Kritik: The Revenant

Es gibt so Filme, die sind zwar super und jeder erzählt mir ständig davon, wie super sie sind, aber trotzdem muss ich mich irgendwie selbst dazu überreden sie zu gucken.

The Revenant gehört dazu.

Ich bin nicht der größte Fan von Leonardo DiCaprio, auch wenn er ein wirklich guter Schaupieler ist. Vermutlich ist´s bei mir und Leo ein typischer Fall von „Mir gefällt Dein Gesicht nicht.“ Möglicherweise hat es immer noch mit Titanic zu tun, aber in meiner Wahrnehmung hat der Herr DiCaprio ein quasi unübersehbares Milchgesicht und ich tue mich – selbst bei großartigster Schauspielleistung seinerseits – schwer ihn als den harten Kerl ernst zu nehmen. Das fand ich schon bei „Blood Diamond“ schwierig und das setzte sich bei „Inception“ fort. Und nun also „Revenant“. Immerhin hat er da einen dicken Bart und man sieht das Gesicht nicht so.

Und auch die Prämisse „Überlebens- und Rachedrama“ fand ich jetzt im ersten Moment nicht sooo reizvoll.

Aber ich hab mich dennoch aufraffen können. Mal sehen…

Die Handlung:
Irgendwann in den 1800ern ist ein Haufen bärtiger Trapper in der arschkalten Pampa von Amerika unterwegs, um Felle einzusammeln und gewinnbringend zu verkaufen.
Die Idee haben leider auch ein paar Indianer – mit dem Unterschied, dass sie auch die Felle, die die Trapper auf dem Kopf und im Gesicht haben, ganz gut finden. Also kommts zum Kampf, viele Trapper sterben und sie können sich mit knapper Not über den Fluss retten.

Die Eingangsszene war toll gemacht und dynamisch in einer einzigen Einstellung gefilmt, aber der Anfang des Films hat mich dennoch nicht gleich gepackt. Die Trapper waren durch die Bank entweder unsympatische Arschlöcher oder schlichtweg uninteressant und die gebotene Situation war damit auch nicht gerade packender.

Man macht sich also auf die Socken, um quer durch die Wildnis zu latschen, um am Ende vermutlich irgendeinen reichen Russen zu finden, dessen Frau auf dicke Pelzmäntel steht. Der scheint offenbar irre gut zu bezahlen, denn sonst würde sich der weite Weg quer durch Täler und über Berge, die aussehen wie der kleine Bruder vom Himalaya kaum lohnen.

Sei´s drum… Trapper Leo hat in der Vergangenheit offenbar schonmal mit dem Wolf getanzt es sich mit einer Indianer-Mutti gemütlich gemacht – woraus letztlich sein Halbblut-Sohn (nicht Apanatschi!) Hawk entstand, der natürlich auch mit auf großer Fell-Fahrt ist.

Als Leo gerade mal hinter einen Baum geht, um auszutreten, ist er unwissend scheinbar in die wäldliche Damentoilette gelatscht und wird prompt von einer ungehaltenen Bärendame vermöbelt.

Leo ist also dermaßen ausser Gefecht, dass er gleich mehrere Nahtoderfahrungen hintereinander macht und seine Kollegen ihn fortan durch die Gegend tragen müssen.
Blöderweise wird das Gelände zunehmend unwirtlicher und die faulen Säcke halten es für eine prima Idee, den sterbenden Kerl mit seinem Sohn vom größten Unsympathen und einem kleinen Jungen betreuen zu lassen, bis sie wieder da sind.

Captain Unsympath hat nach drei Tagen Krankendienst keine Lust mehr auf den Job und beschließt Leo abzumurksen, was sein Sohn aber nicht so toll findet, was ihm ein Messer im Bauch einbringt. Und weil sie so irre nett sind, machen die Trapper daraufhin die Biege, lassen Leo neben seinem toten Sohn zum Sterben zurück und machen sich auf den Nachhauseweg. Damals gabs also auch schon Mobbing unter Kollegen.

Leo, der in einem Moment noch fiebrig und kaum ansprechbar, mit gebrochenen Knochen und aufgeschlitzer Kehle grunzend auf einer Liege herum vegetiert, bekommt es scheinbar ganz gut, einen halben Tag bei Scheisskälte im Wald herumzuliegen und er findet plötzlich genug Kraft um sich aufzuraffen, durch den Wald zu krabbeln, eklige Sachen zu essen und so wieder zu Kräften zu kommen.

Und nun ist klar, was er vor hat: Rache!

Die Handlung von The Revenant hat mich nie so richtig gepackt. Für meinen Geschmack wars etwas zu meditativ und zu sehr auf anspruchsvoll getrimmt, ohne dabei aber letztlich die entsprechende Substanz zu haben, die diesen Anspruch untermauert.

