Kritik: A Million Ways to Die in the West

Es war einmal, vor langer Zeit, da trafen sich Seth Macfarlane und Charlize Theron auf einer Preisverleihung. Sie unterhielten sich und lachten und tranken ein Glas Champagner nach dem Nächsten und als sie so richtig betrunken waren, sagte Charlize schließlich die schicksalshaften Worte: „Seth… Du bissja so´n witziger Typ, aber voll die Pfeife. Wennu das irgnwannma hinkrichst, n´Film zu drehen, dann machich da mit.“

Und der Seth, der ja ein cleverer Kerl ist, dachte sich: „Okay, die Alte ist heiss und ich würd gern mal mit ihr knutschen. Schreib ich schnell mal irgendwas zusammen, mach daraus einen Film, spiele die Hauptrolle und darf dann mit der Charlize rummachen. Cool…“

Und so setzte sich der Schreiberling hin und schrieb noch in derselben Nacht, vollkommen übermüdet und betrunken das Drehbuch für „A Million Ways to Die in the West“

So oder ähnlich muss es sich wohl zugetragen haben, denn anders kann ich mir beim besten Willen nicht erklären, wie Seth Macfarlane Schauspieler wie eben Charlize Theron oder Liam Neeson für seine Westernkomödie gewinnen konnte.

Die Handlung:
Richtig viel Handlung gibt’s nicht. Und das was da ist, dient eigentlich nur als loser Rahmen, um möglichst viele Gags abzufeuern. Der Schaf-Farmer Albert (Macfarlane) ist ein Feigling und eine ziemliche Pfeife, aber mit der hübschen Louise (Amanda Seyfried) zusammen. Die verlässt ihn aber schließlich für einen erfolgreicheren Kerl und Albert will sie zurück. Ein Glück, dass also gerade die ebenfalls hübsche Anna (Theron) in die Stadt kommt. Sie ist die Frau von einem fiesen Gangster (Neeson) und soll dort warten, bis ihr Mann vom nächsten Raubzug zurückkommt.

Natürlich freunden sich Anna und Albert an und sie bringt ihm das Schiessen bei, damit er den neuen Macker von Louise im Duell umballern und so das Herz seiner Liebsten zurückgewinnen kann. (Schon toll, dieser wilde Westen…) Selbstverständlich verknallen sich dabei Albert und Anna, der Gangsterboss kommt zurück und dann wird’s richtig gefährlich.

Ich möchte zuerst mal betonen, dass ich Seth Macfarlane mag. Family Guy ist witzig, American Dad ist irgendwie das Gleiche, aber auch witzig und Ted war auch eine ordentliche Komödie.

Aber… da ist Macfarlane als Autor tätig gewesen. Oder als Regisseur. Hinter der Kamera. Und da sollte er auch bleiben.

Für „A Million Ways to Die in the West“ haben sie tolle Landschaftsaufnahmen gedreht, eine nette kleine Westernstadt gebaut und grundsätzlich ordentliche Kostüme geschneidert. Passt also alles. Und dann betritt Macfarlane die Bildfläche und ich könnte schwören, ich hab dieses Geräusch gehört, als wenn die Nadel eines Plattenspielers über das Vinyl kratzt.

Ja, er hat so einen lustigen kleinen Hut auf, der irgendwie einen Cowboyhut darstellen soll, aber der Typ wirkt so fehl am Platz wie Horst Seehofer in einer Moschee. Man hat zu keiner Zeit das Gefühl, da jemanden vor sich zu haben, der eine Rolle spielt. Macfarlane wirkt wie ein Standup-Comedian aus den 90ern, der irgendwie im Wilden Westen gelandet ist und sich nun über alles und jeden lustig macht.

Das alles wäre vielleicht gar nicht so schlimm, denn Klamaukfilme wie „Scary Movie“ oder „Die nackte Kanone“ leben ja schließlich nicht von ihren oscarreifen Schauspielleistungen, aber das was hier geboten wird ist so flach und so schlecht, dass es weh tut.

Wenn Leonardo DiCaprio einen Oscar dafür bekommt, dass er in seinem Westernfilm die ganze Zeit über total authentisch gelitten hat, dann will ich auch einen Oscar dafür bekommen, dass ich bei „A Million Ways to Die in the West“ zwei Stunden lang selbst leiden musste, weil man mich mit Furz-, Durchfall- und Pipi-Witzen bombardiert hat.

Um das Ganze noch unerträglicher zu machen, wurde in diesem Film aber auch wirklich alles gezeigt, nur für den Fall, dass es einen Zuschauer im Publikum gibt, der nicht verstanden hat, was da passiert. Da hat Neal Patrick Harris heftigen Durchfall und erledigt seine Notdurft beim Duelltermin direkt in den Hut eines Zuschauers. Man hört also gefühlte 5 Minuten lang Furz und Pladder-Geräusche und bekommt eine ziemlich gute Idee davon, was da gerade los ist. Aber das reicht Macfarlane nicht und wir müssen in einer kurzen Einstellung nochmal zeigen, wie der Hut umkippt und eine braune Pampe über die staubige Straße läuft. Selten so gelacht.

