Kritik: Star Wars: Das Erwachen der Macht

Mann oh Mann… Star Wars ist schon so eine komische Sache. Ich bin ein Riesen-Fan der alten Trilogie um Luke, Leia, Han und all den Helden, die heutzutage mehr literarische Relevanz haben als… sagen wir mal… Odysseus, Hercules oder wie diese ganzen klassischen Helden so heissen mögen.

Da ich allerdings erst 1978 geboren wurde, bin ich leider erst mit der Special Edition in den Genuss gekommen, diese Filme im Kino zu sehen und bis dahin mussten meine alten VHS-Kassetten echt alles geben.

Dementsprechend begeistert war ich, als Episode I angekündigt wurde. Alles sah so gut aus… George Lucas, den ich zwischenzeitlich als eine Art Halbgott verehrte, übernahm Story und Regie, man hatte einen cool aussehenden Bösewicht und die Story drehte sich darum, wie aus Lukes nettem Papa, der röchelnde Bösewicht aller Bösewichter wurde.

Was kann da schon schiefgehen?

Alles.

Episode I war Mist.
Großer galaktischer Mist.

George Lucas verlor nicht nur bei mir seinen Halbgott-Status sondern offenbar auch seine Magie, die bei den alten Filmen so wunderbar funktioniert hatte und machte einfach alles falsch, was man falsch machen konnte. Anstatt einer relativ einfachen Geschichte um Gut und Böse, sponn er eine verschwurbelte Verschwörungs-Geschichte mit Rats-Sitzungen, die keiner sehen wollte, Laserschwert-Kämpfen, die mehr mit Aerobic zu tun hatten als alles andere und erklärte die Macht mit einer Art Virus-Infektion. Bitte?!?

Episode II und III wurden dann ein wenig besser, aber mit dem Star Wars, das ich als Kind so geliebt habe und immer noch liebe hatte das nichts zu tun.

Und nun also Episode VII.

Gewarnt durch die Prequels habe ich mir vorgenommen, mit so wenig Erwartungen in den Film zu gehen wie möglich.

ACHTUNG! Ab hier gibts in dieser Rezension eine ganze Menge Spoiler!

Die Handlung:
Die Handlung geht in Ordnung, aber ich war doch etwas verblüfft, dass nach all dieser Zeit, die sie für den Film hatten, den Autoren offenbar nichts besseres eingefallen ist, als ein Aufguss von Episode IV. Ich fasse mal zusammen:

Ein Agent der guten Seite ist mit wichtigen Plänen auf dem Weg zur sicheren Basis und wird von den Bösewichtern überrascht. Er versteckt die Pläne in einem kleinen Droiden und schickt ihn ganz allein auf einen Wüstenplaneten, wo er auf einen naiven, verträumten Heldencharakter trifft, der ihn vorerst in seine Dienste nimmt. Die Bösewichter machen sich weiter auf die Suche nach den Plänen und der Held kann mit knapper Not im Millenium Falken entkommen… Und am Ende wird der Todesstern gesprengt.

Klingt bekannt, oder?

Seis drum… Die Handlung funktioniert und hat genug Alleinstellungsmerkmale, um sich von Episode IV abzuheben, kam mir an einigen Stellen aber doch etwas zu bekannt vor. Vielleicht war das aber auch Absicht der Filmemacher, um das Publikum direkt mit etwas sehr vertrautem abzuholen und ihnen klarzumachen: „Das ist jetzt Star Wars!“
Und in Episode VIII machen sie dann was anderes, neues. Hoffen wir mal. Wenn ein Eisplanet vorkommt, werde ich dann doch etwas grantig.

Dass es in Star Wars komplizierte Familien-Verhältnisse geben muss, ist ja irgendwie klar. Die Art und Weise wie die familären Verstrickungen gelöst wurden gefällt mir bislang sehr gut und sorgt für viel Drama und eine ganz neue emotionale Ebene, aber ich hoffe ein wenig, dass sie´s nicht übertreiben und am Ende irgendwie jeder mit jedem verwandt ist.

