Kritik: 10 Cloverfield Lane

Ich habe ja wirklich schon so einiges im Kino gesehen und halte mich auch Horror-technisch für ziemlich hartgesotten. Und dennoch gab es einen Film, bei dem mir so speiübel wurde, dass ich ihn größtenteils nur gehört habe, weil ich nicht mehr hingucken konnte.

Das war aber nicht in etwa Saw oder irgendein anderer Film, der auf Ekel oder Schockmomente setzte. Und nein, es war auch keine romantische Komödie mit J Lo.

Der Film von dem ich rede war „Cloverfield“, das „Blair Witch Project“ unter den Monsterfilmen. Komplett mit Handkamera gefilmt wurde da kräftig hin und her gewackelt, dass mein Magen sich irgendwann entschlossen hat, nicht mehr kooperieren zu wollen, sollten meine Augen ihm weiterhin so seltsame Signale senden.

Naja… hat sich aber ganz gut angehört der Film.

Auf dem heimischen Fernseher habe ichs jetzt nachgeholt, den Film so ganz zu gucken und mein Magen hat sich auch nicht beschwert. Was J.J. Abrams da zeigte war ein durchschnittlicher Monster-Katastrophenfilm mit netten Effekten und eben dem „Found Footage“-Gimmick. Ganz spannend gemacht, teilweise etwas drüber, aber durchaus unterhaltsam.

Und jetzt ist die Quasi-Fortsetzung in den Kinos. Aber so richtig eine Fortsetzung ists gar nicht. Oder doch?

Verwirrt?

Die Handlung:
Eigentlich wurde das Drehbuch von „10 Cloverfield Lane“ als eigenständige Geschichte geschrieben und hatte mit dem Monster-Universum von Abrams nichts zu tun. Irgendwem fiel aber auf, dass das doch vielleicht ganz gut passen würde und da der Herr Abrams dank Star Wars ja eh gerade in aller Munde ist, passte man die Story hier und da an und integrierte sie in die Cloverfield-Mythologie.
Das allein klingt schonmal so, als müsste man misstrauisch werden, aber egal… worum geht’s?

Michelle ist eine junge Frau, die irgendwo auf einer nächtlichen, verlassenen Straße in den USA in einen Unfall verwickelt wird und dabei das Bewusstsein verliert.

Als sie erwacht, findet sie sich an die Wand gekettet in einem Bunker wieder. Natürlich vermutet sie gleich das Schlimmste und nimmt an, dass sie entführt wurde.
Kurz darauf trifft sie Howard, einen älteren, kräftigen Kerl, der ihr ein lecker aussehendes Frühstück bringt und behauptet, er habe sie nicht entführt, sondern gerettet.

Es soll nämlich eine Katastrophe gegeben haben, die die Außenwelt quasi unbewohnbar macht. Die Luft ist angeblich verseucht und ein Überleben ist außerhalb des Bunkers nicht möglich.

Mit im Bunker ist der jüngere Emmet, der Howards Geschichte glaubt und froh ist, im Bunker untergekommen zu sein, aber Michelle bleibt misstrauisch und forscht immer mal wieder vorsichtig nach, nie so ganz sicher, ob sie Howard dankbar sein oder Angst vor ihm haben sollte.

Immer mehr Hinweise häufen sich, dass Howard irgendein finsteres Geheimnis hat und als Michelle und Emmet die Flucht aus dem Bunker planen, droht die ganze Lage zu eskalieren.

„10 Cloverfield Lane“ ist im Vergleich mit dem namentlichen Vorgänger ein völlig anderer Film. Wo dort noch ein riesiges Monster New York verwüstete, kommt hier der Horror von ganz woanders. Fast kammerspielartig wird hier das Psycho-Duell zwischen den Protagonisten Michelle und Howard inszeniert und das funktioniert ganz prächtig. Als Zuschauer ist man nie ganz sicher, was man glauben kann und was nicht.

Mit wenigen Spezialeffekten wird hier einfach ein sehr effektiver Thriller erzählt, der in meinen Augen die Anbindung an die Cloverfield-Welt und das doch recht unerwartete Ende nicht unbedingt gebraucht hätte.

Die Charaktere:
Michelle, gespielt von Mary Elizabeth Winstead ist ein toller Charakter und erinnert mich stellenweise ein wenig an Ellen Ripley aus dem ersten „Alien“. Sie ist einerseits eine ganz normale Frau und relativ verletzlich, hat aber auch eine toughe Seite und ist überaus erfinderisch. Die Entscheidungen die sie trifft und die Dinge die sie tut sind clever und machen Sinn und sie ist die treibende Kraft in diesem Film und macht das toll.

