Kritik: Gods of Egypt

Es gibt viele Filme, die nicht gut sind. Und es gibt viele Filme, die nicht gut sind und die ich trotzdem gern gucke, weil sie wunderbares Hirn-aus/viel-Bumm-Kino sind. Independence Day z.B. ist ein perfektes Beispiel dafür. Hier wusste ich schon als ich aus dem Kino kam, dass ich gerade einen riesigen Haufen Blödsinn gesehen habe, der aber so gut verpackt war, dass ich auch heute noch ab und zu die DVD reinschmeisse.

Diese Filme sind nicht clever, erzählen keine besonders gute oder tiefgründige Geschichte, aber sie unterhalten ganz wunderbar, weil Augen und Ohren offenbar so stark stimuliert werden, dass das Gehirn gar keine Zeit mehr hat, um das Ganze zu hinterfragen.

Dann gibt es Filme, die sind so schlecht, dass sie schon fast wieder gut sind. Dazu würde ich beispielsweise „Batman & Robin“ zählen, der zwar grauenhaft schlecht ist, aber bei dem ich mir vorstellen kann, dass er mir mit ein paar Freunden und ausreichend Alkohol richtig Spaß macht.

Und dann gibt es Filme, die sind einfach nur schlecht. „Gods of Egypt“ gehört dazu.

Lionsgate Entertainment wollte mit „Gods of Egypt“ einen neuen Franchise lostreten, denn schließlich waren die Hunger Games ja nun durch und man brauchte also eine neue Kuh, die man fleissig melken konnte. Also verpflichteten sie Regisseur Alex Proyas, dessen bisheriges Regie-Highlight „The Crow“ war. Dieser wiederrum nennt als Einfluss für „Gods of Egypt“ Filme wie „Lawrence von Arabien“, „Jäger des verlorenen Schatzes“ oder die Western von Sergio Leone.

Ich schätze Proyas wurde daraufhin von Harrison Ford und Sergio Leones Nachkommen verkloppt.

Die Handlung:
Der Film heißt zwar „Gods of Egypt“, hat mit Ägypten aber nichts zu tun, außer daß einige der Protagonisten zufällig so heißen wie ägyptische Götter. Selbst der Regisseur sagte: „Maybe one day if I get to make further chapters I will reveal the context of the when and where of the story. But one thing is for sure — it is not set in Ancient Egypt at all.”

Joa… okay. Wir werden es (GottseiDank!) nie erfahren, denn mehr Sequels wird’s wohl nicht geben, aber vermutlich wird’s so ein kosmisches Stargate-Gedöns sein, wo die Götter am Ende schließlich die Menschheit von ihrer sterbenden Welt retten und sie auf der Erde absetzen oder so ähnlich.

Wie dem auch sei… in einem Land das nicht Ägypten ist und – mit Ausnahme einiger Pyramiden-Bauten – auch nicht so aussieht, leben sowohl Götter als auch Menschen. Die Götter sind etwa doppelt so groß, wie der durchschnittliche Sterbliche, haben goldenes Blut und können sich in so tolle verchromte Power Rangers verwandeln.

Naja und die Menschen… die beten die Götter halt an und arbeiten… bauen den ganzen Pyramiden-Scheiß und machen halt was man so macht, wenn man nicht am Ende der Nahrungskette steht.

Und trotzdem geht’s ihnen ganz gut, denn sie werden regiert vom netten König Osiris, einem voll netten Gott, der voll nett ist. Und der hat auch einen netten Sohn, Horus, der zum neuen König ernannt werden soll. Doch wie das immer so ist, mit diesen netten Herrschern, hat auch Osiris einen böse Bruder, Set.

Der fiese Onkel taucht bei der Krönung auf, meuchelt den King, rupft Horus seine Augen raus, die irgendwie das tollste an ihm waren, und setzt sich selbst auf den Thron und zieht das volle Diktatoren-Ding durch. Horus wird verbannt und alles sieht schlecht aus, im Land, das nicht Ägypten ist.

