Empfehlung: Rollenspiele

Wir alle kennen das.

Wir gehen in einen Film, haben einigermaßen hohe Erwartungen, die dann in einigen Punkten enttäuscht werden und denken uns hinterher: „Das hätte ich selber aber besser gemacht.“

Wir haben Ideen und Vorstellungen darüber, wie die Story und Inszenierung des Films viel besser hätte sein können und in manchen Fällen schreiben wir das sogar – so wie ich das z.B. bei Tron gemacht habe – auf, um das mit anderen Leuten zu teilen.

Aber wärs nicht viel schöner, wenn man diese Geschichte für die anderen Leute quasi aktiv erlebbar machen könnte?

Das geht!

Ja, ich weiss… Wenn man das Wort „Rollenspiele“ liest, denkt man entweder erstmal an fifty-shades-of-grey´sche Schlafzimmer-Spielchen, oder man hat Bilder von pickeligen, rundum stark behaarten, streng riechenden Freaks vor Augen, die mit Gummiohren und Plastik-Schwertern durch den Wald hüpfen und nebenbei elbische Wörterbücher auswendig lernen.

Das gibt’s natürlich auch, aber für die Art von Rollenspielen, über die ich gern berichten möchte, braucht man weder eine sexy Krankenschwestern-Uniform, noch einen muffigen Wildleder-Lendenschurz nebst Pfeil und Bogen.

Das Einzige was man braucht, sind Phantasie, ein paar Freunde und vielleicht Stift und Papier (Daher der Begriff „Pen & Paper-Rollenspiel“) sowie ein paar Würfel.

Früher habe ich mit Freunden oder Familie (meist irgendwo am Lagerfeuer) öfters mal so Kettengeschichten erzählt, bei denen einer mit der Geschichte anfängt, irgendwann stoppt und dann übernimmt der Nächste und setzt die Geschichte an der Stelle fort.

Pen & Paper-Rollenspiele sind ganz ähnlich aufgebaut und es geht in erster Linie darum, sich gegenseitig eine spannende Geschichte zu erzählen. Allerdings sind hier die Aufgaben in der Regel etwas anders verteilt.

Meist gibt es einen Spieler, der die Rolle des Spielleiters übernimmt. Er ist gleichzeitig Autor, Regisseur, Maskenbildner, Cutter, Komparse und Kameramann. Im Vorfeld überlegt er sich eine Geschichte, die er gern spielen würde, welche bis ins Detail ausgearbeitet sein, aber auch nur eine grobe Rahmenhandlung darstellen kann.

Ein Beispiel dafür könnte sein: „Das böse Imperium hat einen Todesstern gebaut und eine kleine Gruppe von Rebellen infiltriert einen Stützpunkt, um die geheimen Pläne für die Superwaffe zu stehlen.“

Und hier kommen die restlichen Spieler ins Spiel. Sie übernehmen die Rollen der Protagonisten der Geschichte, in unserem Fall die Rollen der Rebellen, die die Todesstern-Pläne klauen wollen. Jeder dieser Spieler trägt die Verantwortung für seinen Charakter und trifft die Entscheidungen für ihn. Man versucht sich in den Charakter hineinzuversetzen und so zu handeln, wie er es vermutlich tun würde.

Der Spielleiter beginnt damit, die Szene und die Situation zu beschreiben:
„Ihr habt euch bis in den Kontrollraum des Stützpunktes vorgearbeitet. Hier gibt es mehrere Computerkonsolen, eine Tür nach Norden, eine schwere, verschlossene Panzertür nach Westen, sowie eine Luke im Boden. Aus einem Lautsprecher an einer der Konsolen hört ihr einen imperialen Offizier, der nachfragt, was denn da bei euch eigentlich los ist. Noch hat das Imperium nichts gemerkt, aber das kann sich schnell ändern. Was tut ihr?“

Und dann entscheiden die Spieler, was sie tun. Gibt es einen Computer-Experten? Vielleicht kann der versuchen, an den Konsolen die Tür zu öffnen. Ist einer ein talentierter Schnacker? Dann sollte jemand versuchen, den Offizier per Funk davon zu überzeugen, dass alles in bester Ordnung ist. Ein guter Schütze sollte vielleicht den Gang hinter der Tür im Norden absichern, während ein weiterer einen Blick in die Luke wirft.

