Kritik: The Last Witch Hunter

Hexen. Diese freundlichen, alten – zugegebenermaßen nicht unbedingt nach aktuellen Schönheitsidealen geformten – Damen habens aber auch wirklich nicht leicht.

Da zieht man sich schon in den Wald zurück, backt sich da mühselig ein Häuschen aus Pfefferkuchen und dann kommen – wenn man noch Glück hat – zwei dickliche Kinder und schubsen einen in den eigenen Umluftherd. Die weniger Glücklichen wurden gern mal direkt von der Inquisition abgeholt und auf den Scheiterhaufen dieser Welt zu knusprigem Hexen-Schaschlik verbrutzelt.

Abseits vom Kasperle-Theater und den alten Märchen dieser Grimm´schen Brüder waren Hexen für längere Zeit eher out, aber filmisch haben sie dennoch überlebt und erfreuen sich anhaltender Popularität. Ob eher lustig, wie bei den Hexen von Eastwick, gruselig wie beim Blair Witch Project, oder magisch wie bei Harry Potter – Hexen sind in Hollywood gern genommen, kommen aber bis auf wenige Ausnahmen nur selten richtig gut weg.

So auch in – der Name lässts vermuten – The Last Witch Hunter.

Die Handlung:
Ja, Hexen gibts wirklich. Und die sind nicht etwa nur so putzige alte Kräuterfrauen, sondern – so wie ich das verstanden habe – Menschen, die mit der Gabe der Magie gesegnet (oder verflucht) sind. Eigentlich sind die Hexen – von denen es komischerweise auch männliche Exemplare gibt – sogar ganz nette Leute, aber im Mittelalter wurden sie angeführt von der Hexenkönigin, einer grünlichen Tante mit einem extrem schweren Fall von Gesichtsflechte. Diese royale Unruhestifterin wohnt in einem großen Hexenbaum und züchtet sich da massenhaft Fliegen, die die Pest über die Menschheit bringen sollen, weil… das irgendwie böse ist.

Aber die Menschheit hat Glück. Es gibt einen Club von Hexenjägern, dessen Einstellungskriterium ein IQ von unter 80 und ein möglichst langer, struppiger Bart ist.

Zu diesem Club der Stinke-Hipster gehört auch Kaulder, gespielt von Publikumsliebling und Charakterdarsteller Vin Diesel. Zusammen mit seinen gesichtsbehaarten Kollegen, hat er sich aufgemacht, um den Hexenbaum zu fällen, die Hexenkönigin zu töten und damit die Menschheit zu retten.

Das klappt soweit ganz gut und Kaulder versenkt sein Schwert in der Königin Leib. Doch Hexe wäre nicht Hexe, wenn die nicht noch ein Ass im Ärmel hätte. Die Alte rammt ihm nämlich ihre Hand in den Bauch (was ansich ja schonmal gemein ist) und verflucht ihn. An dieser Stelle denkt man jetzt: „Oha, Fluch… das kann ja nichts gutes bedeuten. Der Arme…“, aber die Königin sagt dann sowas wie: „Ich verfluche Dich mit dem ewigen Leben.“

Äh… bitte? Ewiges Leben?

Also ich weiss ja nicht, aber ich erinnere mich noch gut daran, dass alle möglichen Leute – einschließlich Indiana Jones – nach dem heiligen Gral gesucht haben, weil der ewiges Leben verleiht. Ist das also nicht eher etwas, worüber man sich freuen sollte?

Naja, einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul und so vergehen dann die Jahrhunderte, bis wir erzählerisch schließlich in der Gegenwart landen. Kaulder lebt immernoch, hat sich aber überraschenderweise sowohl im Gesicht, als auch auf dem Kopf rasiert (wo noch, will ich gar nicht wissen), obwohl Hipsterbärte jetzt ja gerade schwer in Mode sind. (Oder schon nicht mehr? Bin da nicht so firm, was das Trend-Barometer angeht.)

Jedenfalls wundert sich Kaulder nur bedingt darüber, warum ihm die alte Hexennudel nun unbedingt Unsterblichkeit verpassen wollte und eiert nun so durch die Welt und macht irgendwas. Eigentlich ist er arbeitslos, weil Hexen und sein komischer Hexenjägerbund eine Art Frieden geschlossen haben. Die Hexen versprechen, keinen Scheiss zu machen und Vin verspricht, ihnen dafür nicht die Fresse zu polieren. So läuft das.

