Kritik: Doom

Die Computerspiele der frühen 90er waren echt noch eine andere Nummer. Da stand in der Tat häufig noch das Spiel mit seinen Mechaniken im Vordergrund und weniger die ausgefeilte Geschichte oder die tiefgründigen Charaktere.

So auch bei Doom aus dem Jahre 1993. Da gab es nichtmal ein Intro oder irgendetwas anderes, was uns darüber aufklärte, warum wir eigentlich alles zu Brei schießen, was uns vor die virtuelle Flinte läuft, und das war aber auch egal. Denn Doom machte Spaß und darum ging es in erster Linie.

Die Handlung des Spiels – auch wenn ich nichtmehr genau weiß, woher man die eigentlich erfährt – beschränkt sich darauf, dass ein Konzern auf den Marsmonden Phobos und Deimos Teleportationsexperimente durchführte, dabei ein Tor zur Hölle öffnete und nun die Marines anrücken, um den Höllenkreaturen den Hintern zu versohlen. Man selbst ist der letzte Überlebende der Marines, also ab dafür!

1994 erschien Doom2, lieferte aber lediglich neue Level, ein paar neue Gegner und eine neue Waffe, hielt sich bei der Handlung aber ebenfalls vornehm zurück.

Erst als 2004 Doom3 erschien, gab man sich mehr Mühe die Handlung zu präsentieren, aber auch hier beschränkte man sich grundsätzlich auf „Du bist Marine, hier ist deine Waffe, da sind die Gegner, viel Spaß.“

Videospieleverfilmungen sind ja für sich genommen immer schon ein schwieriges Terrain, aber so ganz verstehe ich nicht, warum man sich ausgerechnet Doom aussucht, um daraus einen Film zu machen. Doom war halt ein Spiel, das in erster Linie Spiel sein wollte. Hat man es also nur ausgesucht, weil irgendwie jeder schonmal davon gehört hat?

Genauso gut könnte man „Schach – Battle of Kings“ drehen. Oder „Kniffel – Furious Five“. Oder was völlig absurd wäre… „Battleship“. Oh… wartet mal… das… äh…

Also nun Doom…

Die Handlung:
Doom gehört ganz tief in die Trash-Ecke. Auch im Film gibt es – wie im Spiel – die Union Aero Space Corporation, die zwar auch einen Teleporter entwickelt hat, der allerdings kein Tor zur Hölle öffnet, sondern lediglich in die Labors auf dem Mars führt, wo man scheinbar irgendwelche Ruinen entdeckt hat.

In diesen Ruinen gabs auch ein paar Überreste von humanoiden Wesen, die im Gegensatz zu uns Menschen noch ein vierundzwanzigstes Chromosom haben, von dem man sich tolle Dinge versprach. Also extrahiert man das Genmaterial, spritzt das irgendeinem armen Dödel und guckt was passiert. In 95 % aller Filme, die so oder ähnlich beginnen, geht hierbei irgendwas schief und auch Doom ist da keine Ausnahme. Der Dödel verwandelt sich in ein Monster, tötet alle Wissenschaftler, die daraufhin auch mutieren und so nimmt das Chaos seinen Lauf.

Ein Spezialkommando unter dem Kommando von „The Rock“ wird geschickt, um in den Labors nach dem Rechten zu sehen. Mit dabei ist auch der Soldat Grimm, dessen Schwester in den Labors arbeitet und die man relativ schnell gefunden hat.

Man kämpft sich durch ein paar Monster, stellt fest, dass man sich „infizieren“ kann und das sorgt für einigen Unmut im Team, was letztlich im finalen Showdown gipfelt.

Ich sags mal so… Die Handlung ist doof und inkonsequent. Wenn man sich schon Doom aussucht, um es zu verfilmen, warum nutzt man dann nicht wenigstens die paar Story-Schnipsel, die das Spiel bietet?

Warum kämpfen im Showdown Menschen gegeneinander? Gibt’s im Spiel nicht genug Endbosse, die wesentlich spannendere, coolere Action hergegeben hätten? Vielleicht lags da am Budget.

Und warum hat man das ganze Höllen-Thema umschifft? Aus Angst vor den amerikanischen Katholiken? Das ist in etwa so, als wenn man 50 Shades of Grey verfilmt und sagt: „Oh, den SM-Kram lassen wir mal lieber raus. Da könnte sich jemand dran stören.“
Bescheuert.

Man hat hier und da versucht, einen Hauch von Geschichte zu erzählen und Grimm irgendwie eine Vergangenheit zu verpassen, die aber nur ganz grob angeschnitten und nie wirklich weiter ausgeführt wird. Schade.

Die Charaktere:
The Rock ist prima als Anführer und Karl Urban ist als Doom-Marine auch perfekt besetzt. Der Rest der Truppe gibt sich größte Mühe als unbequeme Macho-Marines aufzutreten, bleiben aber Meilen hinter Referenzwerken wie Aliens zurück.

Der Look:
Was mich ja echt gewundert hat, war dass man auf dem Mars ankommt und alles nach glatt gelecktem High-Tech-Labor aussieht. Und dann gehen die Marines durch die Tür hinter der vermutlich was schlimmes passiert ist, und plötzlich sind die Wände alle rostig, überall kommt Dampf aus Rohren, das Licht – sofern es überhaupt vorhanden ist – flackert und man fühlt sich direkt wie auf der Nostromo. Ziemlich harter Kontrast.

Großartig waren die fünfeinhalb Minuten gegen Ende des Films, die Genre-typisch aus der Ego-Sicht gefilmt waren und bei denen tatsächlich sowas wie das Doom-Feeling aufkam. Ziemlich cool gemacht. Ich frage mich, ob es nicht vielleicht eine konsequentere und innovative Idee gewesen wäre, den ganzen Film aus der Ego-Sicht zu erzählen. Das wäre zumindest dicht dran gewesen am Geist der Vorlage. Dann noch in 3D und das ganze hätte echt cool werden können.

Fazit:
Joa… Doom ist Schrott. Aber diese Art von Schrott, bei der man mit ein paar Kumpels auf der Couch ein Bierchen trinken und neben bei schnacken kann und sich ganz gut amüsiert.
Wenn ich mir aber einen schönen Hirnlos-Film-Abend machen will, ist Doom keine so gut Wahl. Dann lieber was von Michael Bay.

 

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About Uebelator

Filmfan, Videospieler, Nerd.

6 responses to “Kritik: Doom”

  1. Marc says :

    Also ich glaube ich würde Doom nem Bay-Film vorziehen – es seidenn es handele sich dabei um „The Rock“ 😀

    Gefällt 1 Person

    • Uebelator says :

      Och, der erste Bad Boys war doch auch gut.
      Und nicht zu vergessen: „Pearl Harbor“! *hust*

      Man kann Michael bay Filmen alles mögliche vorwerfen, aber die Action passt schon und gerade das ist ein Punkt, an dem Doom – mit Ausnahme der fünf Ego-Shooter-Minuten schwächelt.

      Gefällt mir

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  1. News Quicky 12.02.2016 | Augen² - 12. Februar 2016

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