Die Oscars 2016 – Oder: Seid ihr denn alle doof?

Einmal jedes Jahr drehen die die Filmschaffenden in Hollywood komplett durch, feiern sich selbst, betrinken sich heftig und freuen sich drüber, dass ihre Filme nochmal richtig Zulauf bekommen, weil sie jetzt so ein goldenes Püppchen im Regal stehen haben.

Um mehr gehts da nicht. Ja, es ist der wichtigste Filmpreis der Welt, aber Filmpreise sind ja jetzt ansich nicht so super wichtig, wie z.B. ich sag mal… der Klimwandel.

Aber wie es häufig mit Dingen ist, die eigentlich nicht so wichtig sind: Diejenigen, die es betrifft nehmen sich selbst irre wichtig und da gibts irgendwie jedes Jahr das eine oder andere Oscar-Skandälchen.

In diesem Jahr regen sich z.B. allerlei Schauspieler afro-amerikanischer… äh… Schaupspieler mit dunkler… also… wie sagt man dass denn jetzt bitte politisch korrekt?
Ich versuchs mal so und wenns falsch sein sollte, so verbessert mich bitte:

Dunkelhäutige Schauspieler und Regisseure regen sich gerade irrsinig drüber auf, dass in diesem Jahr kein einziger Künstler mit der gleichen Hautfarbe für den Oscar nominiert ist, werfen der Academy Rassismus vor und wollen nun die gesamte Veranstaltung boykottieren. Und nicht nur das… Jetzt soll – wenn es nach den Leuten geht, die sich aufregen – selbst Chris Rock, der das Ganze moderieren soll und dummerweise auch stärker pigmentiert ist, ebenfalls absagen.

Seid ihr denn alle doof?

Ja, es ist mit Sicherheit ein Problem – nicht nur in der Filmbranche sondern weltweit überall -, dass Menschen in Abhängigkeit ihrer Hautfarbe unterschiedlich behandelt werden. Es ist für Farbige schwieriger einen guten Job zu finden und dann auch noch das gleiche Gehalt zu bekommen, wie die weissen Kollegen. Das ist ungerecht und das darf so nicht sein. Und ja, man darf auch im Rahmen einer Veranstaltung wie den Oscars mal darauf hinweisen, dass das so ist und dass man daran mal was ändern sollte. Genauso wie man mal drauf hinweisen kann, dass Frauen immernoch nicht die gleichen Gehälter bekommen wie Männer. Oder dass in Amerika jedes jahr über 400.000 Menschen durch Schusswaffen sterben.
Aber zurück zum Thema:

Könnte es nicht sein, dass die Academy nicht aus einem Haufen alter, weisser Rassisten besteht, sondern dass es einfach der Fall ist, dass es eben deutlich mehr weisse, erfolgreiche Schauspieler und Regisseuere gibt, als schwarze? Auf einen schwarzen Regisseur kommen zum Beispiel 16 Regisseure mit hellerer Hautfarbe. Und in den 100 erfolgreichsten Filmen in 2012 waren z.B. nur rund 11% der Sprech-Rollen mit schwarzen Schauspielern besetzt. (Woher das kommt, könnte man durchaus auch nochmal thematisieren ) Könnte es also nicht sein, dass es in diesem Jahr einfach mal so war, dass die – in den Augen der Academy – besten Filme nunmal zufällig die waren, die von den überwiegend weissen Leuten im Business gemacht wurden?

Ja, Idris Elba hat mit „Beasts of No Nation“ in einem Film mitgespielt, der potenziell hätte nominiert werden können. Wurde er aber nicht. So what?

Soll man jetzt zusätzliche Oscars einführen für die „Beste schwarze männliche und weibliche Hauptrolle“ und für den „Besten schwarzen Regisseur“?
Bitte nicht. DAS wäre in meinen Augen Rassismus.

Ist es nicht ein wenig zu einfach immer gleich die Rassismus-Karte zu spielen und „Skandal“ zu rufen? Speziell bei so etwas vergleichsweise unwichtigem wie einem Filmpreis wirkt das doch etwas albern.

Alfred Hitchcock wurde z.B. 5 Mal für den Oscar nominiert und hat nie gewonnen. Liegt es daran, dass die Academy keine Briten mag?
Und der Sound-Editor Kevin O´Connell wurde sogar satte 20 Mal nominiert und hat nie gewonnen. Mag da einer sein Gesicht nicht?
Oder könnte es eventuell daran gelegen haben, dass es blöderweise einfach immer einen Mitbewerber gab, der etwas besser war?

