Kritik: Batman v Superman

Comicfans sind seltsam. Sie lieben Geschichten, in denen sich Helden mit Superkräften mit Bösewichtern mit Superkräften oder zumindest einem Superintellekt balgen, sich immer wieder ordentlich auf die Fresse hauen, schockfrosten, in die Sonne werfen, ins All katapultieren oder in ins Erdinnere stampfen.

Dabei reisen Sie durch andere Dimensionen, Parallelwelten oder das Totenreich, doch selbst wenn mal einer von ihnen den Löffel abgibt, kann man sich sicher sein, dass er nicht lange tot bleibt, denn Auferstehung ist in Comics in etwa so üblich wie eine Verspätung bei der deutschen Bahn oder ein Stau auf der A2.

Das alles klingt irre albern und wenn man mal ehrlich ist, ist es das auch. Kostümierte Spinner, die oft Tiernamen oder ihre Unterhose über dem Rest der Wäsche tragen und es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Welt entweder zu retten oder zu zerstören sind einfach kein besonders ernst zu nehmendes Thema.

Und dennoch werden sie beinahe messianisch verehrt, jede Geschichte wird aufgesogen und in einer Art Bibel gesammelt, die der Fan „Kanon“ nennt. Und wehe dem, der etwas behauptet, was nicht genauso im Kanon steht! Dann wird die Comic-Inquisition gerufen und die Mistgabeln gezückt, um die Comic-Ketzer für ihre Sünden zu strafen.

Zack Snyder und alle Beteiligten an „Batman v Superman“ können ein Lied davon singen.

Die Handlung:
„Batman v Superman“, ein Film dessen Titel auf das „s“ bei „vs“ verzichtet, weil… äh… weil man Superman mit „S“ schreibt und man nur ein „S“ im Titel haben wollte? Irgendwelche Marketing-Fuzzis (zu denen ich mich schamesrot auch zählen muss) hielten es für eine tolle Idee und wahnsinnig innovativ und modern einfach mal einen Buchstaben weg zu lassen. Und dabei haben wir noch Glück, denn der Film hätte ja auch „Batman s Superman“ heißen können. Vermutlich haben besagte Marketing-Heinis vorher fleißig „FANT4STIC“ und „TAK3N“ geguckt und sich heftig davon inspirieren lassen. Toll, diese Kreativen.

Eine der Fortsetzungen heißt dann vielleicht „B4TM4N v SUPERM4N“, gefolgt vom Sequel „BATMAN V 5UPERMAN“ (man achte auf das großgeschriebene „V“).

Titel hin, Titel her… Worum geht’s denn hier eigentlich?

Der Film schließt direkt an „Man of Steel“ an. Superman hat sich mit General Zod geprügelt und dabei ging jede Menge zu Bruch und auch zivile Opfer waren zu beklagen. Gummi-Fetischist und Fledermauszüchter Bruce Wayne war zufällig gerade in Metropolis unterwegs, als die Super-Streithähne sich gegenseitig durch diverse Gebäude schubsten und dabei auch der örtliche Wayne-Tower zum Einsturz kam. Bat-Bruce war darüber natürlich ziemlich erzürnt und nicht besonders gut auf Superman zu sprechen.

Auch die Regierung, verkörpert in erster Line durch eine Senatorin, sieht Superman als potenzielle Bedrohung und äh… tut… irgendwas. Sie will ihn vorladen, damit er sich für seine Taten verantwortet oder so ähnlich. Wo bei den X-Men gleich eine Spezialeinheit mit dicken Waffen gegen die Mutanten vorrückt, versucht man es im DC-Universum eher auf dem bürokratischen Wege. Naja, okay.

Batman greift unterdessen zu immer extremeren Mitteln und verkloppt seine Opfer jetzt nicht nur, sondern brandmarkt sie auch noch, was absolut nicht nett ist, aber er scheints offenbar für nötig zu halten. Dazu ist er geplagt von seltsamen Visionen und Alpträumen von einer düsteren Zukunft, in der Clark Kent zu so einer Art Super-Hitler geworden ist, was seine Sympathie für den Kryptonier jetzt nicht gerade steigen lässt.

Zu allem Überfluss kommt auch noch Lex Luthor ins Spiel, ein langhaariger, psychotischer Dödel mit ADHS, der irre viel Geld von Papa geerbt hat und seine eigenen Pläne verfolgt, die aber nie so ganz klar werden.

Natürlich kommt es – wie der Name schon vermuten lässt – zum Kampf zwischen Fledermaus und Alien, dabei geht wieder mal richtig viel kaputt und am Ende geht man – wie das bei Männern so üblich ist – einen Saufen und ist ab sofort befreundet.

