Kritik: London Has Fallen

Wäre Bruce Willis schon langsam gestorben, würde er sich vermutlich in Anbetracht der zahllosen schlechten Plagiate seiner erfolgreichsten Filmreihe im Grabe umdrehen.

Tausendmal machten sich Action-Helden jedweder Form und Farbe auf, um im Alleingang eine ganze Bande von Terroristen/Banditen/gemeinen Leuten niederzumachen und den Tag zu retten. Hin und wieder gab es da mal ein paar unterhaltsame Vertreter wie z.B. Stephen Segals erster „Alarmstufe Rot“-Film, aber der Großteil der „Stirb langsam“-Kopien wären lieber einen schnelleren Tod gestorben.

Und dann kam vor ein paar Jahren ein Film mit dem Titel „Olympus Has Fallen“ um die Ecke, in dem eine Gruppe nordkoreanischer Terroristen einen gut geplanten Anschlag auf das weiße Haus und den Präsidenten verüben wollten und nur der Secret Service Agent Mike Benning, konnte die kommunistische Flut aufhalten. Lustigerweise kam zur gleichen Zeit auch „White House Down“ heraus, der das gleiche Szenario bietet, aber weit weniger unterhaltsam war, denn – Überraschung! – „Olympus Has Fallen“ war gar nicht schlecht. Ja, stellenweise war der ziemlich dämlich, man musste beide Augen zudrücken und bestimmte Dinge einfach akzeptieren, aber wenn man das hinkriegte, bekam man einen Actionfilm, der super unterhalten konnte und sich im positiven Sinne anfühlte, als käme er direkt aus den 80ern.

Nun gibt es das Sequel, in dem nicht mehr der Olymp, sondern gleich ganz London fällt. Kann „London Has Fallen“ mit dem Vorgänger mithalten?

Die Handlung:
Irgendwo in Terrorististan feiert ein ganz gemeiner Waffenhändler die Hochzeit seiner Tochter. Weil er aber so ein gemeiner Kerl ist (und weil er den Regierungen der Welt vermutlich die besten Waffendeals wegschnappt), haben sich die Führer der G8 dazu entschlossen, den Übelwicht sauber und klinisch mit einer Drohne weg zu bomben. Aber nicht bevor, der Finsterling noch einen Satz sagen durfte wie: „Wenn Du Rache an jemandem übst, dann vollständig. Rotte ihn und seine Frau und seine Kinder und seine Verwandten und seinen Friseur gleich mit aus!“

Aber: Bumm! und die Hochzeitsgesellschaft ist Kebab.

Die ganze Hochzeitsgesellschaft? Nein… die Braut wurde zwar fachgerecht verdampft, aber der gemeine Waffenhändler hat das Ganze überlebt und will Rache üben. Und wir wissen ja, wie der die Sache mit der Rache so sieht… Weltweit sollten jetzt die Politikerfriseure vor Angst erzittern.

Unterdessen ist Mike Banning in den U.S. of A. immernoch Secret Service Mann, harter Typ und bester Buddy vom Präsidenten, der wohl so eine Art sprücheklopfender, weißer Obama sein soll. Alles ist dufte im „Land of the free, home of the brave“ und Banning wird bald Papa, ist kurz davor seine Kündigung einzureichen und bereitet sich auf seinen neuen Job als Spießer-Papa vor.

Doch dann stirbt überraschend der englische Premier-Minister und die Führer der ganzen Welt müssen zur Beerdigung in London antanzen. So natürlich auch der amerikanische Präsident und der nimmt seinen Kumpel Benning mit auf seinen letzten Job. Denn es ist immer der letzte Job in solchen Filmen.

In London wird fleissig die Logistik geplant und die Führer der Welt rauschen ran.

Doch kaum hat man sich in der Kathdrale versammelt, gehen etliche Bomben hoch, Terroristen-Polizisten fangen an zu ballern, irgendwer schießt mit einer Panzerfaust und das Chaos ist komplett.

Was folgt sind wilder Ballereien, Verfolgungsjagden, Ballereien und auch ein paar Verfolgungsjagden. Und natürlich gehen dabei jede Menge londoner Wahrzeichen kaputt.

Zwischendurch fällt der Präsident auch noch in die Hände der Schurken, die ihn medienwirksam auf Youtube hinrichten wollen und es ist an Benning, den Führer der freien Welt da wieder rauszuballern.