John Goodman spielt Howard und ist damit absolut perfekt besetzt. Ständig schwankt er hin und her zwischen liebenswertem Brummbär und bedrohlichem Choleriker. Man möchte ihm seine Geschichte glauben, hat aber – wie Michelle – gleichzeitig Angst vor ihm. Großartig gespielt.

Emmet wird gespielt von John Gallagher Jr., und ist im Vergleich zu Goodman und Winstead ein wenig blass, wenngleich er seine Rolle dennoch gut spielt. Sein Charakter ist aber in erster Linie dazu da, damit die Protagonistin ihre Gedanken mit irgendjemandem und damit auch dem Publikum teilen kann.

Fazit:
„10 Cloverfield Lane“ hat mich überrascht. Man bekommt einen sehr spannenden Thriller mit tollen Darstellern. Die Verknüpfung mit der „Cloverfield“-Welt ist okay, hätte aber auch nicht unbedingt sein müssen. Das Ende fühlt sich ein wenig so an, als wäre es nachträglich geändert worden und passte in meinen Augen nicht so ganz zum Rest des Films, war aber dennoch ein befriedigender Abschluss. Der Soundtrack von Bear McCreary ist übrigens auch super.

Wer ein riesiges Monster erwartet, wird enttäuscht werden. Alle anderen finden John Goodman viel gruseliger als jeden Godzilla-Verschnitt und werden blendend unterhalten.

 

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About Uebelator

Filmfan, Videospieler, Nerd.

9 responses to “Kritik: 10 Cloverfield Lane”

  1. Belkor says :

    ich fand den leider dezent langweilig und John Goodman sorgte mit seiner ´´Leistung´´ auch noch dazu das man beinahe friedlich im Kinosessel einschlafen konnte.

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  2. Ma-Go Filmtipps says :

    Ach ja, das Ende. Was wurde da nicht drüber (auch auf meiner Seite) diskutiert und gestritten 😀 Ich fand den Film jedenfalls sehr gut. Auch wenn ich nicht wirklich viele Filme dieses Jahr im Kino gesehen habe,handelt es sich bei 10 Cloverfield lane um einen der besten des bisherigen Kinojahres. https://magofilmtipps.wordpress.com/2016/03/31/filmkritik-10-cloverfield-lane/

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  3. Filmschrott says :

    Die Bindung zur Cloverfield-Welt gibt es ja eigentglich auch nicht. Der Film steht für sich alleine und hat rein gar nichts mit dem Found-Footage-Monsterfilm zu tun. Abrams hat ja mittlerweile verraten, dass Cloverfield als eine Anthologie anzusehen ist. Die Filme haben einfach das gleiche übergreifende Thema (Aliens) sonst aber keinerlei Verbindung zueinander. Man könnte also quasi auch Independence Day einfach in Cloverfield Day umtaufen.
    Beim ende bin ich aber bei dir. Für mich wirkte das auch etwas gezwungen. Aber mir gefiel das Ende ohnehin nicht wirklich. Der Film an sich ist aber großartig.

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    • Uebelator says :

      Ja, wie man lesen kann, gefiel mir der Flm auch sehr sehr gut, auch wenn ich beim Ende etwas zwiegespalten bin.

      Dass, Clverfield ansich keine gemeinsame Welt hat, wusste ich so auch noch nicht. Das machts ja irgendwie noch bekloppter, den Film dann umzuschrieben, damit irgendwelche Aliens mit drin sind und man das dan „Cloverfield“ nennen kann.

      Wenn Abrams nun bei allen „Cloverfield“-Filmen Regie führen würde und überall Aliens vorkommen und er das Ganze dann als seine „Cloverfield“-Anthologie bezeichnet, fänd ichs ja okay, aber so macht das für mich absolut null Sinn.

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      • Filmschrott says :

        Finde das auch eher komisch aber das war halt die Erklärung. Ich weiß auch nicht warum man den.Film nicht einfach in die Cloverfield Welt verfrachtet hat. Dafür hätte man nicht mal viel am Drehbuch ändern müssen.

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  1. Filmkritik: 10 Cloverfield Lane | Ma-Go Filmtipps - 12. Mai 2016

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