Ein paar Dinge haben mir allerdings nicht so gut gefallen. Möglicherweise wird das irgendwann nochmal erklärt, aber so wie ich das verstanden habe, wurde Finn vom Kleinkind-Alter an darauf gedrillt ein Sturmtruppler zu sein, Leute zu töten und Befehle zu befolgen. Und dann sieht er bei seinem ersten Einsatz, dass im Krieg ja tatsächlich Leute sterben und die ganze schöne Gehirnwäsche und der ganze Drill sind dahin und er ist plötzlich einer von den Guten, der die Erste Ordnung hasst? Das ging mir irgendwie zu schnell und einfach.

Auch Reys Wandlung hin zum Jedi kam mir etwas plötzlich. Wo Luke noch gefühlt etliche Monate mit Yoda – einem echten Meister – im Sumpf trainieren musst, nur um einen kleinen Stein mit der Kraft seiner Gedanken hochzuheben, kommt Rey von ganz allein und ohne jede Hilfe auf die tollsten Tricks und die klappen auch alle ganz wunderbar. Mind-Trick – kein Problem. Lichtschwerter durch die Luft fliegen lassen – auch kein Thema. Hmmm…

Komischerweise scheint das nur mir aufgefallen zu sein, aber warum sagen sich die Helden in diesem Film ständig, wie toll sie sich gegenseitig finden?
„Wow, Du bist echt gut geflogen!“
„Ja, aber Du warst auch nicht schlecht.“
„Aber nicht ganz so gut wie Du.“
„Nun übertreib mal nicht, ich hab noch keinen besseren Schützen gesehen…“
Blablabla…
Und dann gibts da diese eine Szene, in der wir sehen, dass Dameron Poe mit seinem X-Wing einen Tie-Fighter nach dem anderen vom Himmel holt und fliegt wie der rote Baron persönlich. Wir sehen also, dass er ein wirklich guter Pilot ist. Und was sagt unser Freund Finn darauf, der das Ganze auch beobachtet?
„Wow, das ist mal ein wirklich guter Pilot!“
Ja… Wir habens gerade gesehen… Muss man nicht sagen.

Die Szene auf Han´s Transportschiff mitsamt Gangstern und Weltraum-Monstern war ganz witzig und gut gemacht, aber irgendwie wollten mit die Tentakelviecher nicht gefallen und ich fand die ganze Szene eher überflüssig. Hätte man sich vielleicht sparen und stattdessen eine Szene einbauen können, die zeigt, dass es jemanden kratzt, dass mal eben so mit einer galaktischen Superwaffe die komplette Republik, die Regierung und alles wofür in den letzten 3 Filme gekämpft wurde zerlasert wird.

Der Moment zwischen Han und seinem Sohn, der schließlich in Han´s Tod gipfelte, war toll. Aaaaaber komischerweise hatte der nicht so richtig emotionalen Wumms. Ich meine… da stirbt einer der beliebtesten Filmcharaktere der letzten 30 Jahre den Leinwandtod und irgendwie wird da kurz einmal drüber gejammert und das wars.
Es mag an der musikalischen Untermalung gelegen haben, aber wenn ich da an die Szene aus „Herr der Ringe“ denke, als Gandalf gerade mit dem Balrog abgestürzt ist und Frodo und Sam getrauert haben… da hatte ich Pipi in den Augen.
Bei Han´s Tod dachte ich nur: „Oh… blöd.“
Und auch später wurde da kein Wort mehr drüber verloren. Selbst Qui Gon hat am Ende von Episode I sein Ehrenbegräbnis bekommen. Da wär doch das eine oder andere Filmtränchen drin gewesen, oder?

Und dann wäre da noch eine Frage, die ich nicht ganz verstehe. Man hat einen Bösewicht mit vernarbtem Gesicht, jemanden der offenbar die dunkle Seite der Macht beherrscht, Jedi-Schüler umdrehen kann, eine riesige Militärmaschinerie befehligt und nur als 40 Meter hohes Hologramm auftritt und man nennt ihn Snoke?!? Echt jetzt? Habt ihr zuviel Spongebob geguckt?
Nee tut mir leid… Der Typ ist cool, aber der Name ist albern.

