Kritik: Iron Sky

In Bautzen brennt das Dach eines Flüchtlingsheimes, in Dresden skandieren Demonstranten Parolen wie „Volksverräter“ und in Amerika macht sich ein populistischer Millionär mit schlecht sitzender Fönfrisur und einer Hetzkampagne gegen alles was irgendwie fremd ist auf den Weg zum Präsidentenamt.

Man könnte fast meinen, die Nazis hätten da ihre braunen Finger im Spiel.

Und dass die heutzutage hinterm Mond leben, ist ja auch kein Geheimnis.

Mond-Nazis auf dem Weg zur Weltherrschaft

Mit relativ schmalen Budget und einiger Unterstützung durch Crowdfunding hat der finnische Regisseur Timo Vourensola mit „Iron Sky“ ein trashiges B-Movie aller erste Güte abgeliefert.

Die Geschichte ist dabei komplett absurd, spart aber nicht mit etlichen Anspielungen auf die aktuelle (bzw. die im Jahre 2012 aktuelle) Politik.

Nachdem der zweite Weltkrieg für die Nazis ja bekanntlich nicht so besonders gut gelaufen ist, haben sich die stechschritt-gestählten Arier auf die dunkle (braune) Seite des Mondes geflüchtet und dort eine neue, reine Gesellschaft aufgebaut. Aber natürlich planen sie mit einer Armee von Reichsflugscheiben und einer Superwaffe, die sie „Götterdämmerung“ nennen, die Erde zurück zu erobern.

Als 2018 eine weitere amerikanische Mond-Mission auf unserem Trabanten landet, die vornehmlich eine PR-Aktion zur Wiederwahl der amerikanischen Präsidentin ist (die frappierend an Sarah Palin erinnert), stoßen die Astronauten auf die Nazis und der afro-amerikanische Astronaut Washington wird gefangen genommen.

Die Nazis zeigen sich beeindruckt von der Technologie in Washingtons Smartphone und scheinbar ist ein Gerät mit solch einer Rechenleistung genau das, was sie noch brauchen, um ihre Götterdämmerung-Superwaffe in Betrieb zu nehmen. Blöderweise ist es aber wie mit allen Handies… Wenn man sie mal braucht ist der Akku leer. Und so machen sich ein Haufen Nazis, angeführt vom SS-Heini Klaus Adler in Begleitung eines arifizierten und damit mittlerweile hellhäutigen und blonden Washington auf den Weg zur Erde, um noch ein Smartphone zu besorgen.

Dabei treffen sie auf die skrupellose PR-Beraterin der Präsidentin, die die Nazi-Parolen und verqueren Weltansichten direkt für ihre Kampagne nutzt, was natürlich super klappt.

Aber der Countdown für die Invasion der Erde läuft.

Eisen, Stahl und Quatsch mit Soße.

„Iron Sky“ ist großer Quatsch. Aber Quatsch der aufgrund seiner vollkommenen Absurdität tatsächlich Spaß macht. In erster Linie ist es ein Unterhaltungsfilm und keine ernstzunehmende politische Satire, auch wenn es viele Anspielungen auf die Weltpolitik und vor allem auf das amerikanische Wahlkampfgehabe gibt. Der Film spielt mit so ziemlich allen Nazi-Klischees, die es so gibt und verwebt allerlei Mythen und Verschwörungstheorien rund um die rechtslastigen Rüpel zu einem großen Ganzen.

Stellenweise hatte ich das Gefühl, der Film weiß nicht so recht, wohin mit sich. Will man nun ein Invasions-Film á la Independence Day sein? Oder lieber eine absurde Geschichte über ein Trupp von Nazis, die in der heutigen Welt unterwegs sind? Oder am Ende doch ein Kommentar zur Weltpolitik?

„Iron Sky“ ist letztlich ein wenig von allem, aber nichts davon so richtig konsequent und kommt daher relativ holprig daher. Da hilft dann auch nicht das teils ziemlich aufgesetzte Drehbuch, oder die maue Schauspielleistung von Washington.

Sei´s drum. Niemand erwartet bei „Iron Sky“ oscarreife Schauspielerei. Udo Kier und Götz Otto als größere Namen machen jedoch einen ganz guten Job und Julia Dietze hab ich hier tatsächlich das erste Mal überhaupt bemerkt und fand sie gut.

Ganz interessant fand ich, dass sämtliche Szenen auf der Nazi-Mond-Basis in entsättigten Farben gezeigt wurden mit so einer seltsamen Stahl-und-Scheiß-Ästhetik das Gefühl von Propaganda-Filmen aus dem dritten Reich nachempfanden.

Generell haben mir die Spezial-Effekte – von den Zeppelin-Raumschiffen bis hin zur Hakenkreuzoptik der Mondbasis ganz gut gefallen und man sah dem Film nur an wenigen Stellen sein doch recht kleines Budget an.

