Kritik: The Amazing Spiderman

Neulich hab ich mir eine leckere Lasagne gekocht. Die war wirklich gut. Schmackhaft, tomatig, gehaltvoll… Doch einen Tag später war ich bei Freunden zu Gast und die machten auch Lasagne. Eine wirklich gute. Aber – auch wenns vielleicht ungerecht war – so richtig wertschätzen konnte ich sie nicht, denn schließlich hatte ich ja quasi noch den Geschmack meiner eigenen Lasagne auf der Zunge.

Und genauso verhält es sich bei mir mit „The Amazing Spiderman“.

Ja, nach dem verwurschtelten dritten Teil inkl. Emo-Dancing-Peter Parker und einem Venom, der weit hinter allen Erwartungen zurück blieb, wars sicherlich eine gute Idee, die Serie mal neu aufzulegen. (Obwohl ich normalerweise kein Fan des Reboot-Wahnsinns bin.)

Nun versuchte sich Sony also mit Andrew Garfield in der Hauptrolle und Marc Webb (geiler Name, um bei Spiderman Regie zu führen!) auf dem Regiestuhl an einer Neuauflage. Ob es gelungen ist, das Süppchen rund um den Spinnenmann neu aufzukochen? Mal sehen.

Die Handlung:
Die Eltern des kleinen Peter Parker waren scheinbar Wissenschaftler bei Oscorp, der großen, bösen Mega-Firma im Spiderman-Universum. Papa Parker hat dabei irgendwas wichtiges entdeckt oder erfunden und hielt das im Nachhinein aber für zu gefährlich und brannte mit den Daten durch. Die Oscorp-Leute waren dann natürlich hinter ihm her und so blieb ihm nichts anderes übrig, als den kleinen Peter bei seiner Tante und dem Onkel zu parken (pun intended) und sich selbst aus dem Staub zu machen.

Fortan wuchs Peter als bei seiner Tante May und seinem Onkel Ben auf und von seinen Eltern wurde nie wieder gehört, was ihn ziemlich belastet.

Als Teenager entdeckt Peter im Keller die alte Aktentasche von seinem Papa, in der tatsächlich noch irgendwelche Forschungsunterlagen sind, die ihn schließlich auf die Spur von Dr. Curt Connors führen, einem Wissenschaftler, der mit seinem Vater zusammengearbeitet hat. Der einarmige Connors, arbeitet noch immer bei Oscorp und Peter schleicht sich als vermeintlicher Praktikant ein und trifft hier auch seine Mitschülerin Gwen Stacy, die scheinbar einen Nebenjob hat und für den Doktor arbeitet.

Dieser ist Experte auf dem Gebiet der artübergreifenden Genetik und versucht – da er ja selbst nur einen Arm hat – die DNA von Mensch und Eidechse zu kreuzen, damit man verlorene Gliedmaßen einfach regenerieren kann.

Auf seinem Weg durch die Labors von Oscorp, in denen scheinbar trotz zahlreicher Praktikanten selbst geheimste Forschungen nicht durch einen einzigen Sicherheitsmann oder ein simples Zahlenschloss an einer Tür gesichert sind, landet Peter schließlich in einem Raum mit lauter genetisch veränderten Spinnen, von denen eine ihn natürlich beißt und er seine Superkräfte bekommt.

Ich sags mal an dieser Stelle:

Wenn ich noch einmal die Entstehungsgeschichte von Spiderman in einem Kinofilm sehen muss (das nächste Reboot ist ja schließlich schon geplant), werde ich selber zum Hulk.

„The Amazing Spiderman“ macht das ja gar nicht schlecht, aber wir kennen das halt alles schon und so fühlt sich die erste knappe Stunde ein wenig nach Pflichtprogramm an, das man eben runterspulen muss, bis man endlich zu dem kommen kann, was neu ist.

Wie dem auch sei… Peter und Gwen kommen sich langsam näher, er entdeckt immer mehr seine Spinnenkräfte und beginnt diese zu nutzen.

Natürlich, muss Onkle Ben noch dran glauben, woraufhin Peter sich sein erstes Kostüm schneidert (was die alles können, diese Superhelden) und einen Netz-Schuss-Gerät fürs Handgelenk baut. (Ganz nette Idee, das als technisches Gerät zu machen, so wie´s in den Comics teilweise war.)

