Kritik: Zoomania

Was wäre, wenn die Tierwelt sich plötzlich ihrer selbst bewusst würde, das Sprechen erlernte und darauf bestünde jetzt aufrecht zu gehen und Klamotten zu tragen?

Böse Zungen mögen behaupten, bei ein paar nackten Affen und komischen Vögeln wäre genau das bereits passiert und die Gesellen stellen jetzt rund 80 – 90 % des Vorstandes der AfD. Auch die Frau von Storch würde, zumindest namentlich, gut zu dieser Theorie passen.

Aber ich will den seltsamen Auswüchsen in der rechten äußeren Ecke der aktuellen deutschen Parteienlandschaft nicht noch mehr Aufmerksamkeit widmen als sie zur Zeit eh schon bekommen und mich wieder den Themen widmen, die wirklich wichtig sind: Animationsfilme mit sprechenden Tieren.

„Zoomania“ kommt aus dem Hause Disney, ist ein Computeranimationsfilm, hat aber mit Pixar nichts zu tun. Wieder einmal wundere ich mich über die seltsame Namensgebung hier Deutschland. Im Original trägt der Film den Titel „Zootopia“, was auch hierzulande durchaus als Wortspiel aus den Begriffen „Zoo“ und „Utopia“ zu erkennen ist und was im Zusammenhang mit dem Hauptschauplatz (so heisst die Hauptstadt der Tiere) sowie der Handlung des Films (diese Hauptstadt ist so eine Art Idealbild des friedlichen Zusammenlebens zwischen Raub- und Beutetieren) durchaus Sinn macht.

Warum sich das deutsche Marketing nun überlegt hat, den Film in „Zoomania“ umzubenennen, welches im Film übrigens auch englisch, also „Suhmäinia“ ausgesprochen wird, erschließt sich mir nicht. „Mania“, also auf Deutsch „Manie“ leitet sich vom altgriechischen Wort für „Raserei“ oder „Wahnsinn“ her, was in gewisser Weise zwar auch für die Handlung Sinn macht, aber als Name für eine Stadt haut das irgendwie nicht hin.

Der letzte Film, der ähnlich geschickt umbenannt wurde, war „Taken“ mit Liam Neeson, der hierzulande als „96 Hours“ veröffentlicht wurde. WHAT?!?

Egal… zurück zum Thema.

Die Handlung:
Tiere sind intelligent geworden, laufen aufrecht unterhalten sich und haben eine Gesellschaft gegründet, die der unseren durchaus ähnlich ist. Die junge Hasendame Judy Hopps träumt davon Polizistin zu werden, aber als Hase wird sie mit diesem Wunsch von allen anderen eher belächelt. Nichtsdestotrotz verlässt sie ihre Heimat Nageria, besucht die Polizeiakademie und schließt nicht nur als erster Hase die Ausbildung ab, sondern besteht obendrein auch noch mit Auszeichnung. Ruckzuck wird Sie zum Zoomania Police Department (ZPD) versetzt, aber ihr dortiger Chef, ein Büffel namens Bogo teilt sie erstmal für den Verkehrsdienst ein, weil er den putzigen Hoppelcop nicht ernst nimmt.

Während ihres Dienstes trifft Judy auf den fuchsigen Trickbetrüger Nick Wilde und bevor sie sich versehen können, werden Fuchs und Hase in eine Verschwörung verstrickt, bei dem sie nicht nur finstere Geheimnisse aufdecken, welche das friedliche Zusammenleben zwischen Raub- und Beutetieren dauerhaft gefährden könnten und schlagen sich obendrein auch noch mit Judys Vorgesetzen herum, die sie eher klein halte wollen.

„Zoomania“ ist zwar irgendwie als Kinderfilm konzipiert, kommt aber als eine Art Krimi daher und fühlt sich stellenweise ein gutes Stück nach Film Noir an. Nicht selten fühlte ich mich an die grandiose spanische Comic-Reihe „Blacksad“ erinnert, die zwar viel härter und erwachsener ist als dieser Film, aber genauso antropomorphe Tiere in Krimifälle verwickelt. (Sehr zu empfehlen!!!)

Mühelos und ganz nebenbei werden hier Themen wie Rassismus und Vorurteile behandelt, ohne aber – wie das für Disney ja eher typisch ist – moralschwer und aufgesetzt zu wirken.

Ja klar, gibt’s auch hier die Disney-typische Botschaft „Wenn Du an Dich glaubst, kannst Du alles schaffen“, aber hier wars komischerweise wenig penetrant.

Die Charaktere:
Judy Hopps ist ein idealistisches, aufrichtiges und ziemlich naives Hasenmädel, das die Welt zu einem besseren Ort machen will. Ihr entgegen steht der listige Nick Wilde, der sich mit windigen Geschäften durchgeschlägt und mit reichlich Vorurteilen zu kämpfen hat, die die anderen Tiere Füchsen gegenüber haben. Im Laufe der Handlung werden ihre Ansichten auf die Probe gestellt und ordentlich erschüttert, aber sie fassen Vertrauen zueinander und können schließlich gemeinsam den Tag retten.

Es gibt viele, viele wirklich liebenswerte Nebencharaktere wie den störrischen, Chief Bogo, den dicken Panther am Empfang des Police Departments, Nicks kleinen Komplizen, das Faultier Flash oder Gangsterboss Mr. Big.

Der Look:
„Zoomania“ sieht fantastisch aus und ich bin mir sicher, dass ich den Film nochmal in 3D sehen werde, weil das bestimmt nochmal schicker ist. Die Charaktere sind wunderbar gestaltet. Fell und Augen sehen schön realistisch aus und die Schauplätze sind toll kreativ. Zoomania ist in verschiedene Zonen eingeteilt und es gibt eine Wüsten-Zone, eine Eis-Zone, eine Tropen-Zone und auch einen winzigen Stadtteil in Mäusegröße. Richtig toll, kreativ und sehr stimmungsvoll umgesetzt.

Fazit:
Seit dem Lego-Movie hat mich kein (Zeichentrick-)Film mehr so überrascht. Ich habe Standard-Disney-Kost erwartet, die zwar auch nett, aber nicht herausragend ist und was ich bekommen habe, war ein toll animiertes, intelligentes, spannendes, witziges, kreatives Stück Familienkino mit toller, unaufdringlicher Botschaft, das auch Erwachsene blendend unterhält. So muss das! Uebelst geil!

siegel_gut

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  1. Kritik: Zoomania | filmexe - 4. Mai 2016

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