Fazit:
Auch wenn der Humor letztlich nicht so hundertprozentig mein Fall war, hat mich „Iron Sky“ trotzdem prima unterhalten. Mit Sicherheit ist dieser Film nicht jedermann Sache und ich kann mir gut vorstellen, dass es viele Leute gibt, die damit gar nichts anfangen können. Aber so ist das eben mit Trash.

 

Trailer: © polyband Medien GmbH, All rights reserved

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About Uebelator

Filmfan, Videospieler, Nerd.

8 responses to “Kritik: Iron Sky”

  1. Filmschrott says :

    Fand den alles andere als unterhaltsam. Der Film hat das gleiche Problem, das jeder Trashfilm heutzutage hat: Es ist alles zu sehr gewollt. Man sieht dem Film zu sehr an, dass es eben Trash sein soll. Und das funktioniert bei mir einfach auf keiner Ebene. Die Gags zünden überhaupt nicht, die absurde Geschichte ist einfach nur absurd und sonst nix. Dazu kommt dann noch, dass so ein Film eine Halbwertszeit von ungefähr 3 Tagen hat. Wie du ja sagst, zieht man (auf schlechte Art und Weise) die damalige Politik durch den Kakao. Nur ist die Politik dann auch irgendwann überholt und keine Sau weiß mehr, wer eigentlich Sarah Palin noch mal war.
    Demnächst soll ja auch noch ein zweiter Teil kommen, mit Nazis die auf Dinosauriern reiten und so nem Quatsch. Das ist einfach alles zu gewollt Over The Top, um noch wirklich als guter Trash durchzugehen. Ich finds extrem langweilig.

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    • Uebelator says :

      Ja, der Film ist auf jeden Fall Geschmackssache. Auf BluRay zulegen muss man sich das Teil in meine Augen auch absolut nicht und der Kultstatus, den er gern hätte sehe ich auch nicht wirklich.
      Aber ich hatte totalen Schrott wie Sharknado erwartet und war dann doch positiv überrascht, dass ich nicht das Bedürnis hatte, Iron Sky vorzeitig auszumachen.

      Die Sache mit der Halbwertzeit kann ich nachvollziehen, aber das ist doch irgendwie mit allen Filmen so, die orgendwie einen Kommentar zur aktuellen politischen Situation abgeben, oder nicht? Klar… Sarah Palin ist jetzt als politische Gestalt nicht wichtig genug, als dass man sich auch in Jahren noch an sie erinnern wird, aber auch ohne diese Referenz funktioniert der Film in meine Augen noch.

      Einen zweiten Teil hätte es aber jetzt nicht gebraucht.

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      • Filmschrott says :

        Tja, für mich ist das hier klar auf einem Level mit Sharknado und Co. Einfach hirnloser Over The Top Quark, der komplett daran scheitert irgndwie lustig oder unterhaltsam zu sein. Dieser „New Trash“, wie ich es gerne nenne, ist einfach nix für mich.
        Ja, mit der Halbwertszeit hast du natürlich recht. Mir ging es auch eher darum, dass man das in so einem Film nicht braucht. Man hat ja mit den Nazis eigentlich DAS politische Ding schon drin. Wozu dann noch so einen Schwachsinn reinbauen, der auch nciht lustig ist, dazu dann aber auch in 3 Wochen veraltet ist. Das geht ja schon mal generell am Kult-Gedanken vorbei. Dafür braucht man schon was zeitloseres als eine schlechte Palin-Parodie.

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      • Uebelator says :

        Ja, das stimmt… Die Nazis hätten grundsätzlich gereicht. Das meinste ich damit, dass der Film nicht so recht weiß, was er eigentlich sein will… Ich glaube, wenn man einfach eine Art Independence Day mit nazis statt Aliens gemacht hätte, wärs vielleicht besser gewesen.

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      • Filmschrott says :

        Unter Umständen ja. Wobei der Humor trotzdem nicht gezündet hätte bei mir.

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      • Uebelator says :

        Ja, der Amerikaner hätte wohl so eine Art Eddie Murphy-Verschnitt sein sollen, aber das hat kleider echt nicht geklappt und vieles wirkte fürchterlich aufgesetzt.

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      • Filmschrott says :

        Eben. Weniger ist da halt manchmal mehr. Wenn man ohnehin schon so abstruse Storys hat wie hier oder bei Sharknado ist das eigentlich ein Selbstläufer. Da braucht man sich gar keine aufgestzten Gags mehr aus den Rippen zu schneiden.

        Gefällt 1 Person

      • Uebelator says :

        Absolut. Da braucht es eigentlich nicht noch extra geschrieben Witze.

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