Kritik: Silver Linings

Die Oscars stehen vor der Tür und da kommt man als film-interessierter Mensch ja immer ein wenig ins Grübeln und überlegt, wer so gewinnen wird und wer schon gewonnen hat und ob das alles immer so gerechtfertigt war.

Eine Schauspielerin, bei der ich mich das schon etwas länger frage ist Jennifer Lawrence. Sie kam gefühlt aus dem Nichts, war plötzlich Katniss Everdeen und jeder schien sie zu lieben und unheimlich heiss zu finden. Komisch…

Keine Ahnung wieso, aber ich persönliche finde sie weder besonders attraktiv (sie ist absolut nicht hässlich, aber da gibts wesentlich heissere Damen im Filmgeschäft), noch hat sie mich in den Hungerspielen dermaßen beeindruckt, dass ich dachte, sie würde einmal zur meistgefragten Schauspielerin Hollywoods werden.  Zugegeben… was Schauspieler in Teenie-Filmen angeht – und da gehören die Hunger Games ja definitiv dazu – hat sie auf jeden Fall den bleibendsten Eindruck hinterlassen, aber irgendwas in mir hat sich immer noch geweigert, sie als tolle Schauspielerin zu akzeptieren.

Also dachte ich mir, ich schaue mir mal Silver Linings an. Wenn sie da den Oscar für gewonnen hat, scheint man da ja offenbar zu sehen, was sie so kann.

Und ich bin mal ganz ehrlich… Es macht vielleicht keinen Spaß, richtig beschissene Filme zu gucken, aber es macht Spaß hinterher darüber zu schreiben. Man kann sich kräftig über die miesen Schauspieler, das schlechte Skript und die grottigen Effekte auskotzen und dabei einen Spruch nach dem anderen raushauen.

Aber was ich wirklich schwierig finde, sind die „netten“ Filme. Und mit „nett“ meine ich hier keineswegs die kleine Schwester von „Scheisse“. Silver Linings ist einer dieser schönen Filme, die man so guckt und sich hinterher gut fühlt. Wenn man aber gefragt wird, worum es da so ging, fängt man irgendwie an zu stottern, weil man gar nicht so recht weiss, wo man am besten anfängt, um dem Film gerecht zu werden oder zu viel zu verraten.

Ich versuche trotzdem mal mein Bestes und hoffe, ihr könnt mir dabei irgendwie folgen:

Die Handlung:
Im Zentrum des Films stehen zwei psychisch kranke Menschen. Keine „lustigen Verrückten“, wie sie gern in Filmen vorkommen, und keine psychopathischen Killer oder dergleichen, sondern einfach Menschen, die krank sind. Und der Film lässt keinen Zweifel daran, dass diese Krankheit eine ernste Sache ist und die Menschen durchaus eine Gefahr für sich und andere darstellen können.

Da ist zum einen Pat, gespielt von Bradley Cooper. Seitdem er seine Frau Nikki mit einem anderen Mann erwischt und diesen brutal zusammengeschlagen hat, leidet er unter einer bipolaren Störung und den damit verbundenen heftigen Stimmungsschwankungen und plötzlichen Gewaltausbrüchen. Nach 8 Monaten in einer psychiatrischen Anstalt konnte seine Mutter erwirken, dass er in die Obhut seiner Eltern übergeben wird.

Pat ist übgerzeugt – wenn nicht sogar besessen davon, dass er seine Ehe mit Nikki noch retten kann, dass er seinen Job wieder bekommen und sein Leben wieder in den Griff bekommen kann. Aber Nikki will nichts mehr von ihm wissen und hat eine einstweilige Verfügung gegen ihn erwirkt, was ihn aber nicht zu interessieren scheint.

Auf der anderen Seite ist da Tiffany, die seit dem Tod ihres Mannes depressiv ist und versucht ihre innere Leere und Einsamkeit durch schnellen Sex zu bekämpfen, was natürlich nicht klappen kann. Sie ist äußerlich stark, aber diese Fassade bröckelt oft hier und da und es wird schnell deutlich, wie verletzt und verletzlich sie ist.

Trotz der schwierigen Ausgangssituation dieser beiden Charaktere, schafft der Film es, sich auf ihre Seite zu schlagen und sie eben nicht zu Psychopathen zu machen, sondern einfach zu Menschen, die krank sind bzw. ein Problem haben.

Pat und Tiffany treffen natürlich unweigerlich aufeinander und es besteht sofort eine Spannung und jede Menge Chemie zwischen den beiden. Und wie das mit der Chemie so ist, kann ein kleiner Fehltritt auch schnell zur Explosion führen.

