Kritik: Fantastic 4

Stellen wir uns mal folgende Ausgangssituation vor:

Wir haben eine erfolgreiche Marvel Comic-Reihe als Vorlage.
Wir haben einen Regisseur, der mit „Chronicle“ einen der interessanteren Superhelden-Filme der letzten Jahre geschaffen hat.
Wir haben eine Riege durchweg guter Schauspieler.
Wir haben drei Vorgänger-Filme, die versucht haben die gleiche Reihe auf die Leinwand zu bringen und daran gescheitert sind. Die Erwartungen sind also niedrig.

Also: Fantastic Four (oder wie es auf dem Plakat steht: FANT4STIC) kann gar nicht schlechter werden als die Vorgänger-Filme.

Oder?

Das Filmgeschäft ist schon komisch.
Auf der einen Seite haben wir die Kooperation zwischen Marvel und Disney. Das klappt hervorragend und das Maus-Haus rotzt jedes Jahr mindestens einen neuen Film aus dem Universum rund um Iron-Man, Thor und Captain America raus, die alle ziemlich unterhaltsam sind – auch wenn sich so langsam echte Ermüdungserscheinungen einstellen.
Auf der anderen Seite haben wir die Kooperation zwischen Marvel und Fox, die ganz offenbar nicht funktioniert. So wie ich das verstanden habe, hält Fox nachwievor die Rechte an der Marke „Fantastic Four“. Das heisst, sie sind die Einzigen, die Filme mit den fantastischen Vier (nein, nicht die Jungs aus Stuttgart) produzieren dürfen. Das dürfen Sie aber nur, solange sie die Marke auch nutzen. Heisst: Wenn Fox nicht in regelmäßigen Abständen einen „Fantastic Four“-Film produziert, verlieren sie die Rechte an der Marke. Tolle Vorraussetzungen also, um kreativ zu arbeiten

 

Die Handlung:
Reed Richards ist voll der schlaue Typ. Schon im Alter von 10 Jahren hat er in Papas Garage aus Klopapier-Rollen und einem N64-Controller einen Teleporter gebaut, der Gegenstände in eine andere Dimension und zurück transportieren kann. Wozu man sowas braucht – außer vielleicht als Atommüll-Endlager oder sowas – ist mir nicht ganz klar, aber der Richards ist auf jeden Fall voll schlau.

Aber trotz der Tatsache, dass er so schlau ist – und hier wird der Film jetzt wirklich unrealistisch – hat Reed Richards einen Freund, Ben Grimm. Ben ist nicht so schlau, aber ein netter Kerl, der zusammen mit seiner Assi-Familie auf einem Schrottplatz wohnt.

Jahre später bauen die beiden Flachzangen immernoch an Reeds Teleporter-Dingens und werden bei einem dieser Wissenschafts-Wettbewerbe, die es nur an amerikanischen Highschools zu geben scheint von einem älteren Mann afro-amerkanischer Herkunft angesprochen, der mit seiner hellhäutigen Tochter aus Russland (?) unterwegs ist, um Reed für seine tolle Superfirma zu rekrutieren. Bin ich der Einzige, der den Kerl für einen Menschenhändler gehalten hat?

Jedenfalls arbeitet die Superfirma auch schon an diesem Teleporter-Dings, das Sachen in einen großen staubigen transdimensionalen Wandschrank beamen kann, kriegt das aber irgendwie nicht so richtig hin, weil sie offenbar doch nicht so super ist.
Daher brauchen Sie Reed. Und der ist natürlich happy, unterschreibt den Vertrag und alles ist dufte.

Von da an arbeitet Richards zusammen mit der Russen-Tochter Sue und dem quartalssaufenden Bösewicht-Teenager Victor von Doom (sorry, wenn ich gerade lachen musste, aber Comic-Namen sind sooo albern…) und baut seinen Sinnlos-Teleporter jetzt in groß. Vervollständigt wird das Team dann durch den wiederrum dunkelhäutigen Bruder der russischen Sue, weil der …äh… gern Autorennen fährt und… äh… ein guter Mechaniker ist… und… die superreiche Superfirma gerade niemanden in der Personalabteilung hat, der eine Stellenausschreibung machen kann? Der Teleporter wird jedenfalls gebaut und als man das Ganze testen will, halten die Kids es irgendwie für eine super Idee, wenn sie selber die Ersten wären, die in die andere Dimension reisen. Also rufen Sie schnell mal Reeds Schrottplatz-Kumpel Ben an, weil… äh… ja, weil… der eben Reeds Freund ist und teleportieren sich ruckzuck in die andere Dimension, die in etwa so spannend ist, wie die ersten Fotos vom Mars. Viel Staub, viel Gestein und so komisch grüne Energie-Waber-Sachen. (Okay, die gabs auf dem Mars nicht, aber seis drum…)

 

Logo, dass das schief geht. Victor plumpst in eine Pfütze aus grün leuchtendem Matsch und auch der Rest der Truppe kriegt irgendwelche kosmischen Dimensions-Strahlen ab.

