Nichts, was es nicht gibt

Herzlich willkommen zum vermutlich irrelevantesten Beitrag, den ich auf diesem Blog bislang geschrieben habe. Bitte sucht nicht nach einem roten Faden, dem allseits beliebten Punkt zu dem alle immer gern kommen wollen oder einem abschließenden Fazit.
Wenn es in diesem Beitrag so etwas gibt, dann ist es „Das Internet ist komisch“. Und dieser Beitrag ist das beste Beispiel dafür.

Viel Vergnügen. Oder sowas.

Das Internet ist schon ein komischer Ort, bei dem ich mir nicht so ganz sicher bin, ob ich dort wirklich einen Urlaub buchen würde. Denn nirgends liegen Faszination und Abscheu, Begeisterung und Enttäuschung und Liebe und Hass so eng beieinander wie im Netz der unbegrenzten (Un)Möglichkeiten.

Als so genannter User – ein Begriff der Seit TRON irgendwie viel cooler klingt als er eigentlich ist – habe ich mehr und mehr den Eindruck, nachvollziehen zu können, wie sich Alfred Nobel gefühlt haben muss, der eigentlich nur mal eben schnell den Umgang mit hochgefährlichem Nitroglyzerin sicherer machen wollte und dabei das Dynamit erfand, wofür sich die Militärentscheider der Welt noch heute recht herzlich bedanken.

Nicht dass, ich mich auch nur im Ansatz mit der geistigen Größe des Wissenschaftspreis-Stifters messen wollen würde, aber dieses Gefühl mit irgendetwas einigermaßen unbedarft herum zu experimentieren und dann zu sehen, was etliche andere Leute für komische, teils illegale und gefährliche damit Dinge machen, ist schon seltsam.

Für jeden guten Ratschlag, den ein Teenager im Internet bekommt, scheint es 5 zu geben die online gemobbt werden. Für jeden arabischen Frühling (der ja im Resultat wohl doch nicht ganz so frühlingshaft war, wie man das gehofft hätte), gibt es 10 Diktatoren, die das Internet zu Propagandazwecken nutzen oder es lieber gleich ganz verbieten.
Und in jeder netten Forumsdiskussion gibt es mindestens immer einen Troll.

Auf der einen Seite finde ich das Internet großartig, denn es bietet mir und vielen anderen Leuten die Möglichkeit sich z.B. auf Blogs wie diesem hier mitzuteilen und auszutauschen und ich finde es immernoch erstaunlich, dass es Leute gibt, die meinen Blog tatsächlich abonniert haben. (Gäbe es einen Emoji, der sich eine gerührte Träne aus dem Auge wischt, ich würde ihn jetzt benutzen) Aber im Zuge meiner Blogger-Aktivität komme ich natürlich nicht um die sogenannten sozialen Medien (die teilweise ganz schön asozial sind) wie facebook herum. Und was man da so liest, finde ich teilweise echt verblüffend.

Da gibt es Politikerinnen von der einen oder anderen, eher am rechten Rand angesiedelten, Partei, die sich mit ihren Posts fleissig selbst demontieren und trotzdem immernoch Leute haben, die „Hurra“ und „Gut gemacht“ schreiben, es gibt Hamster mit eigenem Profil, für die Leute scheinbar den ganzen Tag posten, was sie gerade so machen (oder es handelt sich um einen speziell gezüchteten Zuckerberg-Hamster (Cricetinae Zuckerbergensis) , der facebook selbst bedienen kann.) und es gibt jede Menge Fans und Hater von so ziemlich allem, was es so gibt. (In diesem Zusammenhang werde ich gleich mal gucken, ob es auch Hater gibt, die Hater haten. Und Leute, die davon Fans sind.)

Da ich nunmal viel über Filme schreibe, habe ich natürlich viel mit Filmfans und Cineasten zu tun und die können – wie vermutlich alle Fans der Welt – schon ganz schön speziell sein.

Erwachsene Männer posten haufenweise Fotos ihrer Armeen von Spielzeug-Merchandising-Figuren, die sie in detailliert ausgearbeiteten Dioramen Schlachten ausfechten lassen. Andere lackieren Spielzeug-Raumschiffe um, arbeiten Details heraus und machen aus einfachen Plastik-Teilchen Modelle, die so aussehen, als wären sie Requisiten direkt aus den Filmen. Wohnzimmer sehen dank etlicher Poster, Vitrinen und der Mega-BluRay-Sammlung aus wie Schreine zu Ehren der geliebten Filme. Nicht immer schön, aber auf jeden Fall individuell.
Ich muss ehrlich sagen, dass ich das nicht ganz nachvollziehen kann, aber ich finds toll, wenn jemand so viel Enthusiasmus aufbringt und sich so in irgendetwas reinhängt und darin aufgeht. Solange denn dann auch andere Meinungen akzeptiert werden.

