Trends, die ich nicht verstehe: Retro-Games

Bevor ich jetzt so richtig mit diesem Beitrag loslege, möchte ich kurz erwähnen, dass ich von Berufswegen her Grafiker bin – also ein durchaus visuell geprägter Mensch und als solcher freue ich mich immer wieder darüber, wenn ich schöne Bilder und ansprechende Designs zu sehen bekomme.

Ja, ich bin auch Gamer und bin mit Video- und Computerspielen groß geworden. Das erste Rennspiel, das ich je gespielt habe, war Test Drive auf dem PC meines Vaters und es strahlte mir (ja, bei den damaligen Monitoren ware Strahlung echt noch ein Problem) in glorreichen 4 Farben entgegen. Und ich fand es toll.

Aaaaaber. Die Technik hat sich in den letzten 30 Jahren doch ein beträchtliches Stück weiter entwickelt und es gibt mittlerweile genügend Rennspiele, die wirklich wirklich gut aussehen.

So viel Spaß ich damals auch mit Test Drive hatte, ich würde nie – nicht in 1.000 Jahren – auf die Idee kommen, das Spiel nochmal einzuwerfen, wenn ich stattdessen die Forzas oder Gran Turismos dieser Welt haben kann.
Und damit bin ich bei meiner Kernfrage, die ich wirklich nicht verstehe:

Warum gibt es den Trend zu Retro-Games?

Ich kann durchaus nachvollziehen, dass viele Spieler sich die Spielmechaniken zurück wünschen, mit denen sie groß geworden sind und die es heute in aktuellen Spielen eben kaum noch zu finden gibt. Das ist vollkommen verständlich und wenn ich mir zum Beispiel „Legend of Grimrock“ angucke, welches den klassischen Dungeon Crawler á la „Dungeon Master“ wiederbelebt und mit zeitgemäßer Optik ausgestattet hat, macht das in meinen Augen absolut Sinn.

Aber dann gbt es eben auch Spiele, bei denen ich den krampfhaften Drang zur Retrofikation (wieder mal ein neues Wort ausgedacht…) einfach nicht raffe.
Dazu gehören zum Beispiel sämtliche Spiele von Wadjet Eye Games. Ja, die Jungs machen tolle Adventures und erzählen großartige Geschichten, aber warum zur Hölle nehmen sie ihre schönen Illustrationen und packen sie in diese krümelige 640 x 480-Optik, wie sie früher bei den LucasArts Adventures Standard war?

Die Betonung liegt hier auf früher. Selbst die Schöpfer der klassischen Adventures haben mittlerweile begriffen, dass es doch vielleicht eine gute Idee wäre, ihre alten Spiele etwas aufzupolieren und so für ein neues Publikum attraktiv zu machen. Erst kürzlich erschien eine Neuauflage von Grim Fandango und auch die Remastered Version von „Day of the Tentacle“ steht vor der Tür.

Warum also hält man an längst veralteten Grafik-Standards fest, wenn man genauso gut moderne, hochauflösende Grafiken und Sprites präsentieren könnte? Abseits vom Argument „Das ist voll cool und retro und so wie früher.“ erkenne ich da absout keinen Mehrwert. Und ich glaube nichtmal, dass es es mehr Arbeitsaufwand wäre, die Grafiken für ein Adventure in hochauflösend zu illustrieren und einzubinden.
Die Damen und Herren der Spieleschmiede Daedalic haben ja immer wieder eindrucksvoll gezeigt, wie man relativ klassische Adventures in schickem, zeitgemäßem Gewand verkleidet.

Sicher… Durch diese ganze Indie-Welle kommen jetzt auch viele Ein-Mann-Spieleschmieden um die Ecke und veröffentlichen ihre selbstprogrammierten Games. Dass diese Programmierer keine Grafiker sind und die Spiele dann entsprechend spartanisch daher kommen, sehe ich ein. Und das mögen ja mechanisch durchaus tolle Spiele sein, aber im Jahre 2016 haben meine Sehnerven doch irgendwie das Bedürfnis auf die eine oder andere Weise angenehm stimuliert zu werden.

Wenn dann ein Spiel daher kommt und schlechter aussieht als mein Test Drive von 1987, dann runzle ich einmal die Stirn und entschließe mich dazu, dieses Spiel weiträumig zu umfahren. Mag sein, dass ich mich damit selbst einer tollen Spiele-Erfahrung beraube, aber das macht den Trend zu pixeliger Krümelgrafik für mich nur umso ärgerlicher.
Ich erwarte ja nichtmal High-End Grafik, wie sie Blockbuster-Spiele mit Millionen-Budgets präsentieren, aber eine gewisse zeitgemäße Grundästhetik gehört für mich einfach dazu.

Wenn ich mir zum Beispiel „Plants vs. Zombies“ ansehe, hab ich da absolut nichts zu meckern. Das Spiel sieht mit relativ einfachen Mitteln einfach gut aus und wird mit Sicherheit keine Millionen gekostet haben.

Und da wirkt die momentan so trendige Retro-Optik auf mich häufig eher wie eine Ausrede. „Wir könnens nicht besser, als machen wir jetzt Kümmer-Grafik und verkaufen das als Retro.“

Nennt mich einen Grafik-Fetischisten, aber ich rolle jedes Mal mit den Augen, wenn wieder ein Spiel mit Pixelgrafik als das neue, hippe Ding vorgestellt wird.

 

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