Die beiden – vor allem Pat – haben zwar anfänglich kein richtiges Interesse daran, aber Tiffany bleibt hartnäckig und die beiden freunden sich schließlich an und machen einen Deal. Sie bringt Nikki einen Brief von Pat, da dieser sich seiner Frau ja nicht nähern darf und dafür trainiert Pat mit Tiffany zusammen für einen Tanzwettbewerb.

Und dann ist da auch noch Pats Familie. Sein Vater, gespielt von Robert DeNiro ist Fan der Philadelphia Eagles und so fürchterlich abergläubisch, dass man sich bei seinen Blicken manchmal fragt, ob er nicht auch mal in Behandlung müsste.

Und das ist genau der Punkt, den Silver Linings sehr gut trifft. Hier sind nicht nur die Verrückten verrückt, sondern auch hinter den augenscheinlich normalen Fassaden kleinbürgerlicher Idylle versteckt sich so mancher Wahn.

Natürlich kommt alles so, wie es kommen muss und Tiffany verliebt sich in Pat, der immernoch seiner Frau nachhängt und der Film wird dann irgendwie zu einer romantischen Komödie, die ich normalerweise eher nicht sonderlich mag. Hier jedoch werden Charaktere präsentiert, die so liebenswert sind und sich so tolle Dialoge liefern, dass selbst ich (der immernoch von „Maid in Manhattan“ in der Sneak Preview schwer traumatisiert ist) über die klassich erzählte Liebesgeschichte hinwegsehe, die unter allem lauert und den Film einfach gut finden kann.

Die Charaktere:
Zu den Charakteren habe ich schon viel gesagt, daher widme ich mich hier mal meiner Ausgangsfrage: der schauspielerischen Leistung.
Und ja. Jennifer Lawrence kann was. Ihre Tiffany ist hervorragend emotional gespielt und sehr facettenreich. Oscar-reif? Meinetwegen.
Aber für mich war der eigentliche Star des Films Bradley Cooper, den man sonst eher aus Klamauk-Filmen wie Hangover kennt. Durch seine Gefühlsausbrüche schwankt er permanent zwischen gefährlichem, erwachsenen Mann, kleinem Jungen und sehr verletztem Menschen, der einfach nur wieder auf die Beine kommen will, auch wenn er sich dabei Dinge einredet, die so schon lange nicht mehr sind. Den Oscar hätte er verdient gehabt, aber wenn man gegen Daniel Day-Lewis als Lincoln antritt, hat man wohl einfach mal schlechte Karten.
DeNiro hat auch sehr gut gespielt und hatte einen sehr schönen, bewegenden Moment, aber irgendwie hat er sich mit den Ben Stiller-Filmen keinen großen Gefallen getan und ich tue mich schwer, ihn noch so richtig ernst zu nehmen.

Der Look:
Wie die Handlung des Films, die sehr auf die beiden Hauptdarsteller fokussiert ist, bleibt auch die Kamera oft ganz dicht an ihnen dran und zeigt jede Regung ihrer Gesichter oder fängt kleine Details wie das nervöse Zucken der Hände ein. Sehr passend und intensiv.

Fazit:
Ein wirklich schöner, positiver Film, der zwar im Kern eine romantische Komödie ist, dies aber geschickt zu kaschieren weiss und mit tollen Charakteren und super Schauspielern aufwartet. Perfektes Date-Movie. Und auch alleine kann man sich den Film als Kerl angucken und muss sich nicht drüber schämen.

Ob sie nun soooo erfolgreich sein muss, wie sie´s gerade ist, sei mal dahingestellt, aber schauspielern kann Jennifer Lawrence auf jeden Fall.

 

Trailer: © Senator Filmverleih, All rights reserved

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Filmfan, Videospieler, Nerd.

3 responses to “Kritik: Silver Linings”

  1. filmreviews says :

    Ich war sogar damals im Kino und fand den Film auch wirklich gut, aber trotzdem hat es mich gewundert das der Film und Jennifer Lawrence so gehypt wurden. Dafür war er mir fast zu durchschnittlich. Aber ich verstehe öfters mal nicht an welche Filme die Oscars vergeben werden und Silver Lining gehört definitiv noch zu den Besseren 🙂

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  2. christianneffe says :

    Geht mir genau so: ich war von Bradley Cooper auch zehnmal begeisterter als von Jannifer Lawrence. 😉

    Gefällt 1 Person

  3. Uebelator says :

    Ja, es gab schon seltsame Oscar-Entscheidungen. Gwyneth Paltrow für Shakespeare in Love? Oder Russel Crowe für Gladiator?
    Verglichen damit geht der Goldjunge für JLaw fast in Ordnung.

    Gefällt 1 Person

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