Kritik: Captain America: Civil War

Ladiiiieeeesss und Gentlemen….

Kommen wir jetzt zum Hauptkampf des heutigen Abends. Soeben wurden wir Zeuge, wie sich die Kontrahenten Batman und Superman gegenseitig die Rübe blau geschlagen haben, jetzt dürfn Sie das ultimative Tag-Team-Match miterleben.

Captain America gegen Iron Man, Hawkeye gegen Black Widow, Wintersoldier gegen Black Pather, Spiderman gegen Ant-Man, Falcon gegen Warmachine und Scarlett Witch gegen Vision.

Ring frei! Dingdingding!

Die Handlung:
Irgendwann musste das ja mal so weit kommen. Die Avengers sind zwar Superhelden, aber mal ehrlich… zimperlich sind die nicht gerade. Wenn Aliens in New York einfallen oder mal eben eine ganze Stadt als dickes Wurfgeschoss missbraucht werden soll, dann geht eben einiges zu Bruch und das stößt bei vielen Teilen der Bevölkerung – vor allem bei den Leuten, die aus dieser Wurfgeschoss-Stadt kommen nicht gerade auf so besonders viel Begeisterung.

Leute sind gestorben.

Die Leute, die noch am Leben sind, sind sauer und die Rufe werden laut, die Avengers, die bislang noch unabhängig agieren konnten, unter staatliche Kontrolle zu stellen, damit sie eben nicht einfach machen können, was sie wollen.

Tony Stark hält das für keine schlechte Idee und Captain America ist anderer Meinung. Beide haben Unterstützung verschiedenster Avengers und schon bald ist das Super-Team in zwei Lager gespalten.

Zu allem Überfluss kippt der Bösewicht Zemo auch noch Öl ins Feuer und befreit Cap´s alten Kumpel Wintersoldier aus der staatlichen Obhut. Iron man will ihn wieder einfangen, Steve Rogers will ihm zur Flucht verhelfen und so kommt es zum Konflikt im Marvel Universum, der so ziemlich die spannendste Veränderung in der etablierten Comicwelt darstellt, die es bislang so gegeben hat.

Hier bekämpfen sich ehemalige Verbündete, teilweise sogar Freunde und das gibt jedem Schlag und jedem Treffer irgendwie noch mehr Gewicht. Mit Zemo gibt es zwar einen Bösewicht, aber der agiert mehr im Hintergrund, während die Avengers sich sprichwörtlich gegenseitig demontieren.

Dem Film gelingt eine gute Balance zwischen ruhigeren Charakter-Szenen und knalliger Action und er etabliert den zentralen Konflikt sehr gut und glaubwürdig und man man kann die Positionen der Kontrahenten besser verstehen als z.B. bei „Batman v Superman“. Dennoch hätte ich mir etwas mehr Details zur „Verstaatlichung“ der Avengers gewünscht, so dass man auch als Zuschauer noch eine bessere Idee davon bekommt, was das eigentlich alles konkret bedeutet.

Selbiges gilt für den Plan von Bösewicht Zemo, dessen Beweggründe zwar wunderbar nachvollziehbar sind, aber dessen Vorhaben irgendwie reichlich verschwurbelt und kompliziert wirkt und man sich ein wenig fragt, ob er das alles nicht auch irgendwie einfacher hätte bewerkstelligen können.

Die Handlung reißt jetzt keine Komplexitätsbäume aus, hat aber dennoch mehr Tiefe als viele andere Comic-Filme und man hat das Gefühl, dass es den Autoren Spaß macht auf der Klaviatur der zahlreichen Charaktere zu spielen, die man nach etlichen Filmen vor sich ausgebreitet hat.

Die Charaktere:
Die zentralen Figuren in diesem Film sind der namensgebende Captain America, sowie sein Kontrahent Iron Man, die gewohnt gut gespielt sind. Irgendwo im Hinterkopf hatte ich aber während des Films den Gedanken, dass Iron Man zumindest in den Comics doch auch ein ziemlicher Alkoholiker war und dessen Rüstung quasi auch eine psychologische Möglichkeit für ihn war, sich selbst vor der Welt und dem Leben da draußen zu schützen.
Dieser Film ist nicht Iron Mans Film, aber dennoch hätte ich mir bei Tony Stark etwas mehr gewünscht, als den dampfplaudernden Playboy in der Stahlrüstung, denn wenn es irgendwann eine Gelegenheit für ihn gäbe, mal wieder zur Flasche zu greifen, dann wäre sie in diesem Film.

Der Rest der Crew tritt ein wenig in den Hintergrund und wir lernen kaum etwas neues über Black Widow, Vision, Falcon oder Hawkeye. Selbst der Wintersoldier, der für die Handlung ja recht zentral ist, darf nur wenig sagen.