Die Charaktere:
Die Charaktere sind toll! Und damit meine ich vor allem die neuen Charaktere. Rey ist großartig! Sie hat dieses Glitzern in den Augen und diese seltsame Art von Naivität, die die Rolle vermutlich braucht, damit man sich als Zuschauer mitgenommen fühlt und das klappt hervorragend. Und auch Finn ist okay, wenngleich nicht ganz so prägnant wie Rey.
Es ist schön Han Solo, Chewie und Leia wiederzusehen und ich war angenehm überrascht, dass sie echte Rollen haben und nicht nur im Film sind, um im Film zu sein, wie das bei C3PO und R2D2 in den Prequels der Fall war. Auch Dameron Poe hat mir gut gefallen.

All diese Charaktere hatten auf der Leinwand in 3 Minuten mehr Chemie als alles, was irgendwann in den Prequels stattgefunden hat.

Und dann ist da auch noch Kylo Ren. Eine Super-Rolle. Ja, er hat ein Milchgesicht, aber ich liebe die innere Zerrissenheit zwischen heller und dunkler Seite und Adam Driver spielt das hervorragend. Und im Zusammenhang mit dem Titel „Das Erwachen der Macht“ finde ich es cool, dass damit offenbar nicht nur die helle Seite gemeint ist, denn auch Kylo ist ja mit seiner Ausbildung offenbar noch lange nicht fertig.

Oh und nicht zu vergessen: BB-8. Großartig und für viele Lacher gut. Er sieht aus wie ein Fußball, hat aber mehr Ausdrucksstärke als Anakin in allen Prequel-Episoden zusammen.

Der Look:
Da gibts nur wenig zu meckern. Das ist Star Wars, wie´s sein soll. Statt CG gibts echte Sets und echte Alien-Puppen. Super.
Die wenigen CG-Wesen wirken da schon fast etwas komisch. Snoke geht noch in Ordnung (Gott, ich hoffe, der ist nur als Hologramm so groß), aber dieses komische kleine Wesen mit der dicken Brille sah irgendwie richtig unecht aus, was mich in Anbetracht des Budgets und dem Talent der Macher etwas verwundert hat.

Der Soundtrack:
Hier bin ich etwas enttäuscht. Ich mag Reys Theme, aber der Rest ist mir viel zu generisch. Das ist John Williams Action-Musik, die ihren Job erfüllt, aber überhaupt keine bleibenden Melodien im Ohr hinterlässt. Wenn ich da an die Asteroiden-Szene aus Episode V denke, dann sehe ich, dass man doch auch Action-Szene mit tollen Melodien versorgen kann. Hier hats irgendwie nicht so gut geklappt. Aber John Williams wird ja auch nicht jünger…

Fazit:
Toller Film, den ich mir sicherlich noch einige Mal anschauen werde. Nicht ohne Fehler, aber welcher Film ist das schon? Mich hat das Erwachen der Macht großartig unterhalten und ich freue mich auf die weiteren Episoden und vor allem darüber, dass es wieder Star Wars Filme gibt, die sich wie Star Wars anfühlen.

Allein deswegen ist Episode VII für mich „Uebelst geil“.

siegel_gut

Wilde Theorien:

  • Rey ist Lukes Tochter (was wohl recht wahrscheinlich ist)
  • Snoke, der nur als Hologramm auftaucht, ist in Wirklichkeit Luke, der der verqueren Theorie anhängt, dass die Macht im Gleichgewicht sein muss und daher die dunkle Seite auch existieren muss.

Du willst noch mehr Star Wars?

Hier gehts zum Review von Star Wars: Episode III
Hier gehts zum Review von Star Wars: Episode IV
Hier gehts zum Review von Star Wars: Episode V
Hier gehts zum Review von Star Wars: Episode VI
Hier gehts zum Review von Star Wars: Clone Wars
Hier gehts zur Empfehlung von Star Wars Revisited
Hier gehts zum Review von Star Wars: Battlefront

Trailer: © Lucasfilm Ltd.

„Star Wars: Episode VII“ gibts auch bald bei Amazon:

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