Kritik: Hitman: Agent 47

Videospieleverfilmungen sind in der Regel keine gute Idee. Ich weiss nicht genau, warum das so ist, aber aus irgendeinem Grund ist das Resultat in 99% aller Fälle absoluter Schrott.

Mit Schaudern erinnere ich mich da an Machwerke wie Super Mario Bros., Street Fighter oder Alone in the Dark. Und selbst die größeren, teureren Produktionen wie Tomb Raider mit Angelina Jolie oder Max Payne mit Mark Wahlberg in der Hauptrolle waren erzählerische Flops, obwohl die Vorlagen ansich einiges an Potenzial für eine spannende Story hergegeben hätten. Und von allem, was Uwe Boll da so verwurstet, fange ich mal gar nicht erst an. (Ich sag nur: Till Schweiger, Ralf Möller und Udo Kier in Far Cry)

Zu den wenigen Ausnahmen gehören meiner Meinung nach der erste Teil von Silent Hill, Prince of Persia – der zwar die Vorlage nur mittelmäßig gut getroffen hat, aber dennoch ein unterhaltsamer Abenteuerfilm war – und Halo: Forward Unto Dawn.

Nachdem sich 2007 schon Regisseur Xavier Gens an einer Verfilmung von Hitman versucht hatte und damit ziemlich erfolglos geblieben ist, gab es im letzten Jahr also den zweiten Versuch. Ist Hitman: Agent 47 eine Ausnahme von der Regel?

Die Handlung:
Agent 47 – einen richtigen Namen hat er nicht, aber seine Freunde nennen ihn Larry – ist ein Auftragsmörder. Das ansich macht ihn ja schonmal zu einem prima Kandidaten, um der Protagonist in einem Videospiel oder zumindest in einem Actionfilm zu sein. Aber da uns, dem reizüberfluteten Kinopublikum, ja ein handelsüblicher Allerwelts-Auftragsmörder nicht mehr reicht, ist Agent 47 ein Spezial-Auftragsmörder aus dem Genlabor, der extra als Supersoldat, Killermaschine und (was kaum einer weiss:) 5-Sterne-Koch gezüchtet wurde.

Sein laborbekittelter „Papa“ ist der Russe Russlan Russikovski (oder so ähnlich), der zwar erst Feuer und Flamme für sein Projekt war, dem dann aber auffiel, dass man Supersoldaten ja vermutlich als.. äh… Supersoldaten einsetzt und der daraufhin eine schwere Gewissenskrise bekam und sich fortan vor all den bösen Menschen versteckte, die mit Hilfe seiner Forschung die Weltherrschaft an sich reissen wollen.

Das Ganze ist aber schon ewig her und Agent 47 arbeitet inzwischen für die „International Contract Agency“ (Haben die eine Website? Ist man da krankenversichert?) und versucht sein nächstes Ziel, die junge Katia, zu finden, die die Tochter von Doc Russikovski ist und die – so hofft Agent 47 bzw. sein Auftraggeber – ihn zu ihrem Vater führen kann.

Katia wiederrum hat keinen Plan, wo ihr Papa steckt und versucht das ebenfalls rauszufinden. Dabei nimmt sie ständig irgendwelche Betäubungsmittel, weil sie irgendwie total gut hören und sehen und überhaupt alles kann. Warte mal… ihr Papa hat da so Super-Soldaten gezüchtet und seine Tochter ist irgendwie… hmmm, nee ich komm nicht drauf.

Schließlich findet Agent 47 die Doktoren-Tochter und stellt sie in einem U-Bahnhof, aber Katia bekommt unverhofft Hilfe von einem Mann namens John Smith (gespielt von Mr. Spock), der für eine riesige, mächtige Firma arbeitet, die sich selbst „Syndicate International“ nennt. Das kommt ihr nicht im Geringsten komisch vor („Syndicate International“? Ehrlich jetzt? Was haben die für einen Firmenslogan? „We organize crime“?) und sie flieht mit ihm vor dem glatzköpfigen, hinterkopftätowierten Profikiller und landet schließlich mit Smith in einem Hotelzimmer, wo die beiden zwei und zwei zusammenzählen, den Aufenthaltsort ihres Vaters bestimmen und dann noch ein wenig rummachen bevor 47 sie erneut findet, Smith erschiesst und Katia ausknockt.

Natürlich ist nichts so wie es scheint und wer gut und wer böse ist, ändert sich das eine oder andere Mal, aber letztendlich machen sich 47 und Katia auf, um ihren Papa zu finden, die Welt zu retten, viel zu schiessen und einiges in die Luft zu sprengen.

Der aufmerksame Leser mag zwischen den Zeilen herausgehört haben, dass die Handlung des Films ziemlich plump war und mich nicht überzeugt hat. Man hat versucht eine clevere Geschichte zu erzählen, stand sich dabei aber mit zu vielen blöden Anfängerfehlern im Weg. Grundsätzlich ist die Idee, den Helden anfangs als Bösewicht einzuführen und im Laufe der Handlung alles auf den Kopf zu stellen ja gut, aber allein durch die Namensgebung von „Syndicate international“ usw. fällt selbst der durchschnittliche RTL2-Gucker nicht darauf rein. Schade.

Und das Cliffhanger-Ende, welches auf eine Fortsetzung abzielt, die es vermutlich nie geben wird, geht gar nicht.

Die Charaktere:
Agent 47 war jetzt vermutlich nicht die ganz große schauspielerische Herausforderung. Er ist so eine Art Terminator mit ähnlich abwechslungsreicher Mimik und taut nur gegen Ende des Films ein wenig auf. Bis dahin passiert in seinem Gesicht nahezu nichts und die Dialoge klingen ein wenig wie die automatische Stimme aus meinem Navi.

Katia war hingegen tatsächlich einigermaßen sympathisch und ganz gut gespielt.

Agent Smith (hat sich da echt jemand getraut seinen Bösewicht nach „Matrix“ nochmal so zu nennen?) war anfangs noch ganz nett charmant und ist dann aber später zu sehr in seine etwas alberne Bösewicht-Rolle verfallen, die leider auch nicht wirklich gut gespielt war.

Der Look:
Der Film sah, solange keine großen Spezialeffekte zu sehen waren, ganz gut aus. Die Action war routiniert inszeniert und die Schauplätze stimmungsvoll.
Sobald CG zum Einsatz kam, sah man das aber leider sehr deutlich und das liess den Film dann doch ziemlich billig aussehen.

Fazit:
Hitman ist einer dieser Filme, die man getrost auslassen kann, die jetzt aber auch nicht großartig weh tun, wenn man sie trotzdem guckt. Wenn man Lust hat auf einen Hirn-aus-Actionfilm, kann man Hitman gucken. Auch mit Hirn aus runzelt man zwar das eine oder andere Mal die Stirn, aber immerhin bleibt es dabei und man hat nicht Bedürfnis, den Kopf gegen die nächste Wand zu hauen.

Habt ihr Hitman: Agent 47 gesehen?
Wie fandet ihr den Film?

Trailer: © Courtesy of 20th Century Fox. Promotional use only.

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2 responses to “Kritik: Hitman: Agent 47”

  1. Florian says :

    Wenn Du das so sagst… muss ich dir zustimmen. Irgendwie fallen Spielverfilmungen tatsächlich bisschen aus der Reihe 😀 Hitman habe ich auch (noch vor Popcornfilm-Zeiten und daher ohne Kritik) gesehen. Aber das was du schreibst passt ziemlich gut zum Film.

    Gefällt 1 Person

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  1. Die besten Filmposter 2015 | AUGEN² - 16. Februar 2016

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