Gedanken am Dienstag

Manchmal gehen mir Sachen durch den Kopf die ich gern mit euch teilen würde, die aber nicht so recht in irgendendwelche Kategorien passen. Daher gibts nun also den Hirnausfluss am Dienstag.

Man kann es nicht mehr hören.
Oder: Die Affäre Böhmermann

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das richtig verstehe, aber wenn ich jetzt den Herrn Erdogan beschimpfen und ihm alle Beleidigungen an den Kopf werfen würde, die mir so in den Sinn kommen, muss ich dann unter Umständen auch in den Knast?

Ja klar… Beleidigt wird niemand gern und wenn sich jemand nicht benehmen kann, dann sollte er auch bestraft werden, aber zum Vergleich: Einen Polizisten darf ich „Du blödes Schwein“ nennen und das kostet mich dann läppische 475 Schleifen. Warum also muss ich, wenn ich das gleiche mit einem Politiker täte (selbst wenn dieser nichtmal aus dem Land kommt, in dem ich lebe), möglicherweise hinter Gitter? Weil Politiker die Berufsgruppe sind, die jedermann am liebsten beleidigen würde?

Und was ist mit den Milliarden von Titelblättern internationaler Zeitungen, auf denen Frau Merkel schonmal mit Hakenkreuzbinde oder ähnlichem zu sehen war? Untermauern derartige Bildmontagen tatsächlich die dargelegten Argumente der Autoren, oder sind selbige bereits seit Monaten in Sicherheitsverwahrung und es weiß nur keiner davon?

Ich finde diese ganze Diskussion um Herrn Böhmermann vollkommen albern und ich bin entsetzt, dass da derzeit eine deratige Staatsaffäre draus gemacht wird. Noch schlimmer finde ich, dass sich weder die deutsche Regierung noch das ZDF mal in irgendeiner Weise äußern und einem Mann, der derzeit gerade den Volkshochschulkurs „Wie werde ich Diktator in nur einem Jahr“ mit Auszeichnung bestanden hat, mal erklären, dass das hierzulande eben nicht so läuft und man nicht jeden gleich verhaften kann, der mal was nicht so nettes über einen sagt.

Zumindest hoffe ich, dass das hierzulande nicht so läuft.

Ja, man kann Herrn Böhmermann mal auf die Finger klopfen, ja kann ihn Strafe zahlen lassen und sagen „Du, du, du…“ und ihn meinetwegen aber auch eine Unterlassungserklärung unterschrieben lassen, die besagt, dass solche plumpen Beleidigungen ohne satirischen Hintergrund nicht mehr vorkommen. Aber das muss es dann doch auch mal gewesen sein. Denn wenn Herr Böhmermann für seine „Schmähkritik“ tatsächlich hinter Gitter muss, frage ich mich in der Tat: „Wo leben wir denn?!?“


Promi, schlag dich selbst!

Erst letztes Wochenende lief die mittlerweile moderationsverwaiste erste Ausgabe von „Schlag den Star“. Stefan Raab, der in dieser Auskopplung von „Schlag den Raab“ ja eh nur noch marginal präsent war, fehlte hier nun komplett, aber anstatt die Sendung wie bisher von Steven Gätjen weitermoderieren zu lassen (der andererseits auch nicht gerade die Showmaster-Offenbarung ist, und mittlerweile vermutlich diverse lukrative Verträge bei anderen Sendern hat), muss nun der ewige Show-Praktikant Elton ran. Fast hat man den Eindruck, ProSieben hätte diese Show noch übrig gehabt und irgendwie niemanden gefunden, der´s machen wollte, also nahm man halt den rundlichen Töffel, der zwar im Kinderfernsehen bei „Eins, Zwei oder Drei“ ganz gut reinpasst, bei einer großen Show am Samstagabend aber doch reichlich Fehl am Platz und überfordert wirkte.

