Kritik: Alles steht Kopf

Als mir neulich beim Mensch-Ärger-Dich-Nicht spielen zum wiederholten Male, meine sorgsam vorangetriebene grüne Spielfigur kurz vor der rettenden Heimat weggeklaut wurde, knirschte ich heftig mit den Zähnen und verspürte das dringende Bedürfnis, meinem Mitspieler eine reinzuhauen.

Warum hab ich es aber nicht getan?

Disney hat die Erklärung dafür!

In meinem Kopf gibt es einen kleinen roten Zwerg mit brennendem Kopf, der sich selbst „Wut“ nennt und heftig auf einen Knopf in der Schaltzentrale meines Hirn hämmert, damit ich mal kräftig ausraste. Bevor ich jedoch gewalttätig wurde, hat glücklicherweise noch eine grüne Dame namens „Ekel“ eingegriffen, die es nicht so gut fand, wenn ich mich und das Spielbrett mit Blut vollsaue (vermutlich meinem eigenen) und hat mich daher dazu veranlasst wieder herunter zu fahren.

Hier kommt nun mit „Alles steht Kopf“ der nächste Film aus dem Hause Disney Pixar. Dort stellte man sich bereits folgende schwer wiegenden Fragen:

Was wäre, wenn Spielzeuge Gefühle hätten?
Was wäre, wenn Käfer Gefühle hätten?
Was wäre, wenn Fische Gefühle hätten?
Was wäre, wenn Autos Gefühle hätten?
Was wäre, wenn Roboter Gefühle hätten?

Und nun kommt die wichtigste aller Fragen:
Was wäre, wenn Gefühle Gefühle hätten?

Die Handlung:
„Alles steht Kopf“ spielt im Grunde auf 2 Ebenen. Da ist zum einen die Geschichte um Riley, ein 11jähriges Mädchen, das mit ihren Eltern von Minnesota nach San Francisco umziehen und damit ihr vertrautes Umfeld hinter sich lassen musste. Sie versucht eigentlich das Beste draus zu machen, aber natürlich ist sie traurig und nicht begeistert, ihre Freunde und alles was sie so mochte zu verlassen. Dazu kommt, das sie in einem Alter ist, in dem sie so langsam aber sicher ein Teenager wird, was gefühlsmäßig auch nicht gerade einfach ist.

Als sie sich nicht mehr von ihren Eltern verstanden fühlt, beschließt sie auf eigene Faust nach Minnesota zurück zu kehren und läuft von Zuhause weg.

Die eigentliche Handlung spielt sich aber in ihrem Kopf ab und die Protagonistin ist „Freude“, ein blauhaariges Gefühl in Rileys Kopf. Während ihrer gesamten Kindheit war Freude das vornehmliche Gefühl in Rileys Leben, aber je älter sie wird, desto mehr mischen Freudes Gefühls-Kollegen Ekel, Wut, Kummer und Furcht im Alltag mit.
Richtig turbulent wird es, als Freude und Kummer während einer kleineren Auseinandersetzung aus der Kommandozentral rausfliegen und irgendwo in Rileys Langzeitgedächtnis landen. Sie müssen sich nun also ihren Weg wieder zurück bahnen, damit Rileys wieder fröhlich und traurig sein kann.

Das klingt jetzt irrsinnig kompliziert und psychologisch tiefgründig, ist aber pixartypisch kindgerecht verpackt und für meinen Geschmack sogar ein wenig zu flach.

Generell scheint mir die Story doch ziemlich bekannt und etwas zu formelhaft. Wie schon bei Toy Story geht es hier um das Ende der Kindheit und um einen Helden, der um die weniger werdende Aufmerksamkeit des älter werdenden Kindes buhlt. Schließlich wird der Held zusammen mit dem ärgsten Konkurrenten aus der gewohnten Umgebung gerissen und sie machen sich dann auf den Rückweg, um am Ende einzusehen, dass es für sie beide einen Platz im Leben des Kindes gibt.

Die Charaktere:
Die Gefühle sind witzig und gut umgesetzt, wenngleich die ewig optimistische Freude einem schon manchmal etwas auf den Keks gehen kann und die Nebendarsteller-Gefühle Furcht, Ekel und Wut irgendwie nicht so nett verschroben sind, wie die Spielzeuge aus Toy Story und damit wohl nicht sonderlich lange im Gedächtnis bleiben werden. Heimlicher Held des Films ist für mich BingBong, der tragikomische, imaginäre Freund von Riley – eine rosa Mischung aus Elefant, Katze und Delfin – dem Freude und Kummer in ihrem Langzeitgedächtnis begegnen. Er wünscht sich die Zeit mit Riely zurück und hat große Angst, dass sie ihn eines Tages ganz vergisst.

Der Look:
Pixar hat einen super Job gemacht, Rileys Psyche in Bilder zu verpacken, die auch Kinder verstehen können. Sehr phantasievoll und optisch interessant, bietet „Alles steht Kopf“ einiges fürs Auge.

Fazit:
„Alles steht Kopf“ ist ein guter Film. Er macht Spaß und Pixar beherrscht es einfach witzig zu sein und im richtigen Moment auf die Tränendrüse zu drücken. Trotzdem bleibt bei mir am Ende das Gefühl, das alles irgendwie schonmal gesehen zu haben. So wird Pixars neuestes Werk bei mir wohl vermutlich wohl nicht so lange im Kopf bleiben, wie andere Filme aus diesem Hause.

Trailer: © WALT DISNEY STUDIOS MOTION PICTURES. All Rights Reserved.

„Alles steht Kopf“ gibt´s auch bei Amazon:

 

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4 responses to “Kritik: Alles steht Kopf”

  1. elizzy91 says :

    Ich liebe diesen Film! 😀

    Gefällt 1 Person

  2. franziska-t says :

    Wenn ALLES STEHT KOPF am Sonntag keinen Oscar als bester Animationsfilm gewinnt, dann wird mein rotes Wut-Teilchen sicherlich ausflippen. 😉

    Gefällt 2 Personen

  3. Uebelator says :

    Danke schön für Deinen Link, Filmexe!

    Gefällt mir

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  1. Kritik: Alles steht Kopf | filmexe - 24. Februar 2016

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