Kritik: Creed

Alle Jahre wieder macht sich ein Promi, oder einer der mal prominent war, oder jemand der ein Verwandter von einem Promi ist, auf die Socken, um ein wenig Geld zu verdienen, weil es in der eigenen Kasse gerade nicht so rosig aussieht. Einige davon sind auch dabei, weil sie „die eigenen Grenzen testen“ wollen oder sie das alles für eine „großartige Erfahrung“ halten.

Also bereiten Sie sich vor, präsentieren sich den johlenden Massen und lassen sich vor laufender Kamera kräftig in die Fresse schlagen.

Schon toll, dieses Dschungelcamp.

Aber was für die unverwüstliche RTL-Vorführfernseh-Institution gilt, kommt eigentlich auch für so ziemlich jeden Rocky-Film ganz gut hin.

Und wie die Zuschauer des Verblödungs-Fernsehens (zugegeben, ich gucke das Dschungelcamp auch mal ganz gern) schaltet man zu jeder neuen Staffel wieder ein, trotz – oder gerade wegen – der Tatsache, dass man irgendwie schon vorher weiss, was man kriegt.

Creed hat zwar nicht mehr „Rocky“ im Namen, aber er reiht sich ganz prächtig in die legendäre Boxer-Reihe ein.

Aber bevor ich jetzt mit meiner Creed-ik (sorry für das doofe Wortspiel) anfange, möchte ich um einen Moment der Stille und um einen Klick auf dieses Youtube-Video bitten, denn kein Rocky, ohne die Rocky-Mucke.

Die Handlung:
Was waren das für Zeiten, als Rocky Balboa noch selbst geboxt hat… Im ersten Teil gegen den Weltmeister Apollo Creed. Rocky verlor den Kampf, ging aber über alle Runden und konnte der Welt und vor allem sich selbst beweisen, dass er es schaffen kann selbst gegen einen Weltmeister zu bestehen. Toller Film.
Im zweiten Teil gab es dann das Rematch und Rocky ging als Sieger hervor.
Als Belohnung dafür durfte er in Teil 3 sogar Mr. T auf die Nase kloppen und freundete sich mit seinem ehemaligen Rivalen Apollo Creed an.
In Rocky 4 haben dann die bösen Russen in Form des blonden Schweden Dolph Lundgren Apollo Creed im Ring so heftig zusammengehauen, dass er dort starb. Böse.

Nach der einen oder anderen weiteren Forsetzung, die erstmal nicht weiter wichtig ist, kommen wir nun also in der Gegenwart von „Creed“ an.

Adonis Johnson (blöder Name, aber wenn der Papa Apollo heisst, ist ein griechischer Mythologie-Vorname irgendwie Pflicht) ist der Sohn von Apollo Creed, der seinen Vater aber nie kennengelernt hat. Entstanden bei einer Affäre seines Vaters, verbrachte er seine Kindheit in diversen Heimen und lernte dort seine Fäuste einzusetzen, bis sich schließlich Creeds Witwe dazu entschied, den Jungen bei sich aufzunehmen.

Von da an lebt er im Luxus und ist eigentlich auf einem guten Weg Karriere in der Finanzbranche zu machen („Du willst den Kredit nicht?!? 12 Runden, nur Du und ich!!!“) und boxt immer mal wieder in irgendwelche Absteigen in Mexiko. Adonis merkt, dass seine Leidenschaft beim Boxen liegt und möchte in die Fußstapfen seine Vaters treten und sich selbst einen Namen machen, aber niemand im Dunstkreis seines Vaters will ihn trainieren.

Also beschließt er aus der Villa seines Papas in L.A. auszuziehen und geht nach Philadelphia, um dort dessen alten Freund Rocky Balboa um Hilfe zu bitten.

Rocky hat mittlerweile ein Restaurant („Adrian´s“) aufgemacht und will mit dem ganzen Box-Business nichts mehr zu tun haben. Außerdem erkennt er Adonis nicht als Apollos Sohn und wusste gar nicht, dass es ihn überhaupt gibt, aber über kurz oder lang wird er dennoch weich und stimmt zu den jungen Mann zu trainieren.

