Kritik: Im Herzen der See

Nennt mich Uebelator. Ein paar Jahre ist’s her – unwichtig, wie lang genau -, da hatte ich wenig bis gar kein Geld im Beutel, und an Land reizte mich nichts Besonderes, und so dacht ich mir, ich wollt einen Film übers Herumsegeln gucken und mir den wässerigen Teil der Welt besehen. Das ist so meine Art, mir die Langweile zu vertreiben und den Kreislauf in Schwung zu bringen.

Okay okay… schon ziemlich lahm, so eine Kritik zum Film über die vermeintlich wahre Geschichte hinter Moby Dick mit einem abgeänderten Zitat aus Melvilles Buch zu beginnen, aber wenns doch so schön passt…

Im Roman kämpft der besessene Kapitän Ahab gegen den großen weißen Wal, der ihm und dem Großteil seiner Crew schließlich zum Verhängnis wird. Und nun gibt’s einen Film, der die Geschichte erzählen will, die Melville schließlich zu seinem Buch inspiriert hat.

Die Handlung:
Der junge Herman Melville spricht mit dem alten Seemann Tom Nickerson, der damals an Bord eines Walfängers war, der von einem der riesigen Seesäuger versenkt wurde. Nickerson erzählt ihm widerwillig seine Geschichte und schafft damit quasi den erzählerischen Rahmen für „Im Herzen der See“, den wir in Rückblenden miterleben.

Owen Chase ist ein total toller Hecht. Er sieht aus wie nordischer Gott, ist kurz davor auf der Karriereleiter seiner Walfanggesellschaft auf den Kapitänsposten zu klettern, hat eine schicke Frau, die ein Kind erwartet und sowieso und überhaupt.

Aber arbeiten muss er trotzdem und daher spricht er bei seinen Vorgesetzten vor, um bei der nächsten Fahrt die Kapitänsmütze aufsetzen zu dürfen. Die steinreichen, verknöcherten Herren sehen das aber etwas anders und verleihen die prestigeträchtige Kopfbedeckung lieber an den dezent adligen, aber unerfahrenen George Pollard. Chase soll stattdessen als Steuermann und erster Maat mitfahren.

Man muss kein Genie sein, um abzusehen, dass sich die beiden Männer nicht sooo gut verstehen werden.

Trotzdem fahren sie zusammen auf der Essex los, um reichlich Wale zu fangen. Da klappt auch erstmal ganz gut, aber irgendwann werden auch friedlebendsten Tierchen sauer und tauschen Walgesang gegen Kriegstrommel. Ein besonders großer Pottwal rammt die Essex und das Schiff geht prompt unter. Die Mannschaft flüchtet sich in die Rettungsboote und treibt einigermaßen verloren über den Ozean.

Was folgt ist ein Schiffbruch-Film wie man ihn schon das eine oder andere Mal gesehen hat. Die Männer werden immer runzliger und ausgetrockneter und müssen allerlei schwerwiegende Entscheidungen treffen, um am Leben zu bleiben.

„Im Herzen der See“ ist leider irgendwie recht gewöhnlich. Ich hatte mir ein tolles Psycho-Duell der beiden konkurrierenden Männer auf dem beengten Raum eines Schiffes gewünscht, der zusätzlich noch durch den Kampf gegen den Wal verstärkt wird. Was ich bekommen habe, war „Cast Away“ mit mehr Toten.

Auch die erzählerische Klammer um Herman Melville wirkt für mich etwas aufgesetzt und unnötig, denn sie trägt nichts, aber auch wirklich gar nichts zur Erzählung des Filmes bei, außer dass man hinterher sagen kann: „Ach so war das damals mit dem dicken Moby.“

Grundsätzlich ist der Film nichtmal schlecht erzählt, aber er nutzt die gebotenen Elemente irgendwie nicht konsequent genug aus, traut sich nichts und dümpelt irgendwie so vor sich hin wie die Rettungsboote auf dem offenen Meer.

Die Charaktere:
Owen Chase wird gespielt von einem der momentan im Kino überpräsenten Hemsworth-Buben und ist im Grunde genommen identisch mit dem „Huntsman“. Er ist ein Mann mit gutem Herzen, der von seiner Crew respektiert und geschätzt wird, aber eine raue Schale hat.

Hab ich da gerade jemanden „Laaaaangweilig!“ rufen hören? Nee, ist sogar gar nicht schlecht gespielt.

Der Captain der Essex bleibt weitgehend blass, Cillian Murphy ist auch dabei und … tja… irgendwie so richtig im Gedächtnis bleiben die Leute alle nicht.

Der Look:
Grün. Nicht „grün“ im Sinne von „Das fünfte Element“ („Es muss absolut grün werden!“), sondern so wie die Farbe… Der Film ist extrem farbstichig und ich habe keine Ahnung warum. Irgendwer fand das wahrscheinlich gut, ich fands eher lästig.

Die CGI-Effekte sehen größtenteils auch nach CGI aus, haben aber dennoch eine gewisse Wucht und haben mich nicht weiter gestört. Einige schöne 3D-Effekte gabs aber.

Fazit:
Ich mag so Seefahrer-Filme und fand „Master & Commander“ klasse. Sowas ähnliches habe ich mir von „Im Herzen der See“ auch versprochen und wurde dabei leider ziemlich enttäuscht.

Dabei ist der Film eigentlich gar nicht übel, aber er schafft es schlicht nicht, sich in irgendeiner Art und Weise aus der Mittelmäßigkeit hervorzuheben. Die Geschichte war so mittelmäßig spannend du eher ausgelutscht, die Charaktere waren so mittelmäßig und auch die Effekte waren ganz nett, aber eben nicht so richtig toll.

Immerhin der Soundtrack ist schön und angenehm unaufdringlich.

Man kann sich den Film gut an einem Sonntagnachmittag angucken und der tut keinem weh. Wenn man aber die Wal (*hust*) hat zwischen diesem Film und „Master & Commander“ sollte man zu letzterem greifen.

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About Uebelator

Filmfan, Videospieler, Nerd.

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