Kritik: Bone Tomahawk

Kurt Russell ist irgendwie einer dieser Schauspieler, die ich komischerweise gedanklich direkt in die 80er verfrachte. Die Klapperschlange, Das Ding aus einer anderen Welt, Big Trouble in Little China… Das waren alles großartige Filme. Und selbst Tango & Cash war irgendwie ziemlich unterhaltsam.

In den 90ern gabs dann noch hier und da mal ein kurzes Aufflackern z.B. mit Backdraft und Stargate, aber danach ist der gute Kurt irgendwie aus meinem Bewußtsein verschwunden. Und nun taucht er gleich zweimal auf. Beide Male in einem Western und beide Male überaus bärtig. Doch wo´s bei The Hateful Eight wohl größtenteils dialoglastig zu geht, ist er in Bone Tomahawk eher in Horror-Gefilden unterwegs.

Kurt Russell in einem Mix aus Western und Horrorfilm? Wie geil ist das denn?

Leider nicht so geil.

Die Handlung:
Irgendwann in den 1800ern (Diese Zeit scheint in Filmen gerade total in zu sein) kommt ein seltsamer Kerl in ein kleines Westernstädtchen und trink seinen Whiskey im Saloon. Da Fremde offenbar nicht gern gesehen sind, alarmiert man den Sheriff (Kurt Russell) und seinen dementen Deputy, die sich prompt der Sache annehmen, dem Kerl ins Knie schiessen und daraufhin, die Aushilfsärztin Samantha O´Dwyer rufen, damit diese die Wunde des Gefangenen im Knast wieder zusammen näht.

Am nächsten Morgen ist dann überraschenderweise nicht nur ein namenloser, afroamerikanischer Pferdepfleger tot, sondern auch einige Pferde sind weg genau wie – was viel schlimmer ist – die freundliche Samantha, der kränkelnde Gefangene und ein Angestellter des Sheriff-Büros. Hier und da wurden Pfeile gefunden und man befragt den örtlichen Indianer-Experten, der darauf hinweist, dass es sich dabei einen Stamm ganz besonders fieser Gesellen handelt, die er Troglodyten nennt.

„Das ist eine verdorbene Bande, die ihre eigenen Mütter vergewaltigen und aufessen.“
Ah ja… Nacheinander oder gleichzeitg? Bei diesen verdorbenen Banden weiss man ja nie…

Also sammeln sich die tapfersten, besten, fähigsten Leute der Stadt, bestehend aus dem alternden Sheriff, seinem debilden Deputy, dem Mann von Samantha, der ein gebrochenes Bein hat, sowie einem arroganten, dampfplaudernden Revolverhelden, der nach seinen Klamotten zu urteilen nebenbei eine Wäscherei betreibt und zusammen brechen sie auf, um die Entführten zu retten bevor sie zu Snacks werden.

Und äh… das war die Handlung.

Ich habe überhaupt nichts gegen Filme, die sich erst langsam aufbauen und sich Zeit nehmen, aber nach den ersten 45 Minuten habe ich dann schon gedacht, dass so langsam ja mal was passieren könnte. Kam aber nicht. Der Film hat eine Laufzeit von 132 Minuten und gut zwei Drittel des Films sieht man diesen 4 Flitzpiepen dabei zu, wie sie durch die Pampa reiten bzw. laufen und gelegentlich am Lagerfeuer sitzen und vollkommen belangloses Zeug reden. Dann gibts noch eine halbe Stunde lang ein wenig Schießerei und einen Hauch von Saw und das wars dann.