Ich selbst bin gehbehindert und gehöre damit irgendwie zu einer Randgruppe (Okay, der Vergleich meiner Behinderung mit einer Hautfarbe hinkt etwas (Pun intended),denn mir ist schon klar, dass ein schwarzer Schauspieler genauso gut spielen kann, wie ein weisser, aber ich hoffe, ihr versteht was ich sagen will), und ich kam mir auch nicht gleich diskreminiert vor und habe den Sportunterricht boykottiert, nur weil ich beim Völkerball nicht unter den Ersten war, die ins Team gewählt wurden. Es gibt eben immer Leute, die auf irgendeinem Gebiet besser sind als man selbst.

Ja, es gibt Probleme auf der Welt.
Ja, Schwarze und Weisse werden immer noch nicht gleich behandelt.
Ja, Männer und Frauen werden nicht gleich behandelt.
Ja, das ist alles nicht schön.
Ja, kann man drüber sprechen.

Aber die Aufregung um diesen blöden Filmpreis ist dann doch ein wenig überzogen und in etwa so albern, wie Sandra Bullock, die sich drüber aufregt, dass sie im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen zu schlecht bezahlt wird.
Und das von einer Frau, die allein an Gravity etwas mehr als 70 Mio. Dollar verdient und damit den fettesten Gehaltscheck bekommen hat, den es für eine weibliche Hauptdarstellerin je gab. Mehr an einem einzigen Film bzw. einer Filmreihe verdient haben nur ihre männlichen Kollegen Will Smith, Tom Cruise, Bruce Willis, Johnny Depp und Keanu Reeves. Will sie sich also ernsthaft drüber beschweren, dass es fünf Menschen gibt, die noch besser verdienen als sie selbst?

Wie dem auch sei… Leute (ja, ihr in Hollywood und ganz allgemein)… regt euch nicht auf, macht nicht aus jedem Scheiss ein Politikum, entspannt euch und habt Spaß.

In diesem Sinne: Schönes Wochenende

 

 

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About Uebelator

Filmfan, Videospieler, Nerd.

3 responses to “Die Oscars 2016 – Oder: Seid ihr denn alle doof?”

  1. Uebelator says :

    Die Kollegen von Filmschrott haben offenbar eine sehr ähnliche Meinung. 🙂
    https://filmschrott.wordpress.com/2016/01/22/mal-spontan-meine-meinung-zu-oscarssowhite/

    Gefällt mir

  2. franziska-t says :

    Ich habe bereits im letzten Jahr einen Beitrag zu den Oscars verfasst, allerdings behandelt der hauptsächlich die Langweiligkeit des ganzen Events. (https://filmkompass.wordpress.com/2015/02/20/warum-die-oscars-mehr-pepp-vertragen/) Ich kann immer noch nicht begreifen, warum ausgerechnet um die Oscars immer so ein rießen Drama gemacht wird. Warum sollen die Oscars wichtiger sein als z.B. die Baftas? Ich mag die Golden Globes viel lieber. Hauptsächlich wegen Ricky Gervais.

    Der Punkt ist doch, Preisverleihungen können nie alle guten Filme/Filmemacher würdigen. Weil es z.B. nur 10 Nominierte gibt, aber 53 nominierungswürdige Kandidaten. Bei Preisverleihungen gewinnen immer die, von denen die Mehrheit der Wähler überzeugt ist. Das heißt doch, derjenige, der den Geschmack der Meisten trifft, gewinnt. Ein Filmpreis ist also eine Konsenzentscheidung. Und daher gibt es auch inzwischen den Begriff des Oscar baits – ein Film, der möglichst vielen Leuten gefallen will um damit Preise abzustauben. Und ich mag mich ja täuschen, aber es gibt einfach wenig Filme von und mit Afroamerikanern, die sich die Mühe machen, allen gefallen zu wollen. SELMA war so, die haben auch einen Oscar für den besten Song gewonnen (immerhin, David Oyelowo hätte auch einen verdient gehabt).

    P.S. Sehr unterhaltsam fand ich den Beitrag der Daily Show (https://www.youtube.com/watch?v=EkpZTRUkFYI), wo kürzlich diskutiert wurde, wie man schwarze Filme für weiße Wähler attraktiv machen könnte.

    Noch ein P.S. Hab zwei Rechtschreibfehler in den ersten beiden Absätzen gefunden. Wollt’s nur erwähnt haben. 😉

    Gefällt 1 Person

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  1. Media Monday #244 | AUGEN² - 29. Februar 2016

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