Connors mutiert schließlich nach einem Experiment an sich selbst zu einem Eidechsenmann, aber immerhin hat er seinen Arm wieder. Ist ja auch schonmal was. Der Superschurke nebst finsterem Plan ist jedenfalls gefunden und der Bosskampf kann kommen.

Die Handlung von „The Amazing Spiderman“ ist okay für einen Superheldenfilm und trifft den Ton von Spiderman, wie man ihn aus den Comics oder der Zeichentrickserie kennt, ziemlich gut. Klar, darf man hier kein tiptop literarisches Kulturkino erwarten, aber als Superheldenblockbuster kann der Film auf jeden Fall was, wenn man mal davon absieht, dass viele Motive eben halt schon allzu bekannt sind.

Interessant hingegen finde ich den größeren Handlungsbogen um Peters Eltern, den Sony vermutlich über mehrere Serienteile hinweg spinnen möchte.

Die Charaktere:
Das ist vermutlich Geschmackssache, aber mir persönlich gefällt Andrew Garfield besser als Tobey Maguire. Letzterer war zwar zumindest im ersten Teil deutlich mehr Nerd und Loser als Garfield, der vielleicht einen Tick zu cool ist für die Rolle, aber ich mag diese komisch unbeholfene Art, die Garfield hat.
Emma Stone als Gwen Stacey ist der Burner und wenn ich 16 wäre, wäre ich vermutlich mega-verknallt. Vermutlich ist es keine besonders schwierige Rolle, aber die Chemie, die sie mit Garfield zusammen entwickelt ist toll und gibt dem Film ein großartiges emotionales Fundament.
Auch Sally Field als Tante May ist supergut besetzt und meinen Augen fast die perfekte Wahl.
Schade nur, dass Curt Connors ein wenig blass blieb.

Der Look:
Leider sieht der Lizard-Connors nicht so gut aus, wie er das eigentlich sollte, aber dafür ist Spidey umso besser getroffen. Das Kostüm sieht super aus und die Bewegungen sind flüssig und scheinen direkt aus den Comics zu kommen, ohne dabei jedoch vollkommen unrealistisch zu wirken.

Fazit:
„The Amazing Spiderman“ ist der kleine Bruder der „großen“ Serie von Raimi. Und wie das mit vielen kleinen Brüdern so ist, haben sie oft Schwierigkeiten aus dem Schatten ihrer Geschwister zu treten. Für sich genommen ist dieser Film ein guter, unterhaltsamer Einstieg ins Spider-Man Universum, der mit tollen Schauspielern und genau der richtigen Mischung aus Action, Humor, Romanze und Drama daherkommt. Leider wirkt eben vieles davon schon sehr bekannt, was das Vergnügen etwas schmälert. Ich freue mich aber trotzdem auf den nächsten Teil.

 

Trailer: © Sony Pictures Entertainment

 

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About Uebelator

Filmfan, Videospieler, Nerd.

4 responses to “Kritik: The Amazing Spiderman”

  1. gothupyourlife says :

    Ehrlich gesagt fand ich den Film eher schwach. Raimi hat Peters Charakter wesentlich besser herausgearbeitet, das war Spidey wie in den Comics und der alten Zeichentrickserie. Der neue Peter hat nichts von der Leichtigkeit und dem Witz des Charakters. Und statt unbeliebter Nerd mit Stärken und Schwächen wirkte er zeitweilig wie ein glattgelutschter Hipster, ohne Kanten.

    Gefällt 1 Person

    • Uebelator says :

      Leichtigkeit und Witz hatte der neue Peter in meinen Augen jede Menge. Vielleicht sogar etwas zu viel davon. Aber ich stimme Dir zu, dass Garfield zu gutaussehend und hip ist, im Vergleich zu Maguire.

      Gefällt mir

      • gothupyourlife says :

        Ich fühlte mich bei dem Reboot inszensierungstechnisch irgendwie an Nolans Dark Knight erinnert was für mich bei Spider Man nicht funktioniert, wahrscheinlich war es deshalb weniger leicht und witzig für mich.
        PS dein Avatar ist so was von groovy

        Gefällt 1 Person

      • Uebelator says :

        Echt? Die Nolan’sche Nummer hatte ich bei Amazing Spiderman so gar nicht im Kopf. Dazu war da viel zu viel Humor und Sonnenlicht. 😉 Aber okay, verglichen mit dem „Go web, go!“ vom Raimi-Spiderman, wars wohl schon etwas ernsthafter.

        Oh danke. Gimme some sugar, baby. *G*

        Gefällt mir

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