Die Charaktere:
Allen voran natürlich Leonardo DiCaprio, der sehr überzeugend leidet. Ob das einen Oscar wert ist, müssen andere Leute entscheiden. Auch wenn´s Leo ärgern würde, ich persönlich hätte das Goldmännchen eher an Michael Fassbender vergeben.
Richtig verblüfft war ich, als ich erst zur Mitte des Films Tom Hardy als Captain Unsympath erkannt habe. Auch er hat gut gespielt, war aber so hinter seinem Bart versteckt, dass er kaum zu erkennen war.
Irgendwie gibts viele harte Kerle, die viel grunzen, brummeln und spucken. Das aber äußerst authentisch.

Der Look:
Für mich der eigentliche Grund diesen Film zu sehen. Die Handlung konnte mich nicht begeistern, aber audiovisuell ist The Revenant ein absolutes Meisterwerk. Weite, ruhige Aufnahmen der wunderschönen, meist bläulich kühl gehaltenen Landschaft wechseln sich mit intensiven, gnadenlosen Nahaufnahmen ab und entwickeln zusammen eine derartige Kraft, dass man kaum blinzeln möchte, um nichts zu verpassen. Allein der Angriff des Bären ist derart intensiv eingefangen, dass man meint, jede Pranke und jeden Biss selbst zu spüren.

Wo ich mit bei Leonardo und dem Oscar nicht sicher bin, würde es mich sehr wundern, wenn Emmanuel Lubezki für seine Kameraarbeit und Regisseur Alejandro González Iñárritu nicht so ein güldenes Männchen mit nach Hause nehmen dürften. Verdient hätten sie´s.

Fazit:
Ein Film zum Zurücklehnen und einsaugen. Nicht rundum ein Meisterwerk und ein Stückchen zu lang, aber nichtsdestotrotz ein sehr gutes Anschauungs-Beispiel über die Macht der Bilder. Im wahrsten Sinne des Wortes ist The Revenant wirklich sehenswert.

Habt ihr The Revenant gesehen?
Wie fandet ihr den Film?

Hat euch diese Rezension gefallen?
Dann freue ich mich, wenn ihr auf „folgen“ oder „like“ klickt.

Vielen Dank!

Trailer: © 20th Century Fox of Germany GmbH. All Rights Reserved.

„The Revenant“ gibts auch bei Amazon:

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About Uebelator

Filmfan, Videospieler, Nerd.

6 responses to “Kritik: The Revenant”

  1. Ma-Go Filmtipps says :

    Ich habe den Film noch nicht gesehen. Aber was du da beschreibst, habe ich damals bei Birdman erlebt. Alle sagen wie gut er ist und eigentlich IST er auch gut gemacht. Nur fand ich ihn stinklangweilig.

    Gefällt 1 Person

    • Uebelator says :

      Ja, manchmal „klicken“ Filme bei einem seltsamerweise nicht. Hatte das relativ lange bei Blade Runner. Fand immer, dass der gut gemacht war, aber es hat eine Weile gedauert, bis ich erkannt habe, wie großartig der wirklich ist.

      Gefällt mir

  2. franziska-t says :

    „Und nun also “Revenant”. Immerhin hat er da einen dicken Bart und man sieht das Gesicht nicht so.“ – Ich mag sehr wie du schreibst. An dieser Stelle musste ich sehr lachen, auch wenn ich inhaltlich mit dir da nicht übereinstimme. Ich fand ihn auch in BLOOD DIAMOND und INCEPTION großartig. Auch mit Milchbubigesicht. Aber ich bin auch eine Frau, da ist das wahrscheinlich nochmal was anderes. 😉

    Zum Film: Ich war vom Thema her auch nicht unbedingt angetan. Aber wegen BIRDMAN und Lubezki und Leo in einem Film, das konnte ich mir nicht entgehen lassen. Mir gefielen der Look und die Charaktere wirklich gut. Nur diese Albträume und Visionen von Glass‘ Frau und Sohn waren mir too much. Es ist ein Western. Gut gegen Böse. Das braucht keine dramatische Hintergrundstory, wenn du mich fragst. Leo gewinnt hoffentlich einen Oscar. Ich fand ihn viel viel viel viel besser als Michael Fassbender, obwohl der mit FRANK, MACBETH und STEVE JOBS im letzten Kinojahr wirklich fassettenreich und großartig gespielt hat.

    Hier meine Review: https://filmkompass.wordpress.com/2016/01/07/the-revenant-2015/

    Gefällt 1 Person

    • Uebelator says :

      Danke für das Lob. Es freut mich sehr zu hören, dass Du Spaß mit meinem Geschreibsel hast. 🙂
      Und bitte nicht falsch verstehen: Ich finde Leo als Schauspieler auch gut und er kann echt was. Keine Frage. Nur den harten Kerl kaufe ich ihm so wenig ab, wie ich Arnold Schwarzenegger als Atomphysiker glaubhaft finde. 😉

      Gefällt 1 Person

  3. Belkor says :

    fand den film so schlecht,fällt unter die kathegorie: kennse den trailer – kennse den film. zu lang,zu trocken,zu vollgestopft mit füller,erzeugte bei mir 0 atmo. das einzige was dieser film richtig gemacht hat,war versagen..und das von a bis z.

    wobei ok,die kameraführung war teils echt nett. aber joa,das alleine ergibt noch lange keinen runden film.

    Gefällt mir

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