Doch nein! Es gibt da einen menschlichen Dieb namens Aladdin Bek , der in Sets Schatzkammer einbricht, um Horus´ Augen zu klauen, damit jener seinem Onkel mal ordentlich einen vor den Latz ballert und obendrei auch noch seine Flamme aus der Totenwelt zurückholt.

Was folgt sind vollkommen wahllos aneinander gereihte Versatzstücke verschiedener Abenteuerfilme, die zusammen nicht mal ansatzweise ein zusammenhängendes Bild ergeben.

Man reist von hier nach da nach dort, trifft unterwegs Ra auf seinem dicken Raumschiff-Segelteil, von dem aus er ständig gegen Apophis, eine Art irre hungrigen Weltraum-Bandwurm kämpft, der als Spezialeffekt beim vorletzten Fantastic Four-Film noch übrig war, kämpft an einer Klippe gegen Stierwesen aus „Percy Jackson“, latscht durch einen Sumpf, trifft Anubis in der Totenwelt, rätselt mit einer Sphinx und und und…

Das klingt jetzt vielleicht gar nicht so übel und relativ abwechslungsreich, ist aber derart lieblos hingerotzt, dass es fast frech ist.

Am Ende kommt es natürlich zum Showdown zwischen Set und Horus und alles ist wieder knorke im Pyramidenland.

Die Charaktere:
Ähm… ja… Set ist böse. Horus ist gut. Bek ist vergessenswert und die zu rettende Menschen-Schnickse hat genau diese eine Funktion. Die beiden menschlichen Helden wirken auf jeden Fall so, als wären sie beim Casting für die Shannara Serie durchgefallen und irgendwie hier gelandet.

Ja, im Vorfeld gab es etliche Diskussionen ums Whitewashing, denn die ägyptischen Götter sind mit einer Ausnahme durchgängig mit weißen, teils blonden Schauspielern besetzt. Und die machen ihren Job nichtmal so besonders gut. Nicolaj Coster-Waldau gibt einfach wieder seine geprügelte Jamie Lannister Rolle, Gerard Butler darf mal wieder rumbrüllen und man vermutet sekündlich, dass er sich das Oberteil vom Leib reisst und „Das ist Sparta!“ brüllt. Und Geoffrey Rush als Ra ist dermaßen albern, dass es fast peinlich ist.

Der Look:
Unglaublich! Der Film hatte ein Budget von 140 Millionen Dollar. Und es gibt keine einzige (!) Einstellung, in der ich nicht den Kopf geschüttelt habe und mich darüber wunderte, wie schlecht und künstlich das alles aussieht. Selbst ein paar CGI-Elefanten (warum nimmt man da keine echten?) sehen künstlicher aus, als die Dickhäuter in Jumanji von 1995. Und auch die Kämpfe zwischen den Chrom-Göttern sind dermaßen schlecht gemacht, dass man sich ab und zu wundert, ob man vielleicht doch aus Versehen die Rohfassung zu sehen bekommen hat und die „echten“, hübschen Spezialeffekte erst noch integriert werden. Der nahezu zehn Jahre alte, erste Teil von Transformers hatte ein ähnliches Budget und sieht dabei aber um Welten besser aus. Vollkommen unverständlich.

Und auch abseits von CGI stimmt hier bei Beleuchtung, Kostümen, Bühnenbild und Schnitt einfach mal so gar nichts.

Fazit:
„Gods of Egypt“ ist von hinten bis vorne eine einzige große Frechheit und fühlt sich an, als hätte wirklich niemand während der Produktion auch nur ansatzweise Herzblut oder irgendeine Form von Leidenschaft in den Film gesteckt. Was man hier zu sehen bekommt, ist ein inhaltsleeres, liebloses, hingeklatschtes Möchtegern-Blockbuster-Spektakel, das nicht nur schlecht gespielt und sinnbefreit ist, sondern obendrein auch noch grottig aussieht. Der nächste Franchise nach „Panem“? So wird das nix. Echt uebel.

siegel_schlecht

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About Uebelator

Filmfan, Videospieler, Nerd.

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