Kaulder hat bei seinem Nichtstun aber auch noch Hilfe von einem alten Priester – gespielt vom allgegenwärtigen Michael Caine. Und als dieser Priester umgebracht wird und Kaulder anfängt, die Spuren zu verfolgen, kommt er dem einen oder anderen Geheimnis auf die Spur, das wieder einmal droht – man ahnt es bereits – die Menschheit zu vernichten.

Das muss also verhindert werden und Hilfe bekommt er da bei seinem neuen, jungen Priesterkumpel und einer leicht magersüchtigen, dafür aber klischee-konform rothaarigen Hexe.

Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass bei diesem Film irgendwas schief gelaufen ist, denn eigentlich hätte die Handlung und das Szenario für einen Action-Film ganz spannend sein können.

Die Welt, die einem präsentiert wird, bietet genug Hintergrund und Stoff für eine faszinierende Geschichte, aber die Art und Weise, wie diese hier erzählt wird, ist viel zu verschwurbelt und überladen und man fragt sich an vielen Stellen, was das denn jetzt sollte. Man hört hier und da mal interessante Ideen, wie z.B. dass Kaulder in seiner langen Lebenszeit alles mögliche miterlebt und allerlei wichtige Gestalten der Geschichte gekannt hat, aber das wars dann leider auch schon wieder mit diesen Ideen. Es gibt zu viele Löcher und offene Fragen, wie z.B. die um Kaulders Familie. Ich wollte den Film gern mögen, weil viel Potenzial drin steckt, aber leider wurde nur ganz wenig davon genutzt und das Ergebnis davon ist am Ende leider nur mittelmäßig.

Die Charaktere:

Kaulder ist Vin Diesel und Vin Diesel ist – ähnlich wie Arnold zu seiner Zeit – eine gute Besetzung für genau eine Art von Rolle. Er ist kein guter Schauspieler. Ich bin mir nichtmal sicher, ob er überhaupt ein Schauspieler ist, denn seine Rollen sind irgendwie alle gleich, nur dass er bei Riddick weniger grinst. Wie dem auch sei… Als Kaulder war er eigentlich ganz gut besetzt, aber das Drehbuch liess ihm leider wenig Gelegenheit seinen Charme und seine Coolness zu zeigen. So bleibt Kaulder lediglich ein zielorientierter Klotz.

Michael Caine tut, was er mmer tut. Er ist der alte Berater und hat sein Alfred-Butler-Kostüm hier einfach durch einen weissen Kragen ergänzt. Warum er in diesem Film mitspielt und wie groß der Gehaltsscheck gewesen sein muss, um ihn zu überreden, bleibt mir aber unklar.

Als junger Gehilfe tritt Elija Wood auf, der wie immer irgendwie albern und fehl am Platz wirkt.

Um auch ein wenig weiblichen Einfluss zu haben, komplettiert noch die junge Hexe die Runde, die von Ygritte aus Game of Thrones gespielt wird. Sie ist verblüffenderweise der einzige Charakter, bei dem man auch nur einen Hauch von Emotionen spürt und die Kaulder das eine oder andere Mal Paroli bietet. Glücklicherweise hat man auf die Romanze zwischen ihr und Kaulder verzichtet und nur hier und da mal etwas Sympathie angedeutet. Komischerweise gibts im Trailer eine Kuss-Szene, die entweder so im Film nicht vorkam, oder die ich schon wieder ausgeblendet habe.

Der Look:
Das Produktionsdesign ist super. Ich mag die Kostüme, ich mag die Sets und den allgemein irgendwie dreckigen Look der Welt. Einige der Magie-Effekte waren richtig schick und kreativ umgesetzt und umso bedauerlicher ist es, dass man mit der Story nicht ähnlich kreativ gewesen ist.

Fazit:
Ein Film der verpassten Chancen. Überall schimmern tolle Ideen durch und man wundert sich ständig darüber, dass all diese Ideen nicht weiter verfolgt wurden. Schade, denn das Design ist toll und die Charaktere hätten viel Potenzial für eine tolle Geschichte. Leider wurde diese hier viel zu inkonsequent und überladen erzählt.

 

Habt ihr The Last Witch Hunter gesehen?
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Trailer: © 2015 Concorde Filmverleih GmbH

„The Last Witch Hunter“ gibts auch bei Amazon:

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