Kritik: Fifty Shades of Grey

Okay, ihr müsst jetzt bitte alle ganz stark sein.

Ja, ich hab den Film gesehen. Und nein, gut war der nicht.

Eine Sache, die mir echt Angst macht, ist die offensichtliche Programmierbarkeit der Massen. Da schreibt eine leidliche begabte Hobby-Autorin eine Fan-Geschichte aus dem Twilight-Universum in der der Glitzervampir offenbar noch andere Gelüste außer Blut verspürt, benennt dann die Charaktere um, passt ein paar Details an und vertickt das Ganze an einen Verlag, der es offenbar blendend versteht die Marketing-Trommel zu schlagen.
Ein paar Fernsehberichte und Leseproben in der BILD später, ist der kleine Twilight-Schmuddel-Groschenroman zu einem Bestseller geworden, den zwar alle Welt (mal abgesehen von ein paar unterdrückten Hausfrauen im amerikanischen Mittelwesten) scheisse findet, der sich aber trotzdem verkauft wie geschnitten Brot.
Und warum das Ganze? Weil es um (SKANDAL!) Sado-Maso geht. Und weil alle Welt drüber redet. Warum auch immer.
Also ich halte mich nun wirklich für alles andere als bewandert auf dem Gebiet, aber bin ich der Einzige, der dabei irgendwie mit den Schultern zuckt und denkt: „Ja und? Joko und Klaas lassen sich regelmäßig zur Primetime gegenseitig leiden. Wo ist denn da der Skandal?“

Skandal hin, Skandal her… Es ist ja grundsätzlich möglich einen guten Film zu machen und den mit einer ordentlichen Portion Erotik zu würzen und dabei sogar das eine oder andere SM-Thema anzuschneiden.
Basic Instinct fand ich damals ziemlich heiss, aber auch ohne den ganzen Sexkram, verbarg sich dahinter immerhin ein solider Thriller, der einigermaßen spannend war. Gut, das war letztlich nur das Equivalent zu den Artikeln im Playboy und eine prima Ausrede um Sharon Stone mal nackig zu sehen, aber egal.
Fifty Shades ist jedenfalls kein Thiller sondern… ähm… eine Romanze? Oder sowas?

Wenn sich ein Buch halbwegs gut verkauft, kommt kurz darauf jemand um die Ecke, der es für eine gute Idee hält, einen Film – oder besser noch: Eine Trilogie – draus zu machen. Und, wen wunderts… Auch der Film war erfolgreich genug, so dass uns auch eine Fortsetzung nicht erspart bleibt. Und vermutlich noch eine Fortsetzung, die sie dann aber in zwei Filme aufteilen, wenn wir richtig Glück haben.

Der Knaller bei der ganzen Geschichte ist ja, dass der Film ab 16 freigegeben ist, was für etwas, was als SM-Skandal-Erotik-Teilchen beworben wurde schonmal sehr verblüffend ist. Und dann kommt noch dazu, dass man sich einen männlichen Hauptdarsteller ausgesucht hat, der im Vorfeld vertraglich festgelegt hat, keine Nacktszenen drehen zu wollen.

Ja… Kann man machen…

Nicht, dass ich da scharf drauf wäre, aber ist es nicht ein wenig komisch, sowas vertraglich festzulegen, wenn man in einem Film mitspielt, den Leute nur angucken, weil sie Sex-Szenen sehen wollen?

Aber nun mal zur Sache:

Die Handlung:
Anastasia Steele (Ja, die heisst echt so!) ist eine verklemmte graue Maus. Sie trifft auf den reichen Geschäftsmann Christian Grey, der aussieht wie Oliver Bierhoff und die Ausstrahlung eines Milchtoasts hat. Immerhin ist der Kerl stinkreich, weil er Investmentbanker oder sowas ist und vermutlich nebenbei Waffen schmuggelt und Drogen kocht. Dem Publikum soll nun weiss gemacht werden, dass sich die graue Maus total in den charmanten, dominanten Milchtoastmann verknallt, weil er so sexy und mysteriös ist. Frauen mögen hier möglicherweise verzückt seufzen, aber jedem Mann ist klar: Die Alte will an seine Kohle.

Mister Grey, der eine Vorliebe für Fesselspielchen und Augenbinden hat, denkt sich vermutlich, dass die Schnalle mit so ner Binde vor den Augen dann auch nicht mehr so blöd aussieht und lässt erstmal den Millionär raushängen, was Anastasia voll toll findet. Solange bis er ihr sagt: „Du, mit Romatik ist hier nix. Ich will dich poppen und dir ab und zu den Hintern versohlen, aber dafür nehm ich dich mal in meinem schicken Sportwagen mit.“ (Ist nicht die genaue Wortwahl, aber rein inhaltlich hat er das tatsächlich so gesagt. Kein Witz.)

Die verknallte Maus ist erstmal etwas verunsichert, aber findet den SM-Millionär immernoch total dufte und gibt für ihn weiterhin fleissig das Masopilami. (HUBA! Tschuldigung… das Wortspiel musst irgendwie sein.)

Was folgt ist eine ewige Abfolge von „Nein, ich will nicht, dass Du mich haust, Christian. Find ich nicht so geil.“ und „Pass auf, wir fliegen jetzt mal ne Runde romantisch mit meinem Hubschrauber und hinterher klopp ich dir den Popo blau, okay?“. Das Ganze zieht sich dann über gefühlte fünf Stunden hin und endet schließlich damit, dass er ihr den Popo blau haut und sie mal wieder geht.

Bitte? Das wars schon? Hab ich geblinzelt und die Sexszene verpasst?
Ernsthaft… ich erwarte nicht, dass man einen Porno im Kino zeigt, aber dafür dass da im Vorfeld so ein Wirbel drum gemacht wurde, war das zahme Hintern-Geklatsche, welches den Höhepunkt seines sexuellen Treibens darstellte irgendwie wenig skandalös oder gar schockierend. Wie gesagt…. Joko und Klaas haben da mehr auszuhalten.

Die Dialoge waren unglaublich schlecht und ich war ständig hin und her gerissen zwischen ungläubigem Gekichere und peinlich berührtem Raunen.

Die Charaktere:
Anastasia ist am Anfang eine graue Maus und am Ende auch. Christian ist ein beziehungsgestörter Psychopath und das bleibt er auch.
Spannend.
Fairerweise muss man sagen, dass Dakota Johnson die Anastasia ganz gut spielt. So gut, wie es eben mit der Vorlage möglich ist.

Der Look:
Joa… könnte schlimmer sein. Ist aber auch nix weltbewegendes. Normaler Film halt.

Fazit:
Für mich der schlechteste Film des Jahres zum vermutlich schlechtesten, erfolgreichen Buch der letzten Jahre. Pure Langeweile an allen Fronten. Langweilige Charaktere, langweilige Geschichte, langweilige Schauspieler…
Und trotzdem bin ich mir sicher, dass Teil 2 und 3 sich wieder prima an den Kinokassen machen werden. Diesmal aber ohne mich. Da guck ich mir lieber nochmal Fantastic Four an, denn die Grauschattierungen sind „Echt uebel“.

siegel_schlecht

 

Trailer: © Universal Pictures

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