Ich habe zum Beispiel eine Weile drüber nachgedacht, ob ich wirklich meine doch eher kritischen Rezensionen der Star Wars-Filme in einer Star Wars Fan-Gruppe auf facebook posten soll. Ich habs dann letztlich gemacht und bin schonmal in Deckung gegangen, um dem drohenden Shitstorm auszuweichen, aber der kam lobenswerterweise nicht.

Sicher, ein paar kritische Kommentare gab es schon, aber mir wurde weder mit Mord gedroht,  noch spürte ich Darth Vaders Machtgriff am Hals.

Apropos Star Wars… Gestern wurde der ganz schicke Teaser zum neuen Film „Rogue One“ veröffentlicht und jeder und seine Mutter fühlten sich irgendwie berufen, den Link zum Trailer auf facebook zu posten, so dass die Startseite für gefühlte 6 Stunden ausschließlich einen Beitrag enthielt. Den aber 10.000 Mal. Erstaunlich.

Und um jetzt mal volles Rohr mit dem Strom zu schwimmen, mache ich jetzt das:

Das habt ihr jetzt davon! 😉

Ich bin nun wirklich kein Feminist, denn mit -isten hab ichs (mit Ausnahme von Pazifisten) eher nicht so, aber meine Fresse… es gibt doch ernsthaft Leute die nach der Sichtung des Trailers meinten: „Schon wieder eine Frau als Hauptcharakter? Hmm… kommt mir vor wie Rey. Hoffen, die machen nicht wieder das Gleiche.“

Echt jetzt?

Eine Frau als Heldin?

Nee, das kann man auf keinen Fall zweimal machen.

Also… Man kann „Force Awakens“ vorwerfen, dass der Film zu viele Elemente von „A New Hope“ enthielt.
Aber von der Tatsache, dass es eine weibliche Protagonistin (ja, ich weiß… Protagonistinnen sind in der Regel weiblich, aber ich wollts nochmal betonen) gibt, abzuleiten, dass der Film vermutlich wieder genauso wird, wie „Force Awakens“? Das ist so als würde man sagen „Good Morning, Vietnam“ ist eigentlich genau der gleiche Film wie „Full Metal Jacket“, denn beide Filme spielen in Vietnam und haben einen männlichen Hauptdarsteller. Langweilig!!!

Naja… eine Sache, die ich bei facebook vermutlich nie verstehen werde ist, das wahllose Posten von Fotos.
Wenn es die eigenen Fotos sind, um den Freunden und Herrn Zuckerberg zu zeigen, wo man so im Urlaub war, und wie lustig das damals war, als wir nach dem Eimer Sangria  vollkommen besoffen an die Mauer vom Polizeirevier gepinkelt haben und die Nacht daraufhin im Knast verbracht haben, dann kann ich das ja noch verstehen…
Aber gerade unter Filmfans ist es offenbar Brauch, irgendwelche Screenshots aus dem Film zu posten. Ohne Kommentar. Einfach so. Und dann wird da drüber diskutiert. Seitenweise. Verrückt. 🙂

Auch so ein Thema im Zusammenhang mit meinem Blog ist „Google“. Jeder möchte gern gefunden werden, denn das bedeutet Leser und auch wenn wir Blogger gern mal beteuern, dass uns das Schreiben so viel Spaß macht und dass wir das alles auch machen würden, wenn es niemand lesen würde, sind wir im Grunde unserer Herzen doch alle hinter den Lesern her und freuen uns wie bekloppt über jeden Aufruf unserer Seite.

Und aus diesem Grunde überlege ich mir schon öfters mal, was ich hier schreiben könnte und was Euch interessieren kann. Aber ganz ehrlich: Ich glaube das bringt gar nichts.

Ich hab aktuelle Kritiken, z.B. zur durchaus erfolgreichen Netflix-Serie „Jessica Jones“ geschrieben, weil ich dachte, das Interesse daran ist vermutlich groß.
Es mag an der Qualität meiner Rezensionen liegen, aber gelesen wurde der Beitrag von sensationellen 13 Leuten. Hat also super geklappt.

Und wisst ihr, was der Suchbegriff ist, mit dem meine Seite am häufigsten gefunden wird?

„Bob, die Bahn.“

Macht euch also schonmal bereit für meinen effekthascherischen Beitrag mit dem schönen Titel „100.000 Besucher am Tag? So gehts!“, in dem ich auf die Vorzüge der journalistischen Aufarbeitung schlecht animierter Kinderserien und den positiven Effekt den diese auf SEO haben kann, eingehen werde.

So… und jetzt verliere ich mich wieder in den weiten des Internets und gucke mir ein paar Bilder von Katzenbabies mit lustigen Kommentaren an. Oder einen Porno. Oder beides.