Die Neuzugänge und Gastauftritte im Team sind nett, fühlen sich aber zugegebenermaßen auch etwas „drangetackert“ an. „Wir brauchen Spiderman im Film? Alles klar… schreiben wir ihn rein.“

Spiderman, diesmal gespielt von Tom Holland macht aber tatsächlich Spaß und eine ziemlich gute Figur und kommt dabei der Comicvorlage näher als es die Version von Andrew Garfield tat. Ob Holland sympathisch genug ist, um einen ganzen Film zu tragen, bleibt abzuwarten, aber so hats schon Spaß gemacht.

Black Panther fand ich ehrlich gesagt doof. Der noble afrikanische Prinz, der den Tod seines Vaters rächen will und dabei ins Kostüm einer Wildkatze schlüpft, war mir irgendwie selbst für eine Comic-Verfilmung zu viel Klischee. Und böse Zungen mögen mir jetzt Rassismus oder Whitewashing oder sowas vorwerfen, aber ich ich muss zugeben, dass ich den Charakter und seine Darstellung schlicht nicht interessant genug finde, um daraus einen eigenen Film zu stricken, der ja aber geplant ist. Das liegt nicht daran, dass Black Panther nunmal afrikanischer Herkunft ist. Einen Film mit Falcon oder Warmachine – die ja auch beide von dunkehäutigen Schauspielern verkörpert werden – hätte ich nur spannender gefunden.

Daniel Brühl als Zemo macht auch eine gute, wenn auch etwas blasse und undurchschaubare Figur und ich hätte mir durchaus gewünscht, mehr von ihm zu sehen.

Generell ist mir bei diesem Film aufgefallen, dass die meisten der sogenannten Superhelden gar keine sind, was ich dann doch etwas verblüffend fand. Iron Man ist ein normaler Mann im Eisenanzug. Gleiches gilt für Warmachine. Falcon ist ein normaler Mann mit Raketenflügeln, Ant Man ist ein normaler Mann mit Schrumpfgürtel, Hawkeye ist ein normaler Mann mit Bogen, Wintersoldier ein Typ mit Metallarm, Black Widow ist nur gut trainiert und sieht aus wie Scarlett Johansson und Black Panther kann, soweit ich das bisher verstanden habe auch nichts übermenschliches. Das heißt, die einzig wirklich übermenschlichen Charaktere in diesem Film sind Captain America, Scarlett Witch, Vision und Spiderman. Erstaunlich.

Der Look:
Der Film geht ab und sieht super aus. Ich persönlich finde den Look von Vision ein wenig albern, aber das ist meckern auf hohem Niveau. Die Action ist fantastisch und man sieht, das hier an vielen Stellen ein tolles Stuntteam am Werke war und man sich nicht ausschließlich auf CG verlassen hat (oder es zumindest so geschickt eingesetzt hat, dass es auf mich echt wirkte). Die Prügeleien tun jedenfalls beim Zuschauen schon weh und jeder Schlag hat ein schönes Gewicht dahinter. Klar, es gibt jede Menge CG und mit Ausnahme dieser einen Szene, in der Tony mit einem Helicopter zu einem Geheimgefängnis im stürmischen Ozean fliegt, sah das alles wirklich ziemlich gut aus. Die Actiosnsequenzen haben Wumms und sind echt spektakulär in Szene gesetzt und man hat trotz der vielen Charaktere immernoch das Gefühl einigermaßen die Übersicht zu behalten. Sehr sehr gut gemacht.

Fazit:
Ich bin Fan der „Civil War“ Comics und war anfangs skeptisch, als es hieß man würde sich nur lose an die Vorlage halten und nur den Kern verwenden. Und ich muss sagen, dass ich die Comics nachwievor besser finde, da sie einfach diesen ganzen Konflikt noch viel besser zeigen und man tatsächlich nicht genau weiß auf welche Seite man sich selbst stellen würde. Aber dieses hier ist ein Captain America-Film und von daher ist es schon irgendwie klar, auf welcher Seite man als Publikum stehen soll.

Wenn ich – mal alle Marketingpläne von Marvel beiseite gelassen – die Entscheidung gehabt hätte, dann hätte ich den ersten Civil War-Film als einen Avengers-Film gedreht und versucht in diesem Konflikt keine Stellung zu beziehen. Und dann hätte ich nachfolgend jeweils einen „Captain America“- und „Iron Man“-Film gemacht, der dann die beiden Seiten beleuchtet und so fürs Publikum nachvollziehbar macht.

Sei´s drum. „Captain America: Civil War“ ist ein fantastisch unterhaltsamer Film geworden, der Spaß macht und der seinen Reiz mehr aus dem Spiel der Charaktere untereinander zieht als aus der nichtsdestotrotz unglaublich gut gemachten Action. Comic-Fans, die die früheren Marvel-Filme geschaut haben können bedenkenlos reingehen und werden blendend unterhalten.
Abzüge in der B-Note gibt’s lediglich dafür, dass der Film für sich allein stehend nur mäßig funktioniert, da man doch einiges an Vorwissen aus den Vorgängern mitbringen sollte, um wirklich alles zu verstehen.

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  1. Kritik: The First Avenger – Civil War | filmexe - 20. Mai 2016

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