Im ersten richtigen Kampf besiegt Adonis seinen Gegner unter seinem „Johnson“ Namen, weil er eben nicht mit seinem Vater in Verbindung gebracht werden will, aber die Medien bekommen natürlich Wind davon. Genauso wie der Manager des amtierenden Weltmeister, einem großmäuligen Schlägertypen aus England. Weil dieser seinen Gegner schon in der Pressekonferenz auf die Bretter geschickt hat, steht er nun ohne Gegner da und jemand mit einem großen Namen wie Creed kommt ihm da gerade recht.
Also wird der Kampf zwischen Adonis und dem Weltmeister angebahnt. Genau wie im ersten Rocky Film.

 

Die Handlung ist absolut nicht überraschend und man bekommt alles, was man von einem Rocky-Film erwartet. Der Underdog, der sich mit Willenskraft und harter Arbeit hocharbeitet und seine Chance auf den großen Titel bekommt. Aber dieses Rezept funktioniert noch immer.

Aber Creed ist nicht nur ein Film übers Boxen. Es geht viel um die Themen „Verlust“ und „Familie“. Adonis, der nie seinen Vater kennengelernt hat, ihm aber trotzdem beweisen will, dass er kein Fehler war, Rocky der jetzt außerhalb des Ringes steht und nun ganz andere Kämpfe auszufechten hat, Adonis´ Freundin, die Sängerin und Songwriter ist, aber an einem fortschreitenden Hörschaden leidet, der sie über kurz oder lang ertauben lässt…

Man sieht hier keinen Action-Film mit Boxern, sondern einen Film über Menschen, die versuchen das Beste aus ihrem Leben zu machen und die alles tun, um genau das zu machen, was sie lieben, egal was morgen kommt.
Und darum funktioniert der Film.

Die Charaktere:
Adonis ist in meinen Augen leider der schwächste der Charaktere in diesem Film. Michael B. Jordan gibt sich redlich Mühe ihn so gut wie möglich zu spielen, aber irgendwie kam da bei mir nur selten so richtig was an und er blieb über weite Strecken eben nur dieser junge Mann mit einem klaren Ziel vor Augen.

Stallone als Rocky ist vermutlich großartiger als je zuvor. Ich bin mir nicht sicher, ob die Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller wirklich nur für diesen Film oder eher für sein Lebenswerk gilt. Aber egal… Rocky ist in diesem Film ein liebenswerter Kerl. Nicht der schlaueste Typ der Welt, aber mit dem Herz am rechten Fleck.
In einer der besten Szenen des Films besucht er seinen verstorbenen Freund und seine Frau auf dem Friedhof, erzählt ihnen, was so passiert ist, nimmt sich einen Klappstuhl, setzt sich zu ihnen und liest in der Zeitung.
Und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl mit Stallone einen alten Mann zu sehen, keinen Action-Helden. Und diese Rolle steht ihm sehr gut.

Fazit:
Creed ist ein guter Film. Nicht überraschend, aber gut und stellenweise tatsächlich sehr herzlich und warm und das ist genau die Mixtur, die ein Rocky-Film braucht. Ja, es geht um Boxer und ja, wir wollen sehen, wie die sich hauen, aber das geht nur mit den entsprechenden, geerdeten, liebenswerten Charakteren. Und die gibt es in Creed.

Ob ich den Film oder die Schauspieler für einen Oscar nominieren würde? Vermutlich nicht, denn da gibt es schon noch andere Kaliber. Trotzdem ist Creed ein sehr gut gemachter, gut gespielter Film, den ich mit gutem Gewissen empfehlen kann.

Habt ihr Creed gesehen?
Wie ist eure Meinung zum Film?

Gefällt Euch diese Kritik?
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Trailer:© metro-goldwyn-mayer pictures inc. and warner brothers entertainment inc.

„Creed“ gibts auch bei Amazon:

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