Oder als Albert sich inmitten seiner Schafherde versteckt, fängt eines davon an zu pinkeln und trifft ihn natürlich ins Gesicht. Super-Gag. Aber auch hier hat es nicht gereicht, den Strahl zu zeigen… Nein! Wir bekommen noch eine Unteransicht des Schafes mitsamt pinkelndem Schafpimmel zu sehen, weil das ja so viel witziger ist. Hat sich da tatsächlich jemand hingestellt und einem Menschen beim Spezial-Effekte-Kreaturen-Department gesagt: „Du, wir brauchen für eine 4-Sekunden Einstellung noch einen künstlichen Schaf-Schniedel, der pinkeln kann. Kriegst Du das hin?“?

Die Charaktere:
Zu Macfarlane und Albert habe ich ja schon eine Menge gesagt. Charlize Theron ist tatsächlich der einzige Lichtblick und spielt die Anna tatsächlich ganz charmant und witzig, während Liam Neeson sich größte Mühe gibt, Sky DuMont zu imitieren.

Der Look:
Optisch sagt hier vieles „Western“. Dieser Eindruck wird aber vor allem durch die unpassend modernen Dialoge sowie Seth Macfarlanes mieses Schauspiel kaputt gemacht.

Fazit:
„A Million Ways to Die in the West“ ist grauenhaft. Ja, es gibt 5-6 Gags die funktionieren und bei denen ich tatsächlich lachen musste, aber dem entgegen stehen gefühlte 10.000 Witze auf Pipi-Kaka-Niveau, die so dumm und peinlich sind, dass ich mich hier mehr vor Fremdscham gekrümmt habe als bei der durchschnittlichen Folge von „Schwiegertochter gesucht“ (Und das will echt was heissen!) Schlimmer ist vermutlich nur Sandler´s „Ridiculous Six“.

Wenn ich einen lustigen Western gucken will, greife ich in Zukunft lieber wieder zu „Maverick“ oder meinetwegen auch zum „Schuh des Manitou“.

Dieser Film ist auf jeden Fall „Echt uebel“!

siegel_schlecht

 

Trailer: © Universal Pictures Germany.

 

„A Million Ways to Die in the West“ gibts auch bei Amazon:

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About Uebelator

Filmfan, Videospieler, Nerd.

8 responses to “Kritik: A Million Ways to Die in the West”

  1. Ma-Go Filmtipps says :

    Ich widerspreche nicht. Allerdings müsste das doch bereits nach Sichtung des Trailers klar gewesen sein, oder? 🙂 Ich fand den Film jetzt auch bei weitem nich gut oder auch nur „ganz nett“. Aber ganz so schlimm fand ich ihn dann doch nicht. Zumindest wusste ich ja worauf ich mich einlasse 😉

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    • Uebelator says :

      Den Trailer kannt ich noch nicht, war aber vorbereitet auf einen Quatsch-Film. Trotzdem hätte ich eine „nackte Kanone“ im Wilden Westen erwartet und nicht eine Pipi-Kacka-Witze-Revue.
      Aaaaber gerade Humor ist ja bekanntlich Geschmackssache und ich bin mir sicher, dass es Leute gibt, die sich kaputt gelacht haben.
      Meinen Humor hats nur einfach nicht getroffen.

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  2. Belkor says :

    der war richtig fürn hugo. da hat 0 funktioniert,dieser film hat nur eines geschafft,und das ist auf ganzer länge aufs übelste zu scheitern.

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  3. Marc says :

    Dann ist das genau das richtige für einen Flachwitzabend 😀

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    • Uebelator says :

      Flachwitzabend geht damit bestimmt super. Reichlich Alkohol dazu und dann wirds irgendwann vielleicht witzig.

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      • Marc says :

        Uff jeden! Hab das mit’n paar Kumpels schonmal mit „Superhero Movie“ gemacht 😀

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      • Uebelator says :

        Okay, also um das mal klar zu stellen… Verglichen mit „Superhero Movie“, oder irgendeinem anderen Film mit „Movie“ im Namen (außer vielleicht „Movie the Movie“, aber das zählt nicht.) ist „A Million Ways to Die in the West“ ein gottverdammtes Kunstwerk des subtilen Humors. Also entweder seid ihr extrem hart im Nehmen, oder da kann nicht nur Alkohol im Spiel gewesen sein. 😉

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      • Marc says :

        Och doch, da war von Mönchshof über Weizen bis zum Winterbock alles mit dabei 😀 anfänglich fällt das Lachen zwar noch schwer, aber mit der zeit passiert das wie von selbst 😉

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