Die Charaktere:
Grundsätzlich sind die vier Protagonisten gar nicht mal schlecht gezeichnet und auch ganz gut gespielt, aber das Skript lässt für meinen Geschmack zu viele Fragen offen und bietet leider in keinster Form irgendeine Art von Entwicklung bei den Charakteren.
Und was ich für einen Western irrsinnig befremdlich fand war, dass die viere Kerle, die allesamt harte Burschen mit teils echt aufgeblasenen Egos sind, sich insgesamt unheimlich höflich benehmen. Ja klar, da haut der eine dem anderen mal eine rein, aber entschuldigt sich danach ganz artig wieder. Selbst wenn mal geflucht wird, entschuldigt man sich gleich danach wieder bei Gott. Gut erzogene Jungs…

Der Look:
Die Austattung, Kameraführung und Beleuchtung gingen größtenteils in Ordnung. Lediglich die Gruselhöhle wirkte auf mich irgendwie wie ein ausrangiertes StarTrek-Set aus den 60ern.

Fazit:
Um mal in die Wortspiel-Kiste zu greifen: Alte Axt! Das war mal ein langweiliger Film. Die Heldenreise der vier Revolver-Knalltüten fühlte sich in etwas so an, als wenn sich auf den freien Platz neben einem in der U-Bahn einer dieser seltsamen Leute setzt, die einen dann mit irgendwelcher Scheisse aus ihrem Leben vollquatschen. Man hört sich das so an, wird immer genervter und hofft irgenwann, dass die nächsten drei Stationen, bevor man endlich aussteigen darf, möglichst schnell vorüber gehen.
Mag sein, dass Bone Tomahawk einer der Lieblinge auf Fantasy Filmfesten war, aber ich wünsche mir irgendwie die verschwendete Zeit zurück und daher ist der Film für mich „Echt uebel“.

siegel_schlecht

 

Habt ihr Bone Tomahawk gesehen?
Wie fandet ihr den Film?

Trailer: © RLJ Entertainment

„Bone Tomahawk“ gibts auch bei Amazon:

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About Uebelator

Filmfan, Videospieler, Nerd.

4 responses to “Kritik: Bone Tomahawk”

  1. blackris says :

    Ich verstehe die relativ guten Bewertungen, die der Film bekommen hat, auch nicht. Mag es sein, dass ich Kannibalenfilme und »Kult«horror wie The Hills Have Eyes nicht mag und deswegen nichts damit anfangen konnte. Mehr Western, weniger Entschuldigungen für ekelhafte Einstellungen mancher Charaktere, keine subhuman Kannibalen und etwas mehr Plot. Dann wäre der Film vielleicht … ach der ist einfach an zu vielen Stellen kaputt.

    Schade, dass momentan zu viele Versuche, das Western Genre wiederzubeleben, so floppen. Jane Got a Gun soll ja das nächste Desaster sein. Da muss es doch noch mehr geben, als Tarantino.

    PS: »Farbiger« ist seit einigen Jahrzehnten schon nicht mehr okay.

    Gefällt 1 Person

  2. Uebelator says :

    Da bin ich ja froh, dass ich mit meiner meinung zum Film nicht ganz allein da stehe.

    Okay, „farbiger“ wird gestrichen, denn ich will echt niemandem damit auf die Füße treten. Was geht denn eher? „Dunkelhäutiger“? „Afroamerikaner“? „Amerikaner mit afrikanischen Wurzeln“?

    Political correctness ist echt knifflig manchmal.

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    • blackris says :

      Ach, wer niemandem auf die Füße tritt, sagt nichts. 😉

      Schwarzer (mit großem S), Person of Color, Afroamerikaner, keine Erwähnung der Hautfarbe wenn nicht relevant … geht wohl alles. Farbiger, Dunkelhäutiger und die bekannten Klassiker der »das wird man doch noch sagen dürfen« nicht.

      Gefällt 1 Person

  3. Uebelator says :

    Naja, Filmemachern und dergleichen, die irgendwelchen Schrott produzieren, trete ich gern auf die Füße, aber wegen der Hautfarbe soll sich hier möglichst niemand angegriffen fühlen.

    In diesem Falle habe ich absichtlich erwähnt, dass es sich um einen Afroamerikaner handelt, da es traurigerweise der einzige Mensch seiner Hautfarbe war, der im Film auftauchte und das auch nur so lange, dass man es verpasst, wenn man blinzelt.

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