Jeder weiss ja, dass Strahlen nicht einfach nur zu einem schmerzhaften, langsamen und qualvollen Tod führen, sondern stattdessen Superkräfte verliehen. Und weils ja langweilig wäre, wenn alle vier jetzt das Gleiche könnten, gibts direkt die volle Superkraft-Bandbreite.
Reed ist ab sofort in der Lage seine Körperteile beliebig zu strecken und würde in der echten Welt jetzt vermutlich als Johnny Long-Dong eine Pornofilm-Karriere starten. Sue kann sich unsichtbar machen und obendrein Kraftfelder erzeugen. Ihr schwarzer Bruder (Yo yo yo!) kann fliegen und in Flammen aufgehen und Ben hat sich in ein kräftiges, nahezu unverwundbaren Steinmonster verwandelt und dabei klar die Arschkarte gezogen.

An dieser Stelle blitzt mal ganz kurz auf, was aus dem Film hätte werden können, wenn die Produktion etwas besser gelaufen wäre. Die Regierung tritt auf den Plan und hat natürlich vor, die vier Super-Kids als Waffen zu benutzen und spielt relativ geschickt mit ihren Ängsten und Wünschen. („Hilf uns und wir tun alles, um Dich wieder normal zu machen.“ Ja klar.) Interessanter Gedanke. Hätte man was draus machen können. Hat man aber nicht.

Natürlich arbeitet die Regierung weiter an dem Teleporter-Ding, weil sie sich jetzt noch  mehr Superhelden zurechtstrahlen wollen, aber bei einer weiteren Expedition in die Dimension des Gähnens, findet man den völlig entstellten, aber lebendigen Victor von… tihihi…(Tschuldigung… dieser Name…. geht schon wieder…)

Victor wird also auf die Erde gebracht, ist jetzt völlig durchgeknallt und lässt die Köpfe von Leuten platzen, weil seine Augen grün leuchten. Sein Plan ist, die Erde zu vernichten, damit keiner mehr diese Teleporter bauen kann, die seine Ruhe in der Schnarch-Dimension stören. Aber anstatt mit seiner Kopf-Platz-Technik in den nächsten Atomwaffenstützpunkt zu laufen, rekonfiguriert er lieber das Transport-Ding, so dass die Erde irgendwie mit einem großen blauen Strahl… ähm… gelasert… auseinander genommen… und äh… gefährlich jedenfalls.

Die Superhelden-Kids können natürlich nicht tatenlos zusehen und stellen ihn in der Valium-Dimension, wo sie zusammenarbeiten müssen, um ihn zu besiegen.

Ich bin wirklich kein Profi, was die Fantastic Four angeht und ich kenne die Vorlage nicht wirklich. Von daher hält sich meine Fan-Rage einigermaßen in Grenzen und ich kann den Film einfach als Film sehen. Leider macht es das auch nicht besser.

Man hat die ganze Zeit das Gefühl, man würde eine Art Vorgeschichte für einen Film sehen, der aber leider nie kommt. Die Helden bekommen Superkräfte, benutzen sie aber kaum, der Bösewicht ist langweilig und albern und die gesamte Geschichte so hahnebüchen, dass man das Hirn schon ziemlich komplett runterfahren muss.

Man merkt dem Film an allen Ecken und Ende an, dass der Regisseur keinen Bock hatte. Die Schauspieler versuchen, so gut es geht, um das grausige Drehbuch herum zu spielen, aber motiviert sieht da keiner aus.

Die Charaktere:
Joa… in Theorie hätte das alles ganz spannend werden können. Reed, der erfolgreich durchstartet, während sein Freund Ben auf dem Schrottplatz sitzen bleibt… Reed, der sich ein wenig in Sue verguckt und mit Victor zusammenarbeiten muss, der mal mit ihr zusammen war… Das alles hätte für schönes Drama sorgen können, aber leider wurde davon wirklich gar nichts genutzt.

Der Look:
Doof. Bei einem Superhelden-Film möchte ich gern Superhelden-Kostüme haben, aber hier gabs irgendwie nur doofe schwarze Anzüge. Die andere Dimension war langweilig. Dr. Doom sah aus, als hätte er das Solarium mit der Microwelle verwechselt und dabei sein eigenes Gesicht mit einer Tupperdose überbacken und selbst die Computereffekte… Ein Film mit einem derartig hohen Budget kann von der Handlung her noch so mau sein – wenns was zu gucken gibt, kann man immerhin sagen: „Okay, das war doof, aber schick.“. So machen das die Transformers-Filme seit Teil 1!
Aber aus irgendeinem Grund waren die Computereffekte hier echt mau und sahen aus, als kämen sie direkt aus den frühen 90ern, als man – mit Ausnahe von James Cameron – noch nicht so richtig wusste, was man damit alles anstellen kann. Grauenhaft.

Fazit:
Schade. So sieht ein Film aus, auf den keiner richtig Bock hatte und der ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen und ohne jede Form von Leidenschaft produziert wurde.
Nicht der absolute Totalausfall als der er gern hingestellt wird, aber definitiv einer der schlechtesten Superhelden-Filme der letzten 5 Jahre und damit „Echt uebel“.

siegel_schlecht

 

 

Du willst mehr Marvel?

Hier gehts zum Review von Guardians of the Galaxy
Hier gehts zum Review von Jessica Jones

 

Trailer: © Twentieth Century Fox Film Corporation

„Fantastic Four“ gibts auch bei Amazon:

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3 responses to “Kritik: Fantastic 4”

  1. filmreviews says :

    Als ich aus dem Film raus bin, konnte ich gar nicht glauben das es wirklich alles war. Ich war danach sehr froh das ich die KInokarten gewonnen hatte und wenigstens nichts dafür gezahlt habe. Als endlich Schwung rein kam, wars aus. Unglaublich

    Gefällt 1 Person

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