Was mich ja wundert: Die Show heißt „Schlag den Star“, aber es treten zwei „Stars“ gegeneinander an. Okay… irgendein Star wird da dann zwangsläufig geschlagen aber so ganz korrekt kommt mir das nicht vor.
Und überhaupt… Warum halten es die Fernsehchefs aller Sender in den letzten Jahren für eine gute Idee Gameshows nur noch mit Leuten zu besetzen, die eh schon prominent sind?
Das mag einmal im Halbjahr beim Promi-Special von „Wer wird Millionär?“ funktionieren, aber ich schaue mir doch nicht ein 5-Stunden-Show-Monster wie „Schlag den Star“ an, nur um am Ende mitzufiebern, ob nun Star A oder Star B die 100.000 Euro Preisgeld an einen wohltätigen Zweck spenden darf. Es mag vielleicht ein Detail sein, aber ich finds spannender, wenn da ein „Typ von Nebenan“(TM) um eine Geldsumme spielt, die sein Leben verändern könnte und dementsprechend mit Feuereifer dabei ist, als wenn zwei routinierte Promis da gekonnt ihren Parkours abreissen.
Zugegeben: Auch so manche „Schlag den Raab“-Sendung war sterbenslangweilig, wenn schnell klar war, dass der Show-Berserker dem Kandidaten haushoch überlegen war, aber das gleiche kann bei „Schlag den Star“ ja auch passieren. Aber dann gehts da halt obendrein auch für niemanden um nix.

Und auch in der einen oder anderen Quizshow auf den öffentlich-rechtlichen Sendern, die gern von den Hirschhausens und Pflaumes dieser Welt moderiert werden, sowie bei „5 gegen Jauch“ sitzen mittlerweile ausschließlich medienbekannte Gesichter auf den Kandidaten-Stühlen. Warum?
Ich erinnere mich noch gut an die charmante kleine Quiz-Show „Quiz-Taxi“, bei der nichtsahnende Passante in ein Taxi stiegen und auf ihrem Weg Fragen beantworten und am Ende mit 300 Euro mehr in der Tasche ihren Weg fortsetzen durften. Für mich hat die Show gut funktioniert und war sehr unterhaltsam, aber warum war das so? Weil die Kandidaten echt waren und echte Freude über vergleichsweise kleine Beträge gezeigt haben. Man braucht also keine Millionengewinne und prominente Nasen, um gut zu unterhalten.


Rückkupplung

Gerade habe ich mich über „Schwiegertochter gesucht“ ausgelassen und habe mich im Zuge dessen gefragt, warum in aktuellen Kuppel-Shows entweder nur die extrem seltsamen, teils sozial-inkompetenten „Freaks“ an den Mann bzw. die Frau gebracht werden, oder man die Männer und Frauen nach Bachelor-Art in schicke Fummel steckt, sie allerlei tolle Dates haben lässt und sie in so einer Art Gangbang-Hütte unterbringt, wo sie sich dann kräftig betrinken, um dann quotenträchtig herumzuknutschen und im besten Fall zu kopulieren.

Dabei ist das Thema Liebe und Dating doch ansich eigentlich schon spannend genug, oder nicht? Wärs nicht mal eine Idee, einfach mal eine Dating-Show mit (SHOCKING!) ganz normalen Leuten in ganz normalen Situationen zu produzieren? Man könnte z.B. eine Gruppe von 10 Männern und 10 Frauen casten, die alle grob im gleichen Alter sind und aus der gleichen Stadt kommen und die lässt man dann munter hin und her und kreuz und quer daten. „Das perfekte Candle-Light-Dinner“ sozusagen. Und vielleicht lässt man sich dann mal ein wenig mehr Zeit, als die übliche „Hof-Woche“ und begleitet die Kandidaten vielleicht über den Zeitraum eines halben Jahres, um zu gucken, obs was wird, oder eben nicht. Dabei lässt man sie dann allerlei Dinge tun, die man bei Dates eben so macht… Café trinken, Essen gehen, Spaziergang… sowas eben. Kein Bungie mit dem Bachelor.
Vielleicht wäre das irre langweilig, aber ich könnte mir vorstellen, dass sowas deutlich authentischer und charmanter daherkommt, als alle dieser durchchoreografierten Pseudo-Reality-Soaps zusammen.

 

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About Uebelator

Filmfan, Videospieler, Nerd.

3 responses to “Gedanken am Dienstag”

  1. franziska-t says :

    Zu Böhmermann: Ja, ich kann es auch nicht mehr hören. Keine Ahnung, warum das so aufgebauscht wird. Als gäbe es keine wichtigeren Dinge über die man berichten könnte (Flüchtlingskrise, TTIP…).

    Gefällt 1 Person

    • Uebelator says :

      Das eigentlich gruselige daran ist ja, dass es bei dieser ganzen „Affäre“ überhaupt nicht um Böhmermann und sein pubertäres Gedicht geht, sondern lediglich um eine Machtdemonstration Erdogans gegenüber Frau Merkel.

      Gefällt 1 Person

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