Oder ich arbeite weiter an meinem großen Plan fürs große Geld und bringe endlich meine Seite „Furniture Fetish“ online, eine Porno-Sete für Möbelfetischisten.  Denn wenn es Leute gibt, die den Eiffelturm heiraten, gibt es doch bestimmt auch Möbelfetischisten, oder? Und die sind – soweit ich informiert bin als Zielgruppe noch vollkommen unterversorgt. Dazu muss ich nur noch ein paar scharfe schwedische Sitzsäcke besorgen, die sich dann lustvoll zum Sitzgruppen-Sex tummeln, während Billy das Regal zusieht. Das Ganze dann fotografiert oder noch besser per Webcam live ins Netz gestreamed und ich bin mir sicher, dass ich nullkommanix reich bin.

Die tollste Geschäftsidee aus diesem Bereich, die aber leider schon andere hatten, ist ja die „Moneybitch“, eine Frau, die sich von Männern Geld überweisen lässt, weil diese eben drauf stehen, ihr das Geld zu geben. Und das wars schon… die Frau wird dafür bezahlt, dass sie das Geld der Männer nimmt. Und die findens super. Genial.

Schon toll, dieses Internet.

 

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About Uebelator

Filmfan, Videospieler, Nerd.

5 responses to “Nichts, was es nicht gibt”

  1. franziska-t says :

    Zu STAR WARS: Nachdem mich das STAR WARS-Universum (ähnlich wie das STAR TREK Universum) nur pärifär tangiert, ist mir völlig schnurz, wer da jetzt die Hauptrolle spielt. Man muss keine Feministin (mag den Begriff nicht, das klingt so militant) sein um das eine gute Entwicklung zu finden. Wochenlang wird darüber diskutiert, dass man mehr Minderheiten (und Frauen als Heldinnen zähle ich einfach mal diese Kategorie) in die Filme integrieren müsste und dass die Schauspielerinnen mal genauso viel bezahlt bekommen wie ihre männlichen Kollegen und dann so eine Diskussion. How is this still a thing? (https://www.youtube.com/watch?v=sDCRhTSUaLA&feature=youtu.be&t=3m29s)

    Zu der Leserschaft eines Blogs: Also mir ist es wirklich egal, ob meine Beiträge gelesen werden oder nicht, weil ich sie so oder so schreiben würde. Allerdings sind Likes und Kommentare immer gut für’s Ego. 😉 Daher versuche ich auch dann und wann bei anderen Blogs Kommentare zu hinterlassen – wie jetzt grade. Zu JESSICA JONES würde ich jetzt einfach mal die Theorie aufstellen, dass halt nicht alle Leute Netflix haben und deshalb auch weniger interessiert sind. Ist aber nur eine Theorie…

    Gefällt 2 Personen

  2. Joseph says :

    Das Problem mit der Kritiker-vs-Fanboy-Dynamik ist, dass wir uns alle selbst bestätigt haben möchten. Wenn ich Star-Wars-Figuren in meinem Regal zu stehen habe und in einer Fangruppe auf Facebook bin, dann fühlt sich eine negative Kritik wie ein Angriff gegen meine eigene Persönlichkeit, mein eigenes Weltbild an. Durch die Weite des Internets kann ich mir aussuchen, welche Perspektiven ich mir geben und welche ich lieber ignorieren möchte – bis irgendeiner mit ner anderen Perspektive ebenfalls daherkommt und mir meine schöne kleine Meinungs-Echokammer kaputt macht. Als jemand mit Star-Wars-Figuren im Regal versuche ich mich nach dem Kredo des Dudes zu richten: „That’s just like, your opinion, man“.

    Ich finde es ganz spannend, dass die Menschheit seit über 20 Jahren flächendeckenden Zugang zu dieser Science-Fiction-Erfindung hat, mit der jedermann jederzeit auf das kollektive Wissen dieser und aller vergangenen Generationen zugreifen kann – und wir nutzen es hauptsächlich für Witzbilder, Pornos und Selbstdarstellung. Das sagt doch nix gutes über uns als Spezies aus, oder?

    Gefällt 3 Personen

    • Uebelator says :

      Okay, es ist mehr so „Das gesammelte Wissen der Menschheit, so wie es in Wikipedia steht.“. 😉 Aber ich weiss, was Du meinst. hätte man den Leuten vor 100 Jahren vom Internet erzählt, hätten sie vermutlich gedacht, dass jeder plötzlich gebildet ist, weil er auf alles Wissen zugreife kann, dass die ganze Welt zusammenrückt, weil jeder mit jedem kommunizieren kann und dass alles viel demokratischer wird, weil jeder ein Sprachrohr hat, um seine Meinung zu sagen.

      Ja…

      Hat nicht so geklappt…

      Stattdessen verblöden wir, weil wir alles googlen, anstatt selbst nachzudenken, vereinsamen wir, weil wir nicht mehr rausgehen müssen um uns mit Leuten zu „treffen“. Und wir werden durch die Vernetzung von allem immer gläserner und überwachter, was für eine Demokratie ja jetzt nicht sooo der Kracher ist. 😉

      Aber klar, Pornos gucken, Essen bestellen, witzige Bilder gucken… Am Ende des Tages sind wir halt doch nur haarlose Affen. 😉

      Gefällt 2 Personen

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