Und so spielt man den Ball dann immer wieder hin und her. Der Spielleiter beschreibt nun, ob die Panzertür zu öffnen ist, was sich in der Luke befindet, ob Wachen um die Ecke kommen und und und… Und darauf reagieren dann die Spieler wieder.

Grundsätzlich kann man das Ganze einfach als Geschichten erzählen, aber es gibt ja auch noch das „Spiel“ im Wort „Rollenspiel“ und ich hab doch vorhin irgendwas von Würfeln und Papier erzählt, oder?

Genau… Die Charaktere sind ja nicht alle gleich. Der Eine ist z.B. ein talentierter Computer-Experte, kann aber nur mäßig gut schießen und ist sozial eine echte Niete.

Die speziellen Fähigkeiten der einzelnen Charaktere sind auf einer Art Fragebogen festgehalten und oft mit einem Zahlenwert versehen, der Auskunft darüber gibt, wie gut oder schlecht dieser Charakter etwas kann.

Versucht er also etwas zu tun, wie z.B. den Offizier davon zu überzeugen, dass alles in Ordnung ist, dann würfelt er gegen ein bestimmtes Ergebnis und seine Fähigkeiten-Werte beeinflussen dann dieses Ergebnis.

Als Beispiel: Mit einem 6-seitigen Würfel muss man mindestens eine 4 würfeln, um den Offizier erfolgreich zu überzeugen. Habe ich in „Überzeugen“ einen Wert von 1, addiere ich 1 zu meinem Würfelergebnis, die Erfolgs-Chancen sind also dadurch etwas besser.

Es gibt natürlich etliche Regelsysteme, die von hochkompliziert bis relativ simpel und schnell erklärt reichen, so dass man so spielen kann, wie man es am liebsten hat.

Wenn man an Rollenspiele denkt, hat man normalerweise Orks und Elfen und Zwerge im Kopf, aber klassische Fantasy á la Herr der Ringe ist bei Weitem nicht alles, was bespielt werden kann. Neben dem wohl bekanntesten Rollenspiel „Dungeons & Dragons“ gibt es zahllose andere tolle Welten und Systeme. Hat man Lust auf ein finsteres Zukunftssetting wie in „Neuromancer“? Möchte man postapokalyptisch durchs Ödland ziehen? Den Weltraum erkunden? Oder den neuen Chefarzt davon überzeugen endlich seine Frau zu verlassen?

Die Möglichkeiten sind endlos und die Geschichten, die man sich so gemeinsam erspielen kann, könnten unterschiedlicher nicht sein.

Ich spiele Rollenspiele seit mehr als 20 Jahren, habe viele Systeme und Welten ausprobiert und noch viel mehr Bücher dazu gelesen. Es gab Runden, die nicht so gut liefen und es gab Runden, die grandios liefen und an deren Geschichten und Charaktere ich mich auch nach Jahren noch erinnern werde und die immer wieder für Gesprächsstoff bei meinen Freunden sorgen. Und das ist das eigentlich tolle am Hobby: Anders als bei einem Film oder einem Buch erlebt und formt man hier die Geschichte gemeinsam und macht sie zu SEINER Geschichte. Und das kann in meinen Augen kein anderes Medium in dieser Form leisten. Und darum liebe ich Rollenspiele und ich hoffe, ich kann mit diesem Beitrag den einen oder anderen dazu bewegen, auch mal einen Blick zu riskieren.

Es lohnt sich.

 


 

Wenn ihr Fragen habt, fragt mich gern. Ich habe wie gesagt schon einige Bücher gelesen und etliche Spiele im Regal stehen und empfehle euch gern das eine oder andere System oder Setting. Solltet ihr aus dem Raum Hannover kommen, biete ich auch gern mal eine Testrunde an.

 

 

 

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About Uebelator

Filmfan, Videospieler, Nerd.

2 responses to “Empfehlung: Rollenspiele”

  1. elizzy91 says :

    Wow! Das Spiel kannte ich so vorher noch gar nicht aber es scheint grosse Klasse zu sein! Ich muss mir die Regeln noch mal aufschreiben und werde wohl beim nächsten Freunde – Abend den Vorschlag machen, dies mal auszuprobieren! Klingt nach jede Menge Spass! Danke für den Beitrag!

    Gefällt 1 Person

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