tages verschwindet das Baby der Familie unter mysteriösen Umständen, während die älteste Tochter darauf aufpasst und damit ist die Saat des Mistrauens gesät und langsam aber sicher bröckelt das ganze Fundament der Familie. Ständig wird irgendwer verdächtigt eine Hexe oder aber zumindest mit dem Teufel im Bunde zu sein, was das weitere Familienleben jetzt eher nicht so harmonisch gestaltet.

Die Spannung zwischen den einzelnen Familienmitgliedern spitzt sich immer mehr zu und kulminiert schließlich im tragischen, aber ziemlich seltsamen Finale.

Die Charaktere:
Puh… Die Rollen waren gut gespielt, da kann man nicht wirklich meckern, aber die Art und Weise wie sie geschrieben waren war einfach nicht mein Fall. Wirklich sympathisch war da niemand und die seltsame Ausdrucksweise mag zwar der Standard in der Zeit und irre authentisch gewesen sein, aber auf mich wirkte das Ganze ziemlich hölzern und aufgesetzt.
Immerhin kann man erwähnen, dass hier so gut wie jeder irgendwie unheimlich war. Es gab einen gruseligen Vater, eine gruselige Mutter, gruselige Kleinkind-Zwillinge, einen gruseligen Bruder und sogar einen gruseligen Ziegenbock. Nur sympathsich war da eben niemand. Selbst die Protagonistin nicht.

Der Look:
Grau. Fürchterlich entsättigt und irgendwie immer feucht und nass und kalt. Kann ein Stilelement sein, aber hier fand ichs einfach nur öde und trist.

Dazu kam ein Soundtrack, der für meinen Geschmack zum nervtötendsten gehörte, was ich seit langem in einem Film gehört habe. Mir ist schon klar was der Soundtrack bezwecken sollte, aber dieses ständige, schräge Chor-Gewimmer und –geklage war einfach zwei bis drei Schippen zu viel und hatte für mich einen ähnlichen Effekt wie Fingernägel auf einer Schiefertafel. Auch das kann bei einem Horrorfilm durchaus positiv zu werten sein, aber hier fand ichs einfach nur anstrengend.

Fazit:
The Witch ist vielleicht ein Opfer des eigenen Erfolgs und wird in meinen Augen falsch vermarktet. Der Film ist eher so eine Art Geschichts-Stück mit Horrorelementen als ein Horrorfilm, der in den 1600ern spielt. Wer also – wie ich – einen Horrorfilm erwartet, der wird enttäuscht sein. Vielleicht werde ich den Film mit anderen Augen sehen, wenn ich ihn in einem Jahr nochmal schaue und dann in etwa weiß, was auf mich zukommt.

Positiv zu werten wäre, dass relativ viel drin steckt und der Film insgesamt recht vielschichtig ist.

So fand ich „The Witch“ trotz guter schauspielerischer Leistung sehr anstrengend, ziemlich langweilig und dank seltsam geschriebener Dialoge und des Soundtracks ungeheuer nervig. Und das Ende… Ich denke nicht, dass das ein Spoiler ist: Das Ende nimmt dem Film leider doch relativ viel von der Wucht und dem flauen Gefühl in der Magengrube, das er hinterlassen könnte, wenn man es einfach weggelassen hätte.

 

 

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About Uebelator

Filmfan, Videospieler, Nerd.

5 responses to “Kritik: The Witch”

  1. Belkor says :

    Du sprichst mir aus der Seele.

    Gefällt 1 Person

  2. christianneffe says :

    Kann deine Meinung leider gar nicht teilen, ich fand den Film super und vor allem die Atmosphäre überragend. Das Problem ist vielleicht, dass das, was uns in den letzten Jahren so alles als Horrorfilm verkauft wurde und letztlich ziemlich billiges Erschreck- und Splatterkino war, überhaupt nicht mit dieser Art Horrorfilm übereinstimmt. Man sollte also definitiv nicht mit den falschen Erwartungen rein gehen 🙂

    Gefällt 2 Personen

    • Uebelator says :

      Ja, es gibt ja genug Leute, die den Film super finden, aber ich gehöre leider nicht dazu.
      Bitte nicht falsch verstehen! Ich liebe gut gemachte, langsam aufgebaute Horrorfilme wie „Rosemarys Baby“ oder meinetwegen auch „Im Auftrag des Teufels“ und ziehe sie jederzeit billigem Erschreck-Kino vor. Sowas in der Art hab ich auch bei The Witch erwartet, aber irgendwie hat der Film für mich so überhaupt nichts getan, außer mir mit seiner überdramatischen Musik auf die Nerven zu gehen.

      Gefällt 1 Person

      • christianneffe says :

        Ist ja auch vollkommen legitim, jeder hat seinen eigenen Horrorgeschmack. Ich für meinen Teil werde von klassischen Horrorfilmen sogut wie geängstigt, finde die Versuche meist eher peinlich. „The Witch“ hat da einfach genau meinen Geschmack getroffen 😉

        Gefällt 1 Person

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