Die Handlung von „Batman v Superman“ ist vor allem eins: Überladen. Man verzettelt sich in zu vielen Handlungssträngen und die Motivationen und Ziele der einzelnen Akteure bleiben weitgehend unklar. Ja, man kann Bruce Waynes Zorn auf Superman irgendwie verstehen, aber der Konflikt zwischen den beiden wirkt doch sehr gezwungen zu sehr gewollt.

Luthors Pläne bleiben wirr, die Anknüpfpunkte zu weiteren Filmen (Wonderwoman, Justice League, Aquaman, etc.) sind zwar ganz nett, aber wirken ähnlich wie bei „Amazing Spiderman 2“ als wären sie zusätzlich in die Handlung gequetscht.

Die Charaktere:
Ich bin zwiegespalten, was Ben Affleck als Batman angeht. Er hat seine Rolle hervorragend gespielt und macht eine tiptop Figur als dunkler Rächer. Aaaaber… was hat das Drehbuch denn mit Batman gemacht? Eine der interessantesten Charaktereigenschaften des Flattermanns war es bislang, dass er stets auf diesem schmalen Grat zwischen Held und Schurke wandelte, aber nie die Grenze überschreiten konnte und einen seiner Gegner tötete. Das hätte ihn letztendlich nicht besser als einen der Gangster gemacht, die er verfolgt.

Aber hier knallt er Bösewichter im Sekundentakt ab, rammt ihre Autos von der Straße (die dann natürlich explodieren) und scheint einen Scheiß auf das Leben der kriminellen zu geben.

Das wäre ja sogar irgendwie okay, wenn es irgendwie einen entscheidenden Moment gegeben hätte, an dem er so in seinen Grundfesten erschüttert wurde, dass er seine Moralvorstellungen überdenkt. Aber diesen Moment gabs nicht.

Superman war Superman. Henry Cavill holt aus der Rolle was herauszuholen ist. Superman versucht sich seinen Platz auf der Erde zu suchen und stößt dabei auf jede Menge Widerstand. Er zweifelt an sich und seiner Verantwortung und ist dabei aber zu jeder Zeit blendend frisiert und bleibt irgendwie ziemlich glatt. Passt aber zur Rolle.

Gal Gadot als Wonderwoman hat nur einen kleinen Gastauftritt, sieht aber lecker aus.

Lois Lane fand ich persönlich unglaublich nervig, da sie im gesamten Film gefühlte 50 Mal gerettet werden musste. Eine andere Funktion hatte sie nicht.

Aber noch viel schlimmer war Jesse Eisenberg als Lex Luthor. Ich mag Eisenberg. Wirklich. Aber was auch immer er da mit der Rolle von Luthor versucht hat, es hat nicht funktioniert. Er machte ständig dieses nervige kleine „Hm!“ und quiekte und lamentierte vor sich hin, wie ein vollkommen Bekloppter. Hätte Dieter Hallervordern mit Palimpalim die Rolle gespielt, es wäre nicht schlechter gewesen. Keine Ahnung, obs an Eisenberg oder dem Drehbuch lag, aber Luthor war definitiv der Jarjar Binks des DC Universums.

Der Look:
Zack Snyder ist vielleicht kein guter Geschichtenerzähler, aber visuell hat er echt was drauf. Von den Kostümen, über die Actionszenen, bis hin zu den Sets und deren Ausleuchtung – der Film sieht einfach irre gut aus und stilistisch genial. Enttäuscht hat mich hingegen der Score von Hans Zimmer, der zwar im Film gut funktioniert hat, aber für sich genommen so klingt, als hätte ich eine Daten-CD in einen CD-Player gepackt und das Ganze dann in einer Microwelle abgespielt.

Fazit:
Ich gebe zu, dass mein Review bislang nicht besonders positiv klang und „Batman v Superman“ ist absolut kein perfekter Film, aber (und das ist ein „aber“ mit 3 Ausrufezeichen) er hat mich trotzdem blendend unterhalten. Ich mochte – Luthor und Lane ausgenommen – die Charaktere und es machte Spaß zu sehen, wie die zwei größten Superhelden zusammen agieren. Ich mochte sogar den Endkampf mit CG-Monster und die Prügelszene mit Batman in diesem Lagerhaus war richtig großartig.

Der Film hätte besser sein können, war überladen und fahrig, aber er hat es in meinen Augen nicht verdient, so zerrissen zu werden, wie er es wurde, denn am Ende des Tages haben wir das bekommen, was uns versprochen wurde: Ein Mann im Fledermaus-Gummikostüm kämpft gegen ein Alien mit blauem Strampler und Gelfrisur, der Laser aus seinen Augen schießen kann.

So albern das ist, es hat mich blendend unterhalten und hier ist „Batman v Superman“ für mich vielleicht mehr als nur die Summe seiner Teile.

 

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