Wenn man Kritiken übersetzen muss…

Immer mal wieder stolpere ich während meines Studiums diverser Online-Seiten über Filmkritiken, die sprachlich so verkopft und pseudo-intellektuell daher kommen, dass ich nur mit dem Kopf schütteln kann.

Bei der Besprechung von Büchern ist – selbst bei lausigsten Schmierenromanen – so ein verschwurbeltes Geblubber, bei dem möglichst viele Worte genannte werden, die irgendwie so klingen als könnten sie das Gegenüber abhängen, ja schon lange Gang und Gebe. Was gedruckt auf Seiten steht muss ja schließlich einen intellektuellen Anspruch haben und gefälligst so behandelt werden.

Fragt mal die Leser der Bild.

Wie dem auch sei… Ich schaue regelmäßig auf der News-Seite eines großen deutschen Magazins vorbei und schätze die Beiträge dort eigentlich sehr, aber die Filmkritiken sind – unabhängig von deren Inhalt – rein sprachlich manchmal wirklich auf Niveau des literarischen Quartetts. Im – in meinen Augen – negativen Sinne.

Da wird z.B. gerade Tarantinos neuester Film „The Hateful Eight“ besprochen (von der Lektüre kann ich nur abraten, da die Rezension wohl erhebliche Handlungspunkte verrät.) und der Autor endet mit dem Satz:

„Lakonisch formuliert Tarantino damit seine Sehnsucht nach einem Amerika, das vielleicht doch noch die Matrix seiner Barbarei transzendieren kann.“
(Andreas Borcholte auf Spiegel.de, Montag, 25.01.2016)

Äh ja…

Ich sage nicht, dass man sich mit seinen Texten an die „verblödeten Massen“ (sofern es die denn überhaupt gibt und wer auch immer das dann sein mag) halten sollte und sie daher extra für Dumme formuliert, („Digga, waaas?!?) aber für wen ist denn so ein Text bitte geschrieben? Ich meine, es geht hier um einen Film von Tarantino (dessen Dialoge vermutlich wieder toll sind) und nicht um Schiller oder Shakespeare. Und selbst bei denen, könnte man sich doch an eine Sprache halten, die etwas… ich sag mal… eingängiger ist.

In der Rezension zu „Carol“ finden sich Sätze wie:

„Doch wo Haynes zuvor durch das Stilmittel des Pastiche die Diskrepanz zwischen ästhetischer und erzählerischer Konvention hervorhob – die grellen Farbkontraste in „Dem Himmel so fern“ waren zeitgetreu, gleichwohl hätte im Hollywood des Hays Code nie so offen von gleich zwei verbotenen Lieben erzählt werden können -, strebt er hier erstmalig Realismus an.“
(Hannah Pilarczyk auf Spiegel.de, Dienstag, 15.12.2015)

Ich habe die Weisheit absolut nicht mit Löffeln gefressen (wie man vermutlich an etlichen unentdeckten Tipp- und Grammatikfehlern in meinen Rezensionen sehen kann), aber ich halte mich selbst auch nicht für ganz doof. Doch ich muss zugeben, dass ich – wo ich bei dem Satz zu „The Hateful Eight“ noch den Sinn verstanden habe – hier sogar Schwierigkeiten habe, den Satzbau zu erkennen.

Warum macht man das so?
Um sich selbst als gebildeten Intelligenzbolzen zu profilieren?
Um eine Zielgruppe anzusprechen, die vermutlich so elitär ist, dass sie sich nichtmal mehr mit Filmrezensionen beschäftigt?

Mir erschließt sich das jedenfalls nicht, denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie irgendjemand so einen Satz liest, Spaß dabei hat und denkt: „Bravo! Genau so hätte ich das auch gesagt!“

Bei der Integration von Flüchtlingen wird ja immer mal wieder darüber diskutiert, dass diese doch bitte die deutsche Sprache beherrschen sollen, damit man sie verstehen kann.
Vielleicht wäre das für die Integration von einigen Kritikern auch ganz hilfreich.

 

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Filmfan, Videospieler, Nerd.

2 responses to “Wenn man Kritiken übersetzen muss…”

  1. Ma-Go Filmtipps says :

    Hehe, ein wahres Wort. Ich fühle mich jetzt mal einfach nicht angesprochen. Immerhin bin ich ja auch kein Filmkritiker 😉

    Gefällt 1 Person

  2. Diana says :

    Kann deine Meinung absolut nachvollziehen. Ich lese Kritiken in Zeitungen wie der Süddeutschen oder der Frankfurter Allgemeine kaum noch, weil das ein Niveau ist, das mich nicht anspricht – und ich behaupte von mir auch nicht, es nicht verstehen zu WOLLEN, aber warum so kompliziert? Weniger ist mehr.

    Gefällt mir

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