Die Charaktere:
Gerard Butler ist Mike Benning und soll vermutlich als knallharter Typ wie John Mcclane oder Jason Bourne rüberkommen. Auf mich wirkte Benning aber wie ein komplett gestörter Psychopath und Sadist, der irgendwie Spaß an der ganzen Sache hat. Total unsympathisch und ich bin mir nicht sicher, ob das Jugendamt ihn wirklich als Vater geeignet sehen würde.
Und komischerweise hat mich Gerard Butler im ganzen Film an eine komische Mischung aus Till Schweiger und Uwe Ochsenknecht erinnert. Naja… vielleicht sieht der nächste Schweiger-Tatort ja so ähnlich aus.

Aaron Eckhart, den ich ansonsten sehr als Schauspieler schätze, hat hier nach „I, Frankenstein“ wieder eine schlechte Karriere-Entscheidung getroffen und spielt auch den Präsidenten irgendwie als knallharten Actiontypen, der ohne mit der Wimper zu zucken für sein Land sterben würde.

Der Waffenhändler bleibt weitgehend blass, der Vizepräsident wird von Morgan Freeman gespielt, der tut was er immer tut und ansonsten gibt’s irgendwie nichts aufregendes zu berichten.

Der Look:
Irgendwas machen Regisseur, Kameramann und Editor bei den Actionsequenzen falsch, denn insgesamt wirkt das Ganze reichlich lahm und blutleer. Die CGI-Effekte, speziell die Hubschrauber-Szenen und die Explosionen in London sehen grauenhaft künstlich aus. Erstaunlich, denn der Film hatte bestimmt kein ganz kleines Budget.

Fazit:

„London Has Fallen“ fühlt sich an wie ein „Call of Duty“-Spiel und wenn es eines wäre, würde es vermutlich sogar irgendwie funktionieren. Aber das würde daran liegen, dass man selbst das Ruder in der Hand hat und man sich bei Action-Spielen ja eh schon über eine halbwegs ordentlich präsentierte Handlung freut.

Aber „London Has Fallen“ ist nunmal ein Film und als solcher fällt er leider durch. Zu bescheuert ist die Handlung, zu unsympathisch die Protagonisten, zu einfalls- und lieblos die Action. Das allerschlimmste an dem Film ist aber die komische Haltung, wenn es um die Terroristen geht. Die werden nicht nur in derart großen Mengen abgeknallt, dass man sich fragt, ob Mike Benning da nicht gerade den kompletten mittleren Osten entvölkert, der Film erwartet von mir als Zuschauer auch irgendwie, dass ich juble und ihn anfeuere, wenn er so richtig loslegt. Da wird zum Beispiel der außer Gefecht gesetzte Bruder eines Terroristen mit einem Messer malträtiert, während dieser per Funk die Schreie mitanhört. Doch bevor man sich hier fragen kann, ob das jetzt nicht doch irgendwie zu weit geht, gibt’s einen markigen Spruch und man soll das wohl irgendwie gut finden.

Der Film beginnt mit einem Drohnenangriff auf eine Hochzeit, bei dem man als Zuschauer noch das Gefühl hat, es könne sich hier möglicherweise irgendwie kritisch mit diesem Vorgehen auseinander gesetzt werden. Zumindest am Rande.

Aber spätestens wenn am Ende der böse Bube auf genau dieselbe Art mit einer Drohne und einem griffigen One-Liner hingerichtet wird (und mit ihm etliche andere Leute mit Turban und/oder AK47, die natürlich laut Aussage des weißen hauses alle Terroristen sind), schüttelt man nur noch mit dem Kopf anstatt zu jubeln.

Ohne diese fragwürdige Moral wäre „London Has Fallen“ nur ein mittelmäßiger, vergessenswerter Actionstreifen, so hat er einen extrem schalen Beigeschmack, der bei mir eine dezente Übelkeit auslöst. Echt uebel.

siegel_schlecht

 

Die Inglorious Filmgeeks haben sich auch so ihre Gedanken zu dem Film gemacht.

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About Uebelator

Filmfan, Videospieler, Nerd.

4 responses to “Kritik: London Has Fallen”

  1. Ma-Go Filmtipps says :

    Den habe ich nicht gesehen, fand aber „Olympus…“ schon schlecht! Da war „White House Down“ wesentlich besser. Trotzdem kann ich mir dank deiner Beschreibung sehr lebhaft vorstellen, wie der Film abläuft 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. christianneffe says :

    Ich fand „White House Down“ auch ein ganzes Stück besser als „Olympus…“, ganz einfach deshalb, weil er sich nicht ansatzweise so ernst genommen hat